1000 heilige Momente erlebt

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Dr. Rolf Siedler geht nach 28 Jahren in den Ruhestand. Seine Stelle übernimmt Theologin Karolina Tomanek

Neue Leitung der katholischen Betriebsseelsorge – Dr. Rolf Siedler geht nach 28 Jahren in den Ruhestand. Seine Stelle übernimmt Theologin Karolina Tomanek.

Aalen

Zum Glück macht er weiter in einigen seiner Tätigkeitsfelder: Es wird weiter die lyrisch-musikalischen „Unterbrechungen“ geben und er wird weiter im Kreistag als leidenschaftlicher Kommunalpolitiker mitreden, nicht müde werden, seine Stimme zu erheben, wenn es um gute und gerechte Arbeit geht. Dr. Rolf Siedler geht zwar in den Ruhestand, doch zum Glück bleibt er präsent.

Seine Nachfolgerin im Amt ist Karolina Tomanek. Die künftige Leiterin der Betriebsseelsorge führt das weiter, was Rolf Siedler über die Jahre geprägt hat: Den Menschen auf Augenhöhe begegnen, die kleinen und großen Gesten interpretieren, mit ihnen gehen, wenn am Arbeitsplatz die Dinge nicht stimmen und die Menschen kaputtmachen.

Rolf Siedler, einer, der sein Gegenüber wahrnimmt, ehrlich begegnet und dann auch konkret ins Handeln kommt, spricht von „1000 heiligen Momenten“, die ihm während der Zeit als Leiter der Betriebsseelsorge geschenkt worden sind. „Jede Begegnung, jedes Gespräch, die vielen Einblicke in eine andere Welt, in einen Betrieb, die ich durch die Augen des Arbeitenden gesehen habe – all dies nehme ich mit. Für mich waren es 1000 heilige Momente.“ Ein wenig nachdenklich wird er. So gerne hat er selbst seine Arbeit gemacht, schwere Situationen mit seinen Klienten und Klientinnen durchgestanden, kleine und große Erfolge erzielt. Er ist als ausgebildeter Mediator der Kenner im Konflikte lösen, und steht hin, wenn es um bessere Arbeitsbedingungen geht.

„Immer mehr kommt das Thema Wertschätzung in den Blick“, sagt Rolf Siedler und Karolina Tomanek stimmt ihm zu. Bereits seit vier Jahren ist die Theologin bei der Betriebsseelsorge tätig und hat dort unter anderem die Burnout-Selbsthilfegruppe aufgebaut, den „Blauwagen“ mit auf den Weg gebracht, oder den Treff für polnische Pflegekräfte, „Betreuerynki“, ins Leben gerufen. Fehlende Wertschätzung, so sind sich die beiden einig, sei häufig dafür verantwortlich, dass Arbeitende in den Burnout rutschen. Ein Thema, das leider immer mehr Fahrt aufnimmt, Medien sprachen vor 20 Jahren von einer neuen „Modekrankheit“.

Es gilt, die Menschen in ihrer Situation wahrzunehmen und sie dort abzuholen, mit ihnen zu leiden, sie zu verstehen, Wege zu suchen, um eine Verbesserung herbeizuführen. All dies hat Rolf Siedler als Grundlage einer guten Betriebsseelsorge vor Ort und nun in die Hände von Karolina Tomanek gelegt.

Themen aufgreifen

„Die Themen liegen auf der Straße, Du musst sie nur sehen und aufgreifen“, wird Rolf Siedler nochmals ganz konkret. Die Gründung der Jobbörse für Langzeitarbeitslose geht unter vielem anderen darauf zurück, die tollen Projekte, die vor dem Haus der Katholischen Kirche in Zusammenarbeit mit Künstlern hervorgegangen sind, die Gründung von „Utopiaa“ gemeinsam mit der Stadt Aalen, die Zusammenarbeit in den Betrieben mit den Betriebs- und Personalräten, mit den Personalsachbearbeitern, mit den Vertretungen der Schwerbehinderten. „Wir sind direkt dran, auch wenn es immer schwieriger wird, in die Betriebe zu kommen“, führt Siedler aus. Als kirchliche Einrichtung willkommen zu sein – schwierig. Eine Geh-Hin-Kirche sein, nicht vorauslaufen, sondern auf gleicher Höhe, sich auf verschiedenen Feldern engagieren und mitwirken – so stellt er sich seine Kirche, sein Amt vor.

In 1000 heiligen Momenten ist das Dr. Rolf Siedler gelungen. Unermüdlich kämpft er für Recht und Gerechtigkeit. Weil er Menschen mag und ihre Probleme ihn nicht kalt lassen. Diese Spur ist für die Betriebsseelsorge gelegt. Karolina Tomanek wird sie weitergehen.

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