Auf die Kümmerer kommt's an

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Das Straßdorfer Bürgermobil ist einer von inzwischen 35 ehrenamtlichen Fahrdiensten in Ostwürttemberg. Verkehrsminister Winfried Hermann kann die Ehrenamtlichen nur loben. Sie seien wahrlich "sozial mobil". Archivfoto: privat

Was Minister Hermann beim Netzwerktreffen der ehrenamtlichen Fahrdienste in Aalen gesagt hat und was er mit zurück nach Stuttgart nimmt.

Aalen

Mehr finanzielle Unterstützung: Das erwarten ehrenamtliche Fahrdienste vom Land. Doch Winfried Hermann machte am Montag keine Zusagen. Der Verkehrsminister war zum Netzwerktreffen der Fahrdienste ins Landratsamt gekommen, um über Ehrenamt und Mobilität zu sprechen und darüber, ob diese Verbindung wegweisend für den ländlichen Raum sein könnte.

Konkret geht es den Fahrdiensten darum: Bürgerbusse und Ruftaxis, die Menschen jeden Alters transportieren, profitieren von einer Verwaltungskostenpauschale. Das würde man auch gerne. Das Problem: Das Angebot der Fahrdienste richtet sich zumeist an ältere Menschen, die in die Mobilität eingeschränkt sind. Doch für diese Leistung ist die Verwaltungspauschale nicht gedacht.

Hermann versprach: "Wir denken darüber nach." Allerdings geht er davon aus, dass sich die Ansprüche aus der Verwaltungspauschale verdoppeln könnten, wenn die Landespolitik die Regeln ändert. Außerdem sieht er beim Thema Mobilität die öffentliche Hand insgesamt gefragt. Will heißen: Auch die Kommunen und Landkreise haben die Aufgabe, die Fahrdienste zu unterstützen. "Jede Seite muss ihren Beitrag leisten."

Zurück zur Frage, ob Ehrenamt und Mobilität im ländlichen Raum eine wegweisende Verbindung sein können. Ja, meint der Verkehrsminister – und zwar "dort, wo der ÖPNV nicht mehr bezahlbar ist und nicht mehr funktioniert". Und am besten funktioniere es da, wo das Ehrenamt Entlastung durch professionelle Hilfe bekomme. "Wenn einer freiwillig Fahrdienst macht, will er abends nicht auch noch freiwillig stundenlang abrechnen." Darin, professionelle Strukturen zu schaffen, kann das Land Hermann zufolge am ehesten helfen.

Wie es gut funktioniert, lässt sich laut Hermann an "Komobil 2035" ablesen. Dabei handelt es sich um ein Projekt des Regionalverbands zur Daseinsvorsorge in Ostwürttemberg. 35 ehrenamtliche Fahrdienste in unterschiedlichen Organisationsformen gibt es inzwischen in den Landkreisen Ostalb und Heidenheim – so viele wie sonst nirgendwo im Land. Der Regionalverband hatte das Aalener Fahrdiensttreffen organisiert.

Das Projekt "Komobil" wird aus dem Programm "Kommunen innovativ" gefördert. Entscheidend für den Erfolg sind die zwei "Kümmerer". Die Soziologin Anja Tamm und der Verkehrsingenieur Andrzej Sielicki informierten über Ziele und Zwischenergebnisse. Unter anderem sollen Informationsplattformen aufgebaut werden – für Fahrgäste einerseits und für bestehende und gründungsinteressierte Initiativen andererseits.

Der ÖPNV ist professionell. Aber er schafft nicht alles.

Winfried Hermann Verkehrsminister

Die Gemeinde Rainau leistet sich eine eigene Kümmerin. Sie ist nämlich Modellkommune. Bürgermeister Christoph Konle formulierte drei Wünsche an den Verkehrsminister – nämlich Fördermöglichkeiten für Kümmerer in den Rathäusern, eine einheitliche Software und eine nachhaltige Finanzierung der Busse und Neunsitzer.

Konle berichtete aus dem Alltag. Die Kümmerin organisiert den Einsatz der Ehrenamtlichen. Termine werden telefonisch im Bürgerbüro angenommen und in eine Excel-Tabelle eingetragen. Jeden Abend holt ein Fahrer den Schlüssel ab. Deshalb wünscht sich Konle die landesweite Software. Und die Finanzspritze wünscht er sich, weil die 5000 Euro, die das Rainauer Fahrzeug jährlich kostet, nur mühsam über Sponsorengelder zu organisieren waren. "Wir hatten ganz schön große Probleme."

Damit konnte Konle beim Minister aber überhaupt nicht punkten. Der Bürgermeister habe es als "Drama" dargestellt, dass er 5000 Euro ausgeben müsse. Aber: Der immense Mobilitätsaufwand, den sich die Gesellschaft leiste, müsse finanziert sein. "Jede Ebene muss ihren Beitrag leisten", bekräftigte Hermann. Eben auch eine Kommune. Oder ein Landkreis.

An der Stelle berichtete Hermann über die Anstrengungen, des Landes, um den ÖPNV bis 2030 zu verdoppeln, damit ein Drittel weniger Autos fährt – und vom Rest ein Drittel immissionsfrei. Hermann mahnte auch: Es sei "äußerst dringend" darauf zu achten, dass auf dem Land nicht alle Versorgungseinrichtungen verschwinden. Darin, dass es weiter einen Dorfladen, einen Bäcker, einen Arzt, eine Apotheke und eine Gaststätte gibt, sieht er eine kommunale Aufgabe.

Landrat Klaus Pavel und Regionalverbandsdirektor Thomas Eble hatten die rund 100 Gäste begrüßt. Moderiert wurde der Nachmittag vom SWR-Fernsehjournalisten Christoph Ulmer.

Ehrenamt und Mobilität im ländlichen Raum: Darüber sprach Verkehrsminister Winfried Hermann (Mitte) am Montag im Landratsamt. Landrat Klaus Pavel wird genau zugehört haben.

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