Naturfotograf Tobias Gärtner

Adé kleine Füchse, Teil 4

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Das aufgestellte Tanrnetz fällt natürlich mehr auf.

Ostalb. Tobias Gärtner ist Hobby-Naturfotograf. Sein Revier ist die Ostalb. In unserem neuen Blog „Tobias‘ Naturfotografie“ berichtet er von seinem Hobby und gibt nützliche Tipps, was bei der Wildtier- und Naturfotografie zu beachten ist.

Wetter- und Perspektivwechsel

Ostwind: Am Wochenende nach dem ersten Ansitz haben sich die Windverhältnisse etwa verändert. Aus Nordwind wurde jetzt Ostwind, was für meine Ansitzposition aber glücklicherweise noch kein Problem war. Der Wind kam jetzt zwar nicht mehr direkt von vorne, sondern seitlich, entscheidend war aber, dass er immer noch vom Bau wegweht. In Zuge dessen entschloss ich mich auch, meine Perspektive von liegend auf sitzend zu wechseln. Mein seither verwendetes Tarnnetz spannte ich um mich herum auf und setzte mich dahinter. Insgesamt eine deutlich komfortablere Situation, bei welcher man sich auch einmal etwas mehr bewegen und strecken konnte.

Blick auf den "Arbeitsplatz" von Tobias.

Das aufgestellt Tarnnetz fällt natürlich mehr auf, als wenn ich liegen. Die Füchse akzeptierten es aber und erkundeten weiterhin ungestörte ihre Umgebung. Lediglich die große Öffnung des Objektivs und das reflektieren Glas dürften vermutlich für etwas Irritation gesorgt haben. Man merkte, dass sie einem zeitweise direkt in die Kamera schauten. Wobei sie aber nie gestresst oder in irgendeiner Weise nervös wirkten. Sie spielten und tollten herum und zogen sich nach einer gewissen Zeit wie gewohnt langsam in ihren Bau zurück.

Südwind: Eine weitere Woche verging und ich machte mich am Wochenende erneut auf, die Jungfüchse zu besuchen. Das Wetter schlug jetzt insgesamt etwas um. Es war nicht mehr so freundlich, und der Wind kam eher aus Süden. Denkbar ungünstig für meine seitherige Ansitzposition. Der Wind hätte von dort direkt zum Bau geweht. So entschied ich mich kurzerhand dazu, eine neue Ansitzstelle zu versuchen, auf dem freien Feld mit Blick in Richtung des Baus. Um auf der freien Wiese nicht gleich aufzufallen, wählte ich beim ersten Mal erneut eine liegende Position. Das stellte sich insgesamt aber als eher schwierig heraus, da das Gras bereits bis zu 15 Zentimeter hoch war und man sich anstrengen musste, den Kopf permanent zu heben, um darüber hinwegschauen zu können.

Bäume bilden einen natürlichen Bilderrahmen.

Wobei die Stelle an sich ganz gut war. Die vor dem Bau befindlichen jungen Bäume konnte man als natürlichen Rahmen in das Bild mit einbinden. So entschied ich mich dazu, am nächsten Morgen das Tarnnetz wieder aufzuspannen und sitzend zu fotografieren.

Schlechtes Wetter und jugendliche Neugier

Auf der Wiese ist das Aufstellen des Tarnnetzes aufwendiger.
Das sieht der Fuchs nicht.

Da das Aufspannen des Tarnnetzes auf der freien Wiese insgesamt etwas aufwendiger ist und auch etwas mehr Aufmerksamkeit erregt, beschloss ich morgens bereits in der Dämmerung aufzubrechen. Wenn es noch nicht so hell ist, fällt das vielleicht nicht so auf. Dachte ich zumindest...

Wie bei jedem Gang zum Ansitz, je näher man kommt desto vorsichtiger und aufmerksamer läuft man, den Blick immer in Richtung Bau.Die Luft schien rein zu sein und ich konnte mich langsam annähern. Um möglichst wenig Geräusche zu machen, musste es jetzt wieder schnell gehen. Rucksack auf, Tarnnetz raus, Haltestangen in den Boden stecken, Netz darüber spannen, Stativ und Isomatte aufklappen und in Position bringen, fertig.

