Armut: Kinder im Ostalbkreis erhalten Hilfe

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Carmen Häberle ist die Projektleiterin des Präventionsnetzwerks gegen Kinderarmut im Ostalbkreis. Dieses wird bis Ende 2023 vom Land Baden-Württemberg gefördert. In der Essinger Schloss-Scheune startete das Projekt offiziell.
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Im Ostalbkreis wird ein Präventionsnetzwerk aufgebaut, das Kinder aus armutsgefährdeten Familien oder mit Migrationsgeschichte unterstützt. 80 000 Euro Förderung gibt's dafür vom Land.

Essingen

Kinder aus armutsgefährdeten Familien, von Alleinerziehenden oder mit Migrationsgeschichte unterstützen: Das ist die Aufgabe des Präventionsnetzwerkes „Gesunde Chancen für Kinder und Familie im Ostalbkreis“, das am Montag vorgestellt wurde.

Etwa jedes fünfte Kind sei in Baden-Württemberg von Armut betroffen, dies habe lebenslange Auswirkungen auf die Teilhabechancen, sagte Carmen Häberle. Sie ist Mitarbeiterin des Landratsamts und leitet das Projekt, das vom Land mit 80 000 Euro unterstützt wird. Der Fokus der Aktion liege auf Kindern von null bis zehn Jahren, also von der Geburt bis zur Grundschule, sagte Häberle während der Auftaktveranstaltung in der Schloss-Scheune Essingen.

Die Ziele: Die Gesundheit und die Teilhabechancen der Kinder fördern, Armutsfolgen verhindern und Angebote zur Stressbewältigung oder Sportkurse starten – das sind einige Ziele des Projekts. Um Doppelstrukturen zu vermeiden, führen Häberle und ihr Team eine Bestandsanalyse der Angebote im Ostalbkreis durch. Zudem sind sie aktuell auf der Suche nach Einrichtungen und Organisationen, die Teil des Netzwerkes werden wollen. „Wir möchten eine Angebotsübersicht erstellen und gemeinsam neue Maßnahmen für den Ostalbkreis entwickeln“, sagte die Projektleiterin.

Die Netzwerke: Das neu gegründete Netzwerk im Ostalbkreis ist eines von 26 Präventionsnetzwerken in Baden-Württemberg. „Bis 2030 will das Land diese Netzwerke flächendeckend aufbauen“, sagte Dr. Michael Wolff, Mitarbeiter des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg. Die Prävention der Kinderarmut liegt eigentlich im Aufgabenbereich der Gemeinden und Städte, wie Wolff sagte. Doch dem Ministerium sei dieses Thema wichtig, daher wurde unter anderem das Projekt „Starke Kinder chancengleich“ gegründet, das Kommunen finanziell unterstützt, erklärte er.

Die Zahlen: „Kinder und Jugendliche in Baden-Württemberg weisen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung ein überdurchschnittlich hohes Armutsrisiko auf. Im Jahr 2019 waren 19,1 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren in Baden-Württemberg armutsgefährdet“, bilanzierte er – mehr dazu erfahren Sie in der Box „Armut: Kinder und Jugendliche im Land“.

Der Vorteil: „Unser Ziel können wir nur gemeinsam erreichen“, sagte Heike Lipinski, Mitarbeiterin des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg. Die Gründung eines Netzwerks sei daher sinnvoll. „Der gesamte Kreis macht sich auf den Weg, Kinderarmut zu bekämpfen.“ Im Vergleich zu vielen Einzelprojekten erhöhe das die Qualität der Maßnahmen. Zudem könnten Angebotslücken oder Doppelstrukturen gefunden oder vermieden werden.

Infos zum Projekt gibt's unter Telefon (07361) 5031120.

Armut: Kinder und Jugendliche in Baden-Württemberg

Im Jahr 2019 waren 19,1 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren in Baden-Württemberg armutsgefährdet (2018 = 19,0 Prozent). Dies geht aus Zahlen des Projekts „Starke Kinder chancenreich“ hervor. Mädchen seien etwas stärker von Armut gefährdet als Jungen. 


Unter 18-Jährige mit Migrationshintergrund trugen demnach im Jahr 2019 in Baden-Württemberg ein Armutsrisiko von 29,7 Prozent (2018 = 29,3 Prozent), während unter 18-Jährige ohne Migrationshintergrund ein Armutsrisiko von 9,9 Prozent (2018 = 10,5 Prozent) hatten.


In Baden-Württemberg seien die Kinder von fast jeder zweiten alleinerziehenden Person armutsgefährdet. Das Risiko nehme mit jedem weiteren Kind in der Familie zu. Bei drei und mehr Kindern in einer Familie liegt das Armutsrisiko demnach bei 57,3 Prozent. 

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