Atommüll: Endlagerstandort gesucht

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Ein Spezialzug mit sechs Castor-Behältern, die deutschen Atommüll enthalten. Der aufwendige Transport und die Lagerung des hochradioaktiven Abfalls lassen große Teile der Bevölkerung und auch Experten an der Nachhaltigkeit von Atomkraft zweifeln.
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Die Region wird „Gebiet zur Methodenentwicklung“ für die Einlagerung in Ton. Ein Standortentscheidung sei dies aber nicht, sagt der Chef der Bundesgesellschaft für Endlagerung.

Aalen

Deutschland braucht ein Endlager für hoch radioaktive Abfälle aus Kernkraftwerken. Bis 2031 soll der Standort gefunden sein, ab 2050 sollen dort die Stoffe gelagert werden. Den Atommüll ins Ausland zu schaffen, verbietet EU-Recht und anders als in Schweden gibt es hierzulande keine Regionen, die sich als Endlager bewerben.

Die Planer mussten daher zunächst eine weiße Deutschlandkarte zugrunde legen. Einige Gebiete wurden als Standorte rasch ausgeschlossen, weil sie sich aus geologischer Sicht nicht für ein Atommüllendlager eignen. Nicht so der Ostalbkreis, der kann, so wie 90 weitere Regionen in Deutschland durchaus als Standort infrage kommen.

Über den aktuellen Stand der Standortsuche und die Methoden hierzu hat Steffen Kanitz, Geschäftsführer der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), den Kreistag am Dienstagabend informiert.

Anforderungen an das Endlager

Die Anforderungen an ein Endlager unter der Erde lauten: Mindestens 100 Meter dick muss die Gesteinsschicht darüber sein; mindestens 300 Meter und maximal 1.500 Meter unter Geländeoberkante darf das Lager liegen. Das Wirtsgestein muss so dicht sein, dass an der Oberfläche keine Strahlung messbar ist, seine Formation so groß sein, dass es ein mehrere Quadratkilometer großes Endlager fassen kann und es muss bis zu 140 Grad Wärme ableiten können.

Laut Kanitz müssen 1800 bis 1900 Castorbehälter gelagert werden, 30.000 Kubikmeter Raum könnten hierfür reichen. Der Atommüll müsse so eingeschlossen werden, dass er von der Biosphäre ferngehalten wird – für eine Million Jahre. Eingelagerte radioaktive Abfälle müssen bis zum Beginn der Stilllegung der Atomkraftwerke rückholbar und eine spätere Bergung grundsätzlich möglich sein. Das sicher verschlossene Endlager müsse wartungsfrei sein.

Opalinuston wird untersucht

Geeignet als Wirtsgesteine für ein Endlager sind Steinsalz, Tongestein oder kristallines Gestein, also vor allem Granit. Das Gesetz fordert einen Vergleich der drei Gesteinsarten. Alle drei Formen böten Vor- und Nachteile, sagte Kanitz. Die Schweiz und Frankreich wollen in Tongestein lagern, Skandinavien in kristallinem Wirtsgestein, „weil es dort nichts anderes gibt“, so Kanitz. Deutschland habe die Wahl. Die internationalen Erfahrungen werde man sich nutzbar machen, ganz gleich, in welchem Gestein das Endlager gebaut werde.

Auf der Ostalb gibt es kristallines Wirtsgestein wie auch Opalinuston. Nicht der Granit hier, aber das Gebiet „Opalinuston - Hegau, Alb-Donau, Ostalbkreis, Heidenheim und Bayern“ erscheint den Experten als würdig, genauer untersucht zu werden und sie verorteten den Kreis daher als „Gebiet zur Methodenentwicklung“.

Eine Standortbestimmung sei dies aber keinesfalls, versichert Kanitz, vielmehr gehe es in der detaillierteren Untersuchung nur darum, „in durchschnittlichen Gebieten die Methoden anhand vorliegender, geologischer Daten für die weitere Eingrenzung zu entwickeln, die dann auf alle 90 Teilgebiete übertragen werden können“.

Ziel sei es einzig, ein hohes Maß an Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere geologisch gleiche Gebiete und eine einheitliche Methodik und gleiche Maßstäbe für alle 90 Teilgebiete zu gewinnen.

Die BGE wolle in diesen Gebieten auch Ansätze und Verfahren zur weiteren Einengung der noch im Verfahren befindlichen Teilgebiete entwickeln und erproben, heißt es im jüngst vorgelegten Zwischenbericht.

Ostalb „bedingt geeignet“

Das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) hat in seiner Stellungnahme zum Zwischenbericht auf Grundlage der bisher bekannten Daten inzwischen das bisherige Vorgehen der BGE als „nachvollziehbar“ bewertet. Es fordert zugleich für die weitere Prüfung, dass vorhandene regional-geologische Daten zu berücksichtigen sind. Die will der Ostalbkreis gerne liefern, wie Landrat Dr. Joachim Bläse sagte. Gleichzeitig warb der Landrat dafür, das Thema „unaufgeregt“ zu betrachten.

Keine Entwarnung

Für den Opalinuston stellt der Zwischenbericht fest, dass im Ostalbkreis der Mittlere Jura von einem bedeutenden Karstgrundwasserleiter des Oberen Jura überlagert wird, was zu einer „bedingt günstigen“ Bewertung führt. Trinkwasserschutz wiegt im Verfahren schwer.

Erste Landesbeamtin Gabriele Seefried wies hier darauf hin, dass auf der Ostalb unklar sei, wohin das Wasser der wasserführenden Karstschichten laufe. Und: Ton sei im Vergleich zu Granit instabiler und die Mächtigkeit der Schichten auf der Ostalb sei eher gering.

Für das Teilgebiet Kristallin wird für die Ostalb das „Kriterium zur Bewertung des Schutzes des einschlusswirksamen Gebirgsbereiches durch das Deckgebirge“ mit „bedingt günstig“ bewertet. Das Endlager soll für eine Million Jahre gedacht und gebaut werden. Erdbewegungen, gar Erdbeben, wären fatal. Das Gebirge sollte, am besten wie in Skandinavien, seit Millionen Jahren stabil stehen und dies weiterhin erwartbar tun.

Top-Bedingungen für ein Atommüllendlager bietet der Ostalbkreis damit prinzipiell nicht, aber eben auch keine definitiven Ausschlusskriterien.

Weitere Planung

In Phase 2, die im April 2022 beginnt, sollen oberirdische Erkundung der Teilgebiete erfolgen und dann Standorte festgelegt werden, die unter Tage untersucht werden sollen.

Phase 3 schließlich sieht die Erkundung unter Tage an mindestens zwei Standorten vor, um dann am Schluss den bestmöglichen Endlagerstandort festzulegen.

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