Tobias-Tipp : Bereits am Vorabend gehe ich gedanklich durch, welches Equipment ich benötige und in welcher Reihenfolge ich es am nächsten Morgen aus dem Rucksack holen werde. In umgekehrter Reihenfolge wird es anschließend in den Rucksack gepackt, damit man morgens alles sofort griffbereit hat und die Geräusche durch das Suchen auf ein Minimum reduziert werden. Zudem kann man sich beim morgendlichen Aufbau besser auf seine Umgebung konzentrieren, wenn man weiß wo alles verstaut ist und nicht lange suchen muss.

Nachdem alles aufgebaut war und ich in der Wiese saß, dauerte es nur Minuten bis der erste Fuchs aus dem Bau kam. Vermutlich hat er mich, trotz meiner Bemühungen leise zu sein, gehört und wurde neugierig. In dem Moment zum Fotografieren noch zu dunkel, verbrachte ich Zeit damit, ihn einfach nur zu beobachten. Es schien einer der Kleinsten aus dem Wurf zu sein. Lange dauerte es nicht, bis sich zwei, drei seiner Geschwister dazu gesellten. Was bereits deutlich zu erkennen war: die jungen Füchse sind innerhalb der letzte eineinhalb Wochen deutlich gewachsen. Sie machen bereits einen eher jugendlichen Eindruck und ihren Aktionsradius haben sie deutlich erweitert. In einem Umkreis von 20 bis 30 Metern streunen sie jetzt um den Bau herum und erkunden neugierig die Umgebung. Auch das Spielen und Herumtollen ist intensiver geworden. Dass man sich dabei auch einmal anknurrt, scheint jetzt normal zu sein.

Tarnnetz, Kamera und ein entspannter Fuchs

Die Tatsache, dass sie dies auch völlig unbekümmert tun, ist für mich Bestätigung, dass sie sich durch mich nicht gestört fühlen. Zeitweise legte sich einer sogar schlafend vor den Bau. Ein Zeichen dafür, dass sie sich sicher und entspannt fühlen. Besser könnte der Moment nicht sein.

Manchmal legten sich die Tiere sogar hin. Ein Zeichen, dass sie entspannt waren.

Getrieben vom Spieltrieb und den ersten Rangeleien, hat auch die Neugier deutlich zugenommen. Sie trauten sich jetzt teilweise bereits auf die Wiese heraus. Einer musste sogar schauen, was denn da Ungewöhnliches in der Wiese steht. Er kam direkt auf mich zu, keine zehn Meter vor mir blieb er stehen und verharrte neugierig für ein paar Sekunden. Ein Moment, in dem ich kaum zu atmen wagte. Da er innehielt und aufmerksam schaute, war das die Chance auf ein paar formatfüllende Aufnahmen. Das Gras unscharf im Vordergrund, der Hintergrund ebenfalls aufgelöst. Bereits im Kameradisplay konnte man erkennen, dass hier einmalige Aufnahmen entstanden sind, die für auch oft vergebliches Ansitzen entschädigen.

Nur wenige Meter trennen bei diesem Bild Tobias und den Fuchs.
Blick direkt in die Kamera.

Nachdem mich der Fuchs für ein paar Sekunden beäugte, drehte er wieder um und spielte mit seinen Geschwistern. Kurz darauf kam die Sonne hinter den Bäumen hervor und die Kleinen verschwanden langsam wieder in ihrem Bau. Für mich der Zeitpunkt, meine Sachen zu packen und mich unbemerkt zurückzuziehen. Aber halt, was war da. In meinem Augenwinkel sah ich das sich etwas bewegt. Langsam drehte ich mich, um zu schauen, was da war. Ich traute meinen Augen kaum. Ein Fuchs, der Kleinste wieder, saß plötzlich vor dem Bau und schaute mir in aller Ruhe zu, was ich da mache. Er wirkte völlig entspannt und wollte wohl wissen, was da draußen vor sich geht. Unter seiner Aufsicht packte ich langsam und mit Bedacht meine Sachen zusammen und zog mich zurück. Es war wieder eines dieser Erlebnisse, das man nicht auf den Sensor der Kamera bannen kann und es einfach nur genießen sollte.

