Auf Kaiser Rotbarts Spuren

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Eine Skulptur auf dem Hohenstaufen: Frau im roten Kleid.
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Diesmal geht es in den geschichtsträchtigen Raum zwischen Schwäbisch Gmünd und Göppingen zur Wiege der Herrscherdynastie der Staufer.

Wäschenbeuren

Wer ganz nah dran ist, verliert leicht den Blick für das Besondere. So geht es vielen in der Region, wenn von den Kaiserbergen die Rede ist, von Rechberg, Stuifen und dem Hohenstaufen. Dass dort, zwischen Schwäbisch Gmünd, das Stammland der Staufer liegt: Man weiß es, ein bisschen. Aber, ja, ist halt so. Kein Kult wie beim "Kini" in Bayern, zumindest nicht auf der Ostalb, ein bisschen vielleicht an der Rems. So richtig ins Marketing damit geht allenfalls die Stadt Schwäbisch Gmünd, immerhin die nachgewiesen älteste Stauferstadt.

Die Staufer: ein sagenumwobenes Geschlecht mittelalterlicher Herzöge, Könige und Kaiser. Sie bauten dort, in dieser Region, ihre ersten Schlösser und Burgen und machten sich auf, gewannen immer mehr an Macht und Einfluss über Zentraleuropa und den ganzen Mittelmeerraum.

Wir begeben uns in diesem Teil der "abgesteckt"-Reihe also auf extrem historisches Gelände, wenn wir vom Wäscherschloss zum Hohenstaufen wandern – eine mittlere Wanderung, etwas über zehn Kilometer auf soliden Wegen, gut ausgeschildert und mit sensationellen Ausblicken.

Am Wäscherschloss: Start dieser Wanderung ist der Parkplatz am Wäscherschloss bei Wäschenbeuren. Dort, im Ortsteil Wäscherhof, soll die Hauptburg Büren gestanden haben, die eigentliche Wurzel der Stauferdynastie – dies und mehr können Wanderer lesen an Schildern, die die Geschichte der Staufer dokumentieren und die wir immer finden unterwegs auf dem Weg. Was noch übrig ist, das Wäscherschloss, gilt als Vorwerk der Hauptburg – Ministerialen sollen dort gelebt haben, Ritter, Dienstleute der Könige und Fürsten. Das schauen wir uns kurz an – und gehen dann aber wieder zurück zum Parkplatz, weil dort die Wanderung beginnt.

Nach Maitis: Es geht in Richtung Maitis in leichtem Auf und Ab, mehr Ab zunächst durch einen Wald mit Eichen, Buchen und Ahorn, gut gemischt, wenngleich manche der Bäume dort teils angeschlagen sind, wie man Schilder deuten kann, die auf Umleitungen vom Wanderweg hinweisen, weil Astbruch drohe. Wir gelangen nach Maitis, ein malerischer Ort, mehr als 1200 Jahre alt und seit 1973 Stadtteil von Göppingen.

In Hohenstaufen: Es geht durch den Ort auf den Hohenstaufen zu – von der Durchgangsstraße rechts abzweigend einen Hang hinauf, dann einer Straße folgend. Wir erreichen den Ort Hohenstaufen. Man könnte jetzt der Versuchung erliegen, gleich den ersten Weg zu nehmen rechts hoch zum Gipfel des Hohenstaufens – aber das wäre ein Fehler. Besser, wir gehen den Ort hindurch, am in den Hang gedrückten Stauferinformationszentrum vorbei bis zur Barbarossakirche, von unten gesehen die rechte zweier Kirchen, die dort stehen. Die linke heißt schlicht "Evangelische Kirche" und zeichnet sich durch einen breiten Turm aus, der oben jäh ganz schmal wird, fast, als sei das Geld ausgegangen, aber dennoch der Wunsch nach Größe da. Aber uns interessiert ja die Barbarossakirche, in der Kaiser Rotbart ("Barba rossa") nicht war, weil sie erst im 15. Jahrhundert in spätgotischem Stil erbaut wurde – und der viel besungene Kaiser lebte, wie man weiß, von 1122 bis 1190. Die Kirche trägt seinen Namen, weil die Menschen von Hohenstaufen es so wollten. Interessant ist vor allem der Westgiebel, an dem der Wanderweg vorbeiführt, weil dort Wappen der staufischen Herrschaftsgebiete sowie die Namen der Könige und Kaiser aus der Stauferdynastie in Stein gemeißelt sind.

Auf dem Hohenstaufen: Nun geht es noch ein paar Höhenmeter hinauf auf den Hohenstaufen, ein sogenannter Zeugenberg übrigens – wie der Ipf. Zeugenberge: So nennt man der Schwäbischen Alb vorgelagerte Berge. Den Hohenstaufen, 684 Meter hoch, haben sich die Staufer mit Bedacht ausgewählt, um dort ihre Burg zu bauen. Um 1070 ließ Friedrich, später der erste Stauferherzog, dort die Burg errichten. Mit Weitblick und Rundumblick. Sie stand knapp 500 Jahre, bis Aufständische zur Zeit der Bauernkriege die Gebäude dort in Brand steckten. Mauerreste gibt's aber noch. Sie lassen die Dimensionen des Bauwerks erahnen. Im Jahr 1181 hat Barbarossa, der ja eher vom Sattel aus regierte, die von seinem Opa erbaute Burg besucht. Die viel besungene Irene von Byzanz lebte und starb dort.

Jenseits von alldem ist der Berg ein wunderbarer Aussichtspunkt: Man sieht dort den gesamten Albtrauf vom Rosenstein bis hin zur Burg Teck, mindestens. Es gibt schöne Bänkle und Liegen, auf denen man (Geheimtipp!) den Sonnenuntergang genießen kann – und eine Gaststätte, die aber wegen Corona geschlossen hatte, weswegen wir uns aus dem Rucksack verpflegt haben. Auch gut. Und auch schön: die Skulpturen, die es auf dem Hohenstaufen zu sehen gibt etwa "Die Frau im roten Sommerkleid", eine Dauerleihgabe der Kunstgießerei Strassacker.

An der Spielburg: Weiter führt uns der Weg hinab und in Richtung zur Spielburg, ein Naturschutzgebiet, geprägt von einem markanten Felsen, der, so erfahren wir, vor etwa zweieinhalb Millionen Jahren – genauer weiß man es tatsächlich nicht – vom Hohenstaufen abgeglitten ist. Im Naturschutzgebiet gibt es über 320 Pflanzenarten, und ums Rasenmähen kümmern sich Schafe.

Auf bequemen Wegen und solide ausgeschildert geht es durch Wälder und entlang von Wiesen zurück zum Wäscherschloss.

Das Fazit: Eine mit 10,3 Kilometern gut machbare Wanderung in spektakulärer Landschaft, mit ganz viel Geschichte und Geschichten.

Startpunktkoordinaten: 48.7675N 9.7077O 32U 552000 5401849 niedrigster Punkt: 351 Meter, höchster Punkt: 684 Meter

Lesestoff über die Staufer

Die Staufer wurden schon im Mittelalter zum Mythos: verklärt, verehrt und verteufelt – und auch instrumentalisiert. Wer etwas lesen möchte über die Staufer: Manfred Ackermann hat "Burgen und Pfalzen der Staufer" geschrieben. Kompakt ist "Die Staufer: Herrscher und Reich" von Knut Görich oder, wer einen Roman lesen möchte: "Mann aus Apulien" von Horst Stern. Basiswissen gibt's von Spiegel-Geschichte "Die Welt der Staufer".

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Die Barbarossa-Kirche von Hohenstaufen.
Eine Stauferstele am Beginn des Weges am Wäscherschloss.
Eine Skulptur auf dem Hohenstaufen: Frau im roten Kleid.
Eine Bronzeplatte auf dem Hohenstaufen zeigt, wohin man in den unterschiedlichen Richtungen blicken kann – im Hintergrund der Albtrauf.

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