Auf die Kunst folgt die Geschichte

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Einsatz für das neue Domizil des Vereins Staufersaga: Vor Coronazeiten waren viele Ehrenamtliche zur Stelle.

Der Verein Staufersaga Schwäbisch Gmünd hat ein neues Domizil im historischen Georgishof. Dort richtet er alles ein: von der Lichterstube bis zur Schmiede.

Schwäbisch Gmünd

Geschichte und Kunst treffen am Rand der Stadt Schwäbisch Gmünd aufeinander: Dort steht der Georgishof, kein landwirtschaftliches Anwesen, sondern einst ein Ort der Herren von Rinderbach. Vor knapp 400 Jahren kommt der Besitz zum Spital vom Heiligen Geist. Zuletzt residiert dort der 2019 verstorbene Künstler Eckhart Dietz. Ein Ort, an dem er Bewegungen einfriert und in Skulpturen festhält. An dem er unendlich viele Zeichnungen schafft und sich immer wieder neu erfindet. Er ist auch Kunsttheoretiker, etwa als er sich 1979 Gedankten über das Wesen des parallelperspektivischen Scheinraums macht. Umgeben ist er immer von echtem Raum. Und der rutscht nach dem Tod des Künstlers nicht einfach in die Bedeutungslosigkeit ab.

Die Gebäude sind inzwischen Domizil des Vereins Staufersaga Schwäbisch Gmünd, der sich Kunst und Geschichte widmet. Der 2012 mit der Aufführung der von Stephan Kirchenbauer-Arnold verfassten Staufersaga tausendfachen Zulauf erfährt. So viele Ehrenamtliche sind damals am Werk, um das Stück auf dem Johannisplatz zu inszenieren. Innerhalb des Vereins gibt es immer mehr Spezialisten. Katapultbauer, Schwertkämpfer, Bogenschützen, Schmiede, die immer mehr Platz brauchen.

Uneigennützig helfen sie, den Künstlernachlass aus dem Georgishof zu holen. "Eine Vorleistung, ohne zu wissen, dass wir wirklich dort einziehen können", sagt der stellvertretende Vorsitzende des Vereins Staufersaga, Jürgen Musch. Tausende kleinere und größere Skulpturen und tausende Zeichnungen werden geordnet und kommen in ein Depot.

"Das wäre ohne den Einsatz so vieler Ehrenamtlicher gar nicht möglich gewesen", sagt Vorstandsmitglied Frank Stühle. Noch vor Corona-Zeiten kamen nach Feierabend bis zu 30 Helfer, um die Anlage für die neuen Anforderungen herzurichten. "Wir mussten die Versorgungsleitungen von der Straße weg neu verlegen, den Platz vor dem Gebäude neu schottern, um arbeiten zu können. Der junge Verein pflegt die älteste Gmünder Geschichte – 1162 verliehen die Staufer Schwäbisch Gmünd das Stadtrecht - und kann sich jetzt auch zwischen den großen Auftritten Interessierten öffnen. Bis es so weit ist, dauert es noch und daran ist nicht das Corona-Virus schuld. "Es gibt noch jede Menge Sanierungsarbeit an den Gebäuden", so Jürgen Musch. Das sogenannte Schützenhaus aus den 1960er-Jahren kann schon teilweise genutzt werden. Eingerichtet ist dort auch eine historische Lichtstube. Das war in früheren Jahrhunderten ein geheizter Raum mit spärlichem Licht.

Das holen wir jetzt in die Gegenwart zurück.

Jürgen Musch, Stellvertretender Vorsitzender Verein Staufersaga Schwäbisch Gmünd.

Bald auch für Besucher

Man traf sich, um zu weben, stricken oder zu spinnen. "Das holen wir jetzt in die Gegenwart zurück", sagt der stellvertretende Vorsitzende. Es ist auch ein Ort der Kommunikation, in dem man Abende gemeinsam verbringen kann. Abende, an denen man sich auch über die Zukunft des Staufersaga-Vereins unterhalten kann. Darüber, ob 2022 die dritte Aufführung der Staufersaga möglich wird. Darüber, wie man die neuen Räume samt dem großzügigen Gelände nutzen will. Frank Stühle und Jürgen Musch denken auch an einen sommerlichen Tag der offenen Tür, an kleine Feste rund um den Georgishof. "Wir haben genug Platz, um auch mal eine Wurst am Lagerfeuer zu grillen, wir stören hier am Stadtrand niemanden", sagt Jürgen Musch und weiß: Am früheren Domizil in Straßdorf wäre das in unmittelbarer Nähe zum Wohngebiet gar nicht möglich gewesen.