Am Tag darauf, einem Sonntag, stand dann natürlich morgens ein erneuter Besuch an. Gleiche Uhrzeit, gleiche Ansitzposition und gleiche Tarnung. Bis zum ersten Anblick dauerte es dieses Mal zwar etwas länger, nachdem sich aber irgendwann der Erste aus dem Bau heraustraute, folgten meist kurze Zeit später die Geschwister. Wie am Vortag trieb sie die Neugierde durch die Umgebung des Baus. Alles muss erkundet und erschnüffelt werden. Sie sind aber insgesamt auch aufmerksamer. Sie nehmen wahr, dass da etwas in der Wiese steht, das da nicht hingehört. Immer wieder positionierten sich einige Füchse am Bau, um zu schauen, was da vor sich geht. Aber nie hat man den Eindruck, dass sie nervös oder schreckhaft sind. So ergab sich die Gelegenheit für ein paar "Gruppenbilder"

Gruppenbild.
Gruppenbild 2.

Die darauffolgende Woche nutzte ich natürlich wieder für einen Ansitz, wohl aber mit dem Bewusstsein, dass es jetzt jeden Tag vorbei sein kann. Da sich die Kleinen in den letzten Wochen so schnell entwickelt haben und immer neugieriger wurden, musste man davon ausgehen, dass ihr Aktionsradius zwischenzeitlich noch größer ist und sie sich tiefer im Wald rumtreiben. Hier hätte man kaum mehr eine Chance mehr auf Bilder. Das Wetter nachts mit leichtem Regen und die Wiese morgens noch nass, wollte ich an einem Sonntagmorgen trotzdem nochmal mein Glück versuchen. Daraus entwickelte sich aber einer der Tage, wo man Stunden wartet, überhaupt nichts passiert und einfach nur Stille herrscht. An diesem Vormittag hatte ich keinerlei Anblick und bin unverrichteter Dinge wieder nach Hause gegangen. Am selben Tag erfuhr ich noch vom Jäger, dass Füchse es nicht mögen, wenn es regnet oder sie durch nasses Gras laufen müssten und ihr Fell nass wird. Da bleiben sie wohl lieber im Bau und warten bis alles etwas abgetrocknet ist.

Wildlife-Fotografie ist einzigartig

Nachdem dieser Ansitz erfolglos war, kam ich natürlich ins Grübeln, ob es sich überhaupt nochmal lohnt zum Bau zu gehen oder ob die Füchse sich zwischenzeitlich zu weit vom Bau entfernen und es schwierig wird sie zu fotografieren. Aber einen letzten Versuch wollt ich noch starten, bevor das Projekt für dieses Jahr abgeschlossen werden sollte. So ging es am darauffolgenden Donnerstag morgens in der Dämmerung zum Bau, wieder an die gleiche Ansitzstelle wie beim letzten Mal. Nach relativ kurzer Zeit traute sich tatsächlich wieder einer der jungen Füchse aus dem Bau heraus, wenn auch nur für ein paar Minuten. Es sollte einer der letzten Momente gewesen sein, wo sich der Nachwuchs zeigte. In den darauffolgenden ein, zwei Stunden war wieder absolute Ruhe. Zwangsläufig stellt man sich irgendwann die Frage: Bleibe ich jetzt sitzen und warte, ob noch etwas passiert oder packe ich zusammen und schließe mein Projekt damit ab?

Plötzlich hörte ich ein schreckendes (eine Art Bellen) Rehwild im Wald. Zuerst relativ weit weg, dann näherte es sich immer weiter in meine Richtung. Es musste im Wald von irgendwas erschrocken worden sein oder irgendwas Ungewohntes gerochen haben. Von mir konnte das ja aber eigentlich nicht sein, sonst würde es ja nicht direkt auf mich zukommen. Ein paar Minuten lang versuchte ich vergeblich etwas zu erkennen. Zwischen den vielen dichten Bäumen und der farblich guten Tarnung des Rehwilds aber ein eher schwieriges Unterfangen. Bis ein Knacken im Unterholz und eine Bewegung zwischen den Bäumen den sich langsam bewegenden Rehbock schließlich verrieten.

