Andreas Knauss: der Olivenbauer von der Ostalb

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Lakudia-Geschäftsführer Andreas Knauss in seinem Olivenhain.
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Andreas Knauss pendelt zwischen zwei Welten: Der Essinger bewirtschaftet Olivenbaumplantagen in Griechenland.Unter dem Namen „Lakudia“ stehen seine Produkte im Regal.

Essingen

Man kann fast von Glück sprechen, wenn man Andreas Knauss antrifft, denn der Essinger verbringt den größten Teil des Jahres in Griechenland. Genauer: in den Olivenhainen bei Monemvasia am Peleponnes. Hier wachsen die Oliven, aus denen Knauss hochwertiges Öl und andere Olivenprodukte der Marke Lakudia herstellt.

Wie kommt es, dass ein Maschinenbauingenieur von der Ostalb in Griechenland Olivenöl produziert? „Das ist eine lange Geschichte“, sagt der Unternehmer beim Gespräch in einem nüchternen Büro im Essinger Gewerbegebiet. Als er 1995 zu Besuch bei Freunden in Griechenland war, habe er aus einer Laune heraus einen Olivenhain gekauft, erzählt er, und begonnen, Olivenöl für den familiären Gebrauch herzustellen.

1999 dann die Gründung der Firma Lakudia. Das private Hobby wird zur gewerblichen Produktion, der Maschinenbauingenieur zum Olivenbauer. „Die eigentlichen Startinitiatoren für diesen Schritt waren Vincent Klink und Hans-Günther Mack“, betont Knauss. Gastronom Klink betreibt das Restaurant Wielandshöhe in Stuttgart, Mack ist Geschäftsführer der gleichnamigen Handwerksbäckerei aus Westhausen.

Lakudia wird zur Erfolgsgeschichte, das Olivenöl vielfach prämiert. Knauss: „Wir beliefern heute bundesweit die Spitzengastronomie, den gehobenen Feinkosthandel und die gehobene Lebensmittelproduktion.“

„Der Verrückte vom Berg“

„Der Verrückte vom Berg“, so hätten ihn die Einheimischen damals genannt, erinnert sich Knauss an die Anfänge in Griechenland. 5000 Olivenbäume nennt er inzwischen sein Eigen. Dazu kommen sogenannte Vertragsbäume. Das sind Olivenhaine, die von ihm gepachtet, aber von den Besitzern nach festgelegten Kriterien bewirtschaftet werden.

Acht bis neun Monate im Jahr ist der Olivenbauer in Griechenland in der Produktion tätig. Das gehört zur Unternehmensphilosophie. „Wir sind keine Händler, wir produzieren mit unseren eigenen Händen“, das ist Knauss wichtig. Nach dem Prinzip „Vom Baum auf den Tisch“ lasse man das Olivenöl während der Produktion und der eigenen Abfüllung nicht aus den Augen.

Drei- bis viermal pro Jahr macht sich der Essinger auf die Reise in den Süden. Von der Ostalb bis zu seinen Olivenhainen ist er 65 Stunden pro Tour mit dem Auto unterwegs, inklusive Überfahrt mit der Fähre. Er liebe Griechenland, schätze die klimatischen Bedingungen und dass es vier Jahreszeiten gibt. Sorgen mache ihm das Klima. „Ich spüre den Klimawandel sehr stark“, sagt der 66-Jährige. Weniger Regen und sinkende Grundwasserspiegel erforderten mehr Bewässerung und hätten höhere Produktionskosten zur Folge.

Baumschnitte für Schafe

Zur nachhaltigen Bewirtschaftung gehört das regelmäßige Pflanzen von jungen Bäumen und eine Schafherde. „Wir verfüttern den gesamten Baumschnitt an die Schafe“, erzählt Knauss. Denn jedes Jahr bei der Ernte wird der Olivenbaum geschnitten. „Schneide mich kurz und ich mache dich reich“, zitiert er ein arabisches Sprichwort. Mit einem Baumschnitt könne man einen Olivenhain jederzeit aus dem Dornröschenschlaf wecken, im Laufe eines Jahres bilden sich dann neue Triebe, erklärt der Olivenbauer, der inzwischen fließend Griechisch spricht. Und das muss er auch, um mit den Behörden kommunizieren zu können. Knauss: „Kein Lebensmittel wird so stark kontrolliert wie das Olivenöl.“

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Lakudia-Geschäftsführer Andreas Knauss in seinem Olivenhain.
Frische Oliven.
Schafe im Olivenhain: Sie fressen den anfallenden Baumschnitt.

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