Ab August bleibt der Piepser stumm

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Kreisbrandmeister Otto Feil geht nach 46 Jahren Einsatz für die Feuerwehr in vielen Funktionen in den (Un)Ruhestand.
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Kreisbrandmeister Otto Feil geht nach 46 Jahren Einsatz für die Feuerwehr in vielen Funktionen in den (Un)Ruhestand. Ganz gibt der Ellwanger „Löschknecht“ aber seine Leidenschaft nicht auf.

Aalen

Am 15. Juli wird Otto Feil 64 Jahre alt. 46 Jahre Einsatz für die Feuerwehr liegen dann hinter ihm, seit 2007 als Kreisbrandmeister. 46 Jahre mit einem „halben Ohr“ am Piepser – der sich gerade meldet. Zwei Funksprüche später ist klar: Eine Brandmeldeanlage am Aalener Kubus hat ausgelöst. Falscher Alarm. „Der wird mir nicht fehlen“, legt Feil den Piepser weg. Ab 1. August 2022 steht für ihn (Un-)Ruhestand an. Denn ein bisschen Feuerwehr muss schon sein im Leben, auch für den Rentner Feil.

Geradeaus, bodenständig, pragmatisch, stets einen fröhlichen Spruch parat, lebenslustig, gesellig, zupackend, einer, der vorangeht und sein Team mitnimmt – so kennen Otto Feil nicht nur seine „Löschknechte“, sein engster Freundeskreis in der Feuerwehrfamilie. Sein Nachfolger Andreas Straub steht bereit. Ihm hinterlässt Feil ein gut bestelltes Haus. Die Ostalb-Feuerwehren seien gut ausgebildet und ausgestattet, der Nachwuchs da, wie auch die Akzeptanz der Politik für die Bedürfnisse der Feuerwehren - „denn Feuerwehren haben nie Wünsche, sondern nur Notwendigkeiten“, grinst Feil.

Ein verhasster Spind

„Die Aufgaben werden nicht kleiner“, sagt Feil. Und: „Für einen, der eigentlich nie zur Feuerwehr wollte, habe ich es ganz schön weit gebracht“, lacht er. Gut gelaunt ist er meistens, egal, wie stressig der Job werden kann. Dafür sorgen seine Frau und seine Familie. „Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen“, meint er. Und dass seine beiden erwachsenen Söhne ebenfalls bei der Feuerwehr in verantwortlichen Positionen sind, freut ihn. 

Mit 18 Jahren ist Otto Feil eingestiegen bei der Feuerwehr in Ellwangen. Als gelernter Heizungsbauer im elterlichen Betrieb hatte er damals genug zu tun, auch nach Feierabend. Mopedfahren, Sport, Spaß - auf Blaulicht-Hobbys hatte er keine Lust. Trotzdem landete er doch im Feuerwehrhaus, wo ihm Kommandant Hans Wiedmann zur Begrüßung eine Montur reichte und den Spind hinter der Türe zuwies. „Kam einer rein, knallte mir die Tür ins Kreuz. Ich hasste diesen Spind“, lacht er. 

Geliebt dagegen hat Feil die Kameradschaft, die er bei der Truppe erfuhr. Die Technik, die Aufgabe, anderen zu helfen, das alles, so merkte er bald, war genau sein Ding. Er machte Führerscheine, absolvierte Lehrgänge, lernte dazu, war immer verfügbar und er „konnte es gut mit den Leuten“, wie er sagt. „Da fällst du dann die Treppe rauf, ob du willst oder nicht“, lacht Feil. 

1995 wurde er zum Kommandanten der Ellwanger Feuerwehr, 2007, im reifen Alter von 49, zum Kreisbrandmeister gewählt. „Der Lehrgang zum Brandinspektor zog sich eineinhalb Jahre. Ich musste abends büffeln, im Lehrgang war ich der Älteste, der Heizungsbaumeister unter Ingenieuren. Die Mühe hat sich aber gelohnt und vom Netzwerk das ich mir damals aufbauen konnte, profitiere ich noch heute“, sagt Feil. 

Einige Feuerwehrweisheiten

„Ein Kommandant muss ge- und nicht ertragen werden“, oder „Helden muss man bremsen, Übereifer ist riskant“. Solche Sprüche produziert Feil aus dem Stegreif. Sie stimmen und man nimmt sie ihm ab. Ein Pragmatiker ist er, kein Bürokrat. „Sehen, was geht, und wie es geht, und dann machen“, das ist seine Devise. Und: „Scheuklappen runter, immer im Gespräch bleiben - mit allen.“ Seinen Job habe er stets als Mittler interpretiert. Ob im Dialog mit Stellen im Landes-Feuerwehrwesen, dem Kreistag, mit Bürgermeistern  oder Ostalb-Feuerwehrkommandanten, stets war es seine Aufgabe, zu erklären, zu vermitteln und „mitzuhelfen, das herauszuarbeiten, was wichtig ist, und wie dies auch erreicht werden kann“. 

42 Ostalb-Feuerwehren und sieben Werksfeuerwehren – aber den typischen Ostälbler gebe es nicht, hat Feil erfahren.„Die Leute an der Rems ticken anders als die an der bayerischen Grenze, die im Ellwanger Hinterland anders als Härtsfelder.“ Ein wenig stolz sei er daher schon, dass es ihm gelungen sei, Gemeinschaft zu schaffen, sagt Feil. Auch das Zusammenwirken aller Blaulichtorganisationen im Kreis sei vorbildlich. „Das finden Sie so sonst kaum wo.“ 

Kameradschaft, Geselligkeit, das „Bluna“ nach dem Einsatz, das habe ihn selbst als Feuerwehrmann geprägt. Die jungen Leute heute seien anders, „nicht besser oder schlechter, einfach anders. Sie wollen gefordert werden, mitreden, sind informiert, gut so. Aber nach dem Einsatz daddeln viele lieber am Handy statt zu reden“, weiß er.

In ein Loch falle er nicht, ist Feil sicher. Er freue sich auf die Zeit ohne Terminkalender, auf Spaß mit seinen beiden Enkeln. Motorradfahren fange er wohl nicht mehr an. „Alles hat seine Zeit und ich jetzt einen Opel-GT“, lacht er. 

Der Helfer hilft den Helfern

Der Feuerwehr bleibt er verbunden – als stellvertretender Alterskommandant und zudem hat er die Ausbildung für PEER absolviert. In diesem Projekt helfen Fachleute Rettern psychisch belastende Einsätze und den Stress besser zu bewältigen. „Ich hatte großes Glück, bis auf einen Unfall, bei dem zwei junge Mädchen umkamen, gelang es mir immer belastende Erfahrungen schnell abzuschütteln“, wird Feil kurz ernst.

Seine letzte offizielle Amtshandlung als Kreisbrandmeister wird der Kreisfeuerwehrtag in Westhausen am 17. Juli 2022 sein und dann feiert er natürlich noch seinen privaten Abschied – „aber nicht mit Fingerfood, sondern mit Handfestem“, lacht er gerade heraus. Wer hätte anderes vermutet?

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