Ein Reh schaut vorbei.

Er hat mich nach wie vor nicht bemerkt und bewegte sich weiter in meine Richtung. Die Kamera auf dem Stativ hatte ich eigentlich in die genau entgegengesetzte Richtung aufgestellt. So ergab sich die Frage: Verzichte ich jetzt darauf, den Bock vielleicht fotografieren zu können oder bewege ich mich langsam, nehme die Kamera vorsichtig vom Stativ und versuche ein Foto zu machen? Wohl wissend, dass ich meine Tarnung den Füchsen gegenüber aufgebe. Mit der Gewissheit, dass ich ja bereits einige Fuchsbilder aufnehmen konnte, nahm ich die Kamera vorsichtig vom Stativ und schwenkte ganz langsam in Richtung Rehbock. Mein Glück konnte ich kaum glauben, als er dann plötzlich vom Wald auf die Wiese heraustrat. Keine 15 Meter vor mir. Somit war klar, dass er mich bis zu diesem Zeitpunkt weder gesehen, gehört noch gerochen hat. Sonst wäre er nicht so dicht neben mir aus dem Wald gezogen. Er schaute etwas verdutzt, da er nicht einordnen konnte was da in der Wiese saß. Diese paar Sekunden waren für mich die Gelegenheit, eine Portraitaufnahme des Bocks einzufangen. Mit den 500mm meines Objektivs und dem angesetzten Telekonverter war ich für meinen Geschmack bereits etwas zu nah dran. Es ließ sich in der Sekunde aber nicht ändern. Wenn auch nicht ganz perfekt, aber mit diesem Bild ist ein weiteres, lang gehegtes Wunschmotiv in Erfüllung gegangen.

Zum Schluss ein Reh als Porträt.

Dieses Erlebnis ist wieder mal ein tolles Beispiel für die Wildlife-Fotografie. Trotz oft vergeblichem und stundenlangem Ansitzen wird man plötzlich von Situationen überrascht, welche man so nie erwartet hätte. In den vergangenen Wochen durfte ich hautnah erleben wie sich die Füchse in ihrem natürlichen Lebensraum bewegen und aufwachsen. Sie schienen mich zu tolerieren und ließen es zu, dass man sie stundenweise beobachtet. Einer der Welpen lag mir dabei immer besonders am Herzen. Es dürfte der kleinste und vermutlich auch schwächste Fuchs des Wurfes gewesen sein. Er war oft der erste, der aus dem Bau kam und auch regelmäßig alleine am Eingang saß. Oftmals blieb er mehrere Minuten lang regungslos sitzen und beobachtet einfach nur, was um ihn herum passiert.

Die Tatsache, dass er sich dabei immer wieder vor dem Bau schlafen legte, war ein Beweis dafür, dass er sich trotz meiner Anwesenheit sicher und entspannt fühlte. Manchmal sah der Kleine noch richtig zerknautscht und verschlafen aus.

Fazit: Dankbar blicke ich auf eine tolle Erfahrung und spannende Wochen zurück. Leider war es mir nicht vergönnt die Fähe einmal zu sehen. Den Moment festzuhalten, wenn sie ihren Nachwuchs säugt oder die Kleinen auf ihr rumtollen. Es wäre ja aber auch langweilig, wenn alles immer gleich aufs erste Mal funktioniert und sich keine neuen Herausforderungen mehr ergeben. In den Wochen danach habe ich den Bau zweimal kurz besucht. Es deutete aber nichts mehr auf eine Anwesenheit des Nachwuchses. Sie werden zwischenzeitlich durch die umliegenden Wälder und Wiesen streifen. Ich hoffe, dass es allen gut geht.

In der nächsten Serie geht es um das Fotografieren von Wasservögeln.

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