Abgeschworen

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Bernd Müller
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Bernd Müller über Aha-Erlebnisse, wenn man sich als Ostälbler aufs Entdecken einlässt.

„Hinter Aalen waren wir bisher nicht so wirklich.“ Michaela Bücheler, die Gewinnerin des Hauptpreises beim Entdeckerpass 2021, war erfrischend ehrlich: Und froh, dass sie zusammen mit einer Freundin ihre Heimatkenntnis über ihre eigenen Gmünder Kreise hinaus ausgeweitet hatte.

Mit dem Entdeckerpass und der Karte dazu, auf der die 25 Ausflugsorte von Lorch bis Neresheim, von Essingen bis Ellenberg drauf waren, war die Bewusstseinserweiterung heimatlicher Art eine leichte Übung.

Wer sich alles drauf eingelassen hat aufs neu Entdecken des sprichwörtlich Guten, das doch so nah liegt, das konnte man nebenher entdecken beim Entdecken. Zum Beispiel in Gschwend am Märchenwald und Waldentdeckerpfad: Da waren die zwei Ellwanger Familien, die mit ihren Kindern unterwegs waren auf Ferientouren im Kreis - und mit sportlichem Ehrgeiz versucht haben, an einem Tag zwei, drei verschiedene Stempel an verschiedenen Orten für ihren Entdeckerpass zu ergattern. Da war aber auch das Rentnerpaar, das eigentlich nicht mehr zur Märchenwald-Zielgruppe gehörte, aber für den nächsten Enkelausflug mal vorfühlen wollte. Aus sportlichen Gründen waren die zwei per Fahrrad unterwegs von Entdeckerpassziel zu Entdeckerpassziel. Sportlich nahmen sie auch das Stempel sammeln: „Wenn, dann machen wir alle.“

Allen Altersklassen gemeinsam war der Spaß am Entdecken von Neuem. „Wir sind froh um die neuen Anregungen“, sagte eine Mama der Ellwanger Ausflüglergruppe. Weil der Ostalbkreis so groß und landschaftlich vielfältig ist, musste man dafür gar nicht die Kreisgrenzen überschreiten. Das gilt wieder für die 2022er-Neuauflage. Auch die 25 neuen Ziele zeigen gemeinsam das große Plus der Ostalb: Sie ist ein Landkreise mit sehr unterschiedlichen landschaftlichen Formationen. Das liegt an der Dreiteilung in Alb, Albvorland und das Bergland des Schwäbischen Waldes mit seinen steilen Tälern. Als Einsprengsel kommen noch Besonderheiten hinzu, zum Beispiel das nördliche Ries. „Die Ostalb ist sehr vielgestaltig, es gibt nicht so viele Kreise, die so eine Vielfalt haben“, urteilt einer, der sich damit auskennt: Ralf Worm, der oberste Landschaftsschützer im Kreis.

Ich kann aus eigener Erfahrung guten Gewissens sagen: Es lohnt sich, über den Tellerrand hinauszuschauen. Schlechten Gewissens, ein bissle kleinlaut, sage ich noch was: Viele – zu viele – Jahre habe ich ein Leben als recht scheuklappiger „Gmender“ gefristet. Als ich dann endlich öfter am Ipf oder am Braunenberg unterwegs war, in Ellwangen, auf dem Härtsfeld, in Wört oder auf der Kapfenburg, da musste ich sagen: mea culpa. Schlichter ausgedrückt: schee bled gwesa.

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