23-Jähriger greift Freund mit dem Messer an

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Am Mittwoch soll ein Urteil gefällt werden.

Was passierte wirklich am 31. Januar in der Gemeinschaftsunterkunft in Schwäbisch Gmünd?

Ellwangen. Weil er einen Mitbewohner in der Gemeinschaftsunterkunft in Schwäbisch Gmünd in Tötungsabsicht mit dem Messer angegriffen haben soll, steht ein 23-jähriger Pakistani seit Dienstag vor der 1. Schwurgerichtskammer am Landgericht Ellwangen. Am ersten Verhandlungstag wurden Angeklagter, Geschädigter und zwei Tatzeugen vernommen. Schwierig gestaltete sich das aufgrund von Sprachproblemen, trotz zwei Dolmetschern. Vor allem war die Vernehmung schwierig, weil am Tatabend alle Bier konsumiert hatten.

Erst verbal, dann mit Messer

Wie Oberstaatsanwalt Peter Humburger in seiner Anklageschrift verlas, hatte es am Abend des 31. Januar gegen Mitternacht zunächst eine verbale Auseinandersetzung zwischen dem Angeklagten H. und dem Geschädigten P., aus Sri Lanka, gegeben. Da konnte einer der Zeugen H. zunächst ein „Cut-Messer“ wegnehmen und ihn ins Zimmer bringen. Er kam dann mit einem Küchenmesser wieder und stach dem Opfer unvermittelt mindestens fünfmal in Rücken und Körperseite. Wieder warf ihn der Zeuge, der aus seinem Zimmer hinzukam, zu Boden und entwaffnete ihn erneut. Im Stauferklinikum wurde das Opfer dann notoperiert, weil nach Ansicht der Ärzte Lebensgefahr bestand. Die Anklage lautete: versuchter Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung.

Auf Antrag erhalten der Angeklagte, der durch einen Pflichtverteidiger vertreten wird, das Opfer und auch die Nebenkläger (alle durch Anwalt vertreten) Prozesskostenbeihilfe.

Der Angeklagte spricht

Der Angeklagte führte in der Befragung von Richter Fritsch aus, dass einiges in der Anklage nicht stimme. Alle seien betrunken gewesen, es habe zunächst Streit gegeben, er wisse aber nicht mehr warum. Das Opfer habe ihn zunächst am Kragen gepackt, zu Boden geworfen und gewürgt. Er habe ein Messer gezogen, das ihm ein anderer weggenommen habe. Zu viert hätten sie ihn dann bedrängt, zwei hätten Messer in der Hand gehabt. Er sei in sein Zimmer und habe das Küchenmesser geholt. P. sei auf ihn zu gekommen und habe ihn wieder zu Boden geworfen, habe ihn beschimpft und beleidigt. Da habe er über die Schulter des Opfers auf dessen Rücken gestochen, aber „nicht so oft“.

Fritsch fragte mehrmals nach den genauen Abläufen, verwies auf eine anderslautende Aussage von H. bei der Polizei. Der Staatsanwalt fragte detailliert nach zu den Abläufen, es ergaben sich kleinere Widersprüche.

Das Opfer spricht

Das Opfer schilderte den Ablauf aus seiner Sicht. Er habe mit drei Freunden in der Küche gekocht und getrunken. Mehrmals sei H., mit dem er eigentlich befreundet war, betrunken dazu gekommen und wieder gegangen. Dann habe es Streit gegeben, und H. habe ein Messer gezogen. Das habe ihm einer seiner Freunde entwendet und H. sei in sein Zimmer gebracht. Beide Freunde seien ebenfalls in ihr Zimmer.

Plötzlich sei H. von hinten zu ihm gekommen und habe auf ihn eingestochen. Er sei zu Boden gegangen, bewusstlos gewesen und habe später gehört, dass einer seiner Freunde H. entwaffnet habe. Er sei zehn Tage in der Klinik gewesen und werde heute noch ärztlich und psychologisch betreut.

Die Freunde von P. wurden als Zeugen befragt. Sie bestätigten im Wesentlichen die Aussage des Opfers, mit kleineren Abweichungen. Immer wieder gab es Verständigungsprobleme, weil die Befragten die Übersetzung des Dolmetschers nicht richtig verstanden. Eine Sachverständige schilderte die Auswirkungen der Verletzungen. Zwei der Stiche hätten bei ausbleibender Versorgung lebensgefährlich werden können, vier weitere waren nur Hautritzer.

Am Dienstag, 20. Juli, wird die Verhandlung am Landgericht in Ellwangen fortgesetzt.

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