Durchgekaut

Absolut erhaltenswert

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Birgit Markert
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Birgit Markert über echte Originale.

Der Kupfer, der Beckekarle und die drei Musketiere – im Hirsch gehörten die fünf Bettringer Originale früher zum Stammtisch wie das frisch gezapfte Bier ins Glas. Doch das Herz des Gasthauses war weit mehr: Nach dem Schaffen kamen der Gipser Krieger, der alte Wamsler und der Burkhards Otto. Man tauschte Neuigkeiten aus, politisierte und stritt auch mal. Und wenn Durchreisende einkehrten, wurden diese ausgehorcht, wie Theo Zanek in „Alte Gmünder Gasthausherrlichkeit“, schreibt, brachten sie doch einen Hauch weite Welt ins Dorf. Die Runde um den Stammtisch war oft so groß, dass die Bedienung zwischen Tisch und Stühlen ihre Runde drehen konnte.
Daneben wurde wie die Weltmeister gekartelt, Skat, Binokel und Wallach, das höchste der Gefühle. Am Wochenende dann die vielen Feste: Taufen, Hochzeiten, Leichenschmäuse, 40er- und 50er-Feste. Der Hirsch war ein Ort der Begegnung par excellence, wo Gemeinsinn und Geselligkeit großgeschrieben wurden. Dass er nicht in den letzten Jahrzehnten von der Bildfläche verschwand, ist der Besitzerin Edith Bux und ihrer Familie zu verdanken. Mit viel Herzblut haben sie das stattliche Haus erhalten und immer wieder investiert und erneuert. Als es zuletzt schwierig war, geeignete Pächter zu finden, bewirteten sie ab 2007 knapp zehn Jahre selbst den Hirsch, der seit rund 200 Jahren in Familienbesitz ist, bis es aus Altersgründen nicht mehr ging. Wieder kam die Frage auf, wie es weitergehen soll. Mit der Familie Khadka, die zuvor in der Bettringer Rose war, zog nun die nepalesische Küche ein, ergänzt durch schwäbische Gerichte. Unterstützt werden Dev und Manita Khadka vom Ehepaar Bux und von Konrad Seitz, denen es wichtig ist, dass eine 550-jährige Tradition – 1477 wird der Hirsch, ein Fall-Lehen des Klosters Lorch, erstmals erwähnt – nicht sang- und klanglos endet. Denn darin sind sich alle einig: Nichts geht über ein Gasthaus vor Ort, in dem ein gutes Miteinander gepflegt und gefeiert wird.

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