Zwei starke Konzerte an einem Abend

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Der Junge Kammerchor Ostwürttemberg im Gmünder Münster – das Publikum kommt in den Genuss von zwei Konzerten in einem.

Der Junge Kammerchor Ostwürttemberg konzertiert. Maddalena Ernst und Thomas Baur am Pult.

Schwäbisch Gmünd. Es waren zwei beinahe je einstündige Konzerte, die am Samstagabend das Publikum im Münster in Schwäbisch Gmünd begeisterten; der erste Teil des Abends wurde von Maddalena Ernst geleitet, nach der Pause stand Thomas Baur am Pult. Ernst und Baur präsentieren den Kammerchor mit einer unterschiedlich akzentuierten Auswahl der Kompositionen, folglich auch mit unterschiedlichen Aufführungsstilen. Maddalena Ernst liegt offenbar sehr viel an der Mehrfarbigkeit, der artikulatorischen Differenzierung, an den Effekten und Stimmungen. Thomas Baur wählt eher Stücke, in denen er die großen harmonischen Flächen, die Transparenz der Harmonien, die musikalische Tiefe der Kompositionen herausarbeiten kann. So unterschiedliche gerieten die beiden Teile, dass man durchaus von zwei Konzerten in einem sprechen kann.

Und starke Aufführungen beide, gesungen von einem 25-köpfigen Ensemble, die beiden Dirigenten jeweils im Tutti unter der Leitung des/der anderen dabei. Coronabedingt kann nur mit eingeschränkter Personenzahl geprobt werden, der Kammerchor ist eigentlich doppelt so groß wie am Samstag im Münster. Qualitativ und auch in der Wucht der Fortissimos und der Sensibilität der heiklen Pianos brachte der Chor volle Leistung.

Perfektion und Transparenz waren von Anfang an bei dem „Out from the deep“ von Thomas Tallis zu hören. Der Chortenor zeigte sich mit Wohlklang und Stärke. Das Ave Maria legte Maddalena Ernst mit starken dynamischen Differenzierungen an. Ein Höhepunkt des ersten Teils das „Salve Regina“ von Francis Poulenc. Die Stimmgruppen kommunizierten miteinander, moderiert durch das ausdrucksvolle und genaue Dirigat von Maddalena Ernst.

Etwas leichtere Stücke bis hin zur Zugabe aus dem Film „Sister Act“ rundeten den wunderbaren ersten Teil des Abends ab. Der zweite Teil hielt das Niveau mit Ambition und Sicherheit. Mit Heinrich Schütz, Joseph Rheinberger und Benjamin Britten leitete Thomas Baur den zeitgenössischen Teil seines Konzertes ein mit Stücken der von ihm offenbar sehr geschätzten nordischen Komponisten wie Morten Lauridsen, Thorkel Sigurbjörnsson, Knut Nystedt und Jaako Mäntyjärvi. Sehr gute Textverständlichkeit, ausdrucksstarke Präsentation, großartige Klangflächen machten auch diesen Teil des Abends zum musikalischen Erlebnis der Extraklasse.

Ein stark komponierter „Segen“ entlässt das Publikum nach sehr herzlichem Applaus. wi

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