Sind alle Räume fertig, ist auch Platz für Vorträge und Workshops. "Außerdem ist die Anlage für uns eine gute Werbung und birgt die einmalige Chance, neue Mitglieder zu gewinnen." 700 sind es schon. Im Georgishof, sagt Jürgen Musch, ist Platz für (fast) alle Abteilungen der Staufersaga. Lediglich die Gewandmeisterei unter der Leitung der stellvertretenden Staufersaga-Vorsitzenden Gundi Mertens soll im Unipark bleiben. Dort gibt es ideale Voraussetzungen auch für den ganzen Fundus an Gewändern.

Zum Verein gehören die "Rüstmeisterei" für die handwerklichen Arbeiten. Außerdem "Rittersleut und Spielvolk" mit 13 darstellenden Gruppen. "Hofstaat und Spielvolk", "Musik und Tanz "unter anderem mit Cantate Domino, Fahnenschwingern, oder historischen Tänzern. Die "Gewandmeisterei" fertigt und lagert Gewänder für die gekrönten Häupter aber auch für Hübschlerinnen oder Bettler.

Eine Anlage mit großer Geschichte

Der Georgishof war ursprünglich der Wirtschaftshof der Burg Rinderbach, deren Lage nahe beim Georgishof vermutet wurde. Das sagt der Leiter des Gmünder Stadtarchivs, Dr. David Schnur. Besitzer dieser Burg waren die Herren von Rinderbach, die seit dem 13. Jahrhundert (1277, 1288) zahlreiche Schultheißen, Bürgermeister und Richter stellten und an mehr als 40 Orten im Umland begütert waren. Die Familie erlebte im 15. Jahrhundert einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Abstieg, so dass ihr Besitz veräußert wurde. Mit dem Verkauf des Familienbesitzes gelangte die Reichsstadt Schwäbisch Gmünd in den Besitz von Burg und Georgishof. Schließlich verkaufte die Stadt Burg und Georgishof am 19. Juli 1632 mit allen Rechten an das Hospital zum Heiligen Geist in Schwäbisch Gmünd. Hierbei war mit 2000 Gulden ein sehr hoher Kaufpreis zu zahlen. Die wohl zur Burg gehörige Margaretenkapelle, die vor 1345 errichtet worden war, wurde 1812 abgerissen. kust

Geschichte zum Anfassen

Erinnern Sie sich noch an den Geschichtsunterricht? Ans Auswendiglernen oder Nacherzählen, je nach den Vorlieben des Lehrers. Allein der Streber vorne links hatte immer alle Daten parat. Und dann kommt das richtige Leben. Mit Familie, Beruf und Freizeitaktivitäten. Jetzt sind wir wieder bei der Geschichte. Diesmal spannend, weil selbst ausgesucht. In Schwäbisch Gmünd begeistern die Staufer tausende Menschen, im ehrenamtlichen Einsatz bei der Staufersaga, als Mitglied im gleichnamigen Verein. Der bringt Unterhaltung und Geschichtsinteresse zusammen, weckt Interessen. So großes Interesse, dass der Staufersaga-Verein jetzt eine eigene Wirkungsstätte schafft. In Eigenarbeit und mit Spendengeldern, mit einer von der Stadt überlassenen und deutlich renovierungsbedürftigen Anlage, dem Georgishof im Osten Gmünds. Wenn die historischen Gebäude erst einmal gerichtet sind, die Außenanlage einladend wirkt, soll das ein Ort der Geschichtsbegegnung werden. Ein Ort, an dem sich die Identität der Stadt leben lässt, die viel staufische Vergangenheit hat. Dann ist das mehr als ein Treffpunkt für Vereinsmitglieder, als eine Werkstatt zur Vorbereitung auf die nächste Aufführung der Staufersaga. Dann wird daraus ein lebendiger geschichtlicher Ort. So wie wir ihn damals im Geschichtsunterricht wohl gerne erlebt hätten. Mit Handwerkskunst der Vergangenheit, mit Vorträgen und Workshops über Geschichte, die sich in diesem Fall der Stauferzeit widmet.

Jetzt noch Corona überstehen und dann den Georgishof in vollen Zügen erleben.

Die Urkunde aus dem Stadtarchiv zeigt die Übergabe des Georgishof' an die Spitalstiftung.
Eine idyllische Anlage ist der Georgishof. Der Verein Staufersaga will die Gebäude in Eigenregie sanieren.
Einsatz für das neue Domizil des Vereins Staufersaga: Vor Coronazeiten waren viele Ehrenamtliche zur Stelle.
Noch stehen Werke von Eckhart Dietz vor dem Georgishof. Das Schild "Rüstmeisterei" weist schon auf die neue Nutzung hin.

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