Aufholjagd für ÖPNV mit einem 4,2-Millionen-Rettungsschirm

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Den Busunternehmen im Ostalbkreis fehlen täglich 15 000 Euro pro Tag, allein weil wegen Corona Fahrgäste im Bus hinten einsteigen und in der Regel keinen Fahrschein lösen. Archivfoto; hag
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Was die Corona-Pandemie für den ÖPNV bedeutet, wo Geld investiert wird und wo die Schwerpunkte liegen.

Aalen

Die Corona-Pandemie hat den Öffentlichen Personennahverkehr im Ostalbkreis massiv getroffen und die Bemühungen um eine verbesserte Attraktivität geschmälert. Das hat Landrat Klaus Pavel im Ausschuss für Umweltschutz und Kreisentwicklung deutlich gemacht. "Die Aufholjagd muss jetzt beginnen", sagte Pavel und wies darauf hin, wie wichtig dafür ein Rettungsschirm sei – nicht nur auf der Ostalb.

Als Ziel in naher Zukunft nannte er ein verbessertes Image des ÖPNV mit neuen Leistungen, als Beitrag für eine zukunftsfähige Mobilität. "Der ÖPNV im Ostalbkreis ist gut, wir müssen ihn aber besser machen." Dafür will der Kreis 4,2 Millionen Euro investieren. "Eine bisher noch nie da gewesene Summe", betonte Pavel.

Finanzielle Hilfen in Zeiten von Corona hat der Landkreis bereits in die Wege geleitet. Der Landrat skizzierte, dass der Kreis während der Krise weiterhin 50 Prozent der Zahlungen im Schülerverkehr im ÖPNV übernehme. Wobei etwa der Ferienfahrplan gelte und der Sonderschul-Verkehr komplett eingestellt worden sei. "Die 50 Prozent sollen der Deckung der Fixkosten dienen", begründete Pavel, der darauf hinwies, dass den Busunternehmen täglich 15 000 Euro pro Tag fehlten, allein, weil wegen Corona Fahrgäste im Bus hinten einsteigen und in der Regel keinen Fahrschein lösten. Der Kreis habe reagiert und Abschlagszahlungen für die Barverkäufe des vergangenen Jahres in Höhe von 500 000 Euro vorweggenommen. Pavel zeigte sich zuversichtlich, dass das Land den Nahverkehr mit enormen Summen stütze. "Davon werden die Busunternehmen profitieren."

Zur "neuen Normalität im ÖPNV" zählt die Maskenpflicht. Die Ostalb-Mobil-Geschäftsstelle habe 5000 Schutzmasken bestellt. "Für diese wird derzeit ein Verteilmodus festgelegt", so der Landrat. Zudem gilt seit Montag wieder der normale Busfahrplan. Lediglich die Spätfahrten nach 22.45 Uhr seien noch ausgesetzt, informierte Pavel.

Die Schülerabos sind elementar, um den ÖPNV aufrechterhalten zu können. Das machte der Landrat zudem deutlich. Da in den vergangenen Wochen kein Unterricht stattgefunden hat, hätten Eltern eingefordert, den Eigenanteil in Höhe von 46 Euro pro Monat auszusetzen. Wie in den anderen Landkreisen habe der Ostalbkreis die Eigenanteile für den April eingezogen. "Um die Liquiditätsgrundlage der Verkehrsunternehmen nicht zu gefährden", erklärte Pavel.

Für den Monat Mai verzichte der Ostalbkreis auf den Einzug des Eigenanteils der Eltern. Das betreffe die Familien von 15 000 Fahrschülerinnen und -schülern und entspreche einem Betrag von 700 000 Euro. Jetzt habe der Kreis dem Landkreistag die Kosten der Schülerbