Auf den Spuren der kreativen Schöpferkraft im Ostalbkreis

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Drei der "Kreativen Köpfe" der Ostalb, die aktuell die Ausstellung auf Schloss Fachsenfeld zeigt: Musikerin Veronica Gonzalez, Uwe Renz, Dirigent der JOP und der Schwäbisch Gmünder Pianist und Komponist Mick Baumeister (v.l.).
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Wie die gebürtige Schwäbisch Gmünder Fotografin Ingrid Hertfelder mit den "Kreativen Köpfen" auf Schloss Fachsenfeld auch Mut machen will.

Ihr Blick ist intensiv, man kann sich ihm – fast wie im richtigen Leben – kaum entziehen. Und welche Position man auch immer einnimmt vor den großformatigen Porträts – der Blick von Künstlern wie Alfred Bast oder Ulrich Brauchle, Politikern wie Klaus Pavel oder Richard Arnold, Musikern wie Elias Opferkuch oder Mick Baumeister oder Multitalenten wie Vincent Klink oder Gerburg Maria Müller scheint einem dabei zu folgen. Allein der Bildhauer Eckhard Dietz schaut in die Ferne. Verstorben ist er 2019.

28 "Kreative Köpfe" der Ostalb, jeweils auf 120 x 120, zeigt die Stiftung Schloss Fachsenfeld momentan in einer Ausstellung. Fotografiert hat die sieben Frauen und 21 Männer aus der Region Ingrid Hertfelder seit 2016. Meist in ihren Ateliers – zunächst in Gmünd, dann in Essingen. Zu manchen ist sie auch hingefahren.

Die Idee für das Projekt wurde geboren nach ihrer Rückkehr aus den USA. 17 Jahre lebte die Fotografin dort. Nach dieser Zeit habe sie niemanden mehr gekannt. "Es war ein kompletter Neustart." Sie habe nicht warten wollen, bis irgendein Auftrag an sie herangetragen wird. "Ich habe mir stattdessen meinen eigenen Auftrag gegeben", sagt die Fotografin.

"Portraits von Schöpferkraft" hat die gebürtige Schwäbisch Gmünderin ihre Ausstellung überschrieben. Ein Begriff, der weit gefasst ist. Es geht ihr nicht nur um Kreativität im künstlerischen Sinne, sondern um Gestaltungskraft, neben Künstlern auch um Visionäre, Erfinder und Querdenker. Querdenker etwa, wie Bernd Lingelbach oder die Gmünder Künstlerin Yonga Sommer.

"Es war letztendlich bloße Neugier: Wie sehen diese Köpfe aus, wenn ich sie ablichte, in Schwarzweiß, und diese Bilder dann ‘ziemlich gross' auf Alu-Dibond aufziehe? Und was passiert, wenn ich diese Gesichter in einen Raum bringe?", diese Frage habe sie motiviert. "Ich konnte mir vorstellen, dass dies eine ganz eigene und sehr spannende Energie mit sich bringt", sagt Ingrid Hertfelder.

Porträtiert hat sie dabei mit einer Phase One XF Mittelformatkamera auch Menschen, die Erfahrung damit haben, vor der Kamera zu stehen, wie etwa der gebürtige Schwäbisch Gmünder Schauspieler und Fotograf Christoph Arnold. Der vor den Aufnahmen einmal tief Luft geholt habe, den Oberkörper aufgerichtet und dann bereit gewesen sei, wie Ingrid Hertfelder erzählt: "Von 20 Minuten bis zu einer Stunde haben die Aufnahmen gedauert", sagt sie. An sieht man es den einzelnen Porträts ohnehin nicht mehr. Ob nun bei JPO-Dirigent Uwe Renz oder dem Kabarettisten Ernst Mantel, Schmuckdesignerin Petra Giers oder der jungen Designerin Jule Waibel – jede Pore, jede Barthaar ist fast plastisch auf den Schwarzweiß-Fotografien zu erkennen. "Ich habe allen gesagt, sie sollen zum Fototermin so kommen, wie sie sonst auch aussehen", sagt die Fotografin. Eine Vorgabe, die sicherlich auch zur Authentizität jedes einzelnen Porträts beigetragen hat. Keiner wirkt anders, als man ihn kennt, sondern so, wie man ihn kennt. Auch wenn Michael "Flex" Flechsler von den Stumpfes oder der Unterhaltungskünstler Michael Gaedt hier ihren jeweils eher nachdenklichen, fast ernsten Blick zeigen. Dass aber jeder Einzelne einen intensiven Blick hat, hängt auch mit "Fanglicht" in den Augen zusammen, wie die Fotokünstlerin erklärt.

Ich habe mir meinen eigenen Auftrag gegeben.

Ingrid Hertfelder Fotografin

Insgesamt 45 Porträts hat Ingrid Hertfelder gemacht. Für die Räume in Fachsenfeld habe sie eine Auswahl treffen müssen. Sie hätte sie "liebend gerne" alle dort zeigen wollen, habe aber den "wunderschönen und luftigen Raum nicht zumachen" wollen. "Wichtig war, mir letztendlich ein relativ ausgewogenes Verhältnis zwischen Aalener und Gmünder Bezug herzustellen, und zwischen den einzelnen Berufen beziehungsweise Disziplinen."

Letztendlich gehe es ihr um die Kernaussage, nie den Mut zu verlieren, Neues zu wagen, neue Spuren zu ziehen. Ein jeder trage das Potenzial dazu in sich. Ob man es nun auf einer großen oder kleinen Bühne zeige.

Wie werde ich meinem Gegenüber gerecht? Das sei die entscheidende Frage in der Portraitfotografie, schreibt der Publizist Wolfgang Nußbaumer im Vorwort zum Ausstellungskatalog. Bei einem Besuch in der Ausstellung findet man Ingrid Hertfelders Antwort darauf.

Die Ausstellung ist bis zum 18. Oktober zu sehen. Öffnungszeiten: samstags 13 bis 18 Uhr, sonntags 11 bis 18 Uhr.

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Die Fotografin Ingrid Hertfelder bei der Ausstellungseröffnung auf Schloss Fachsenfeld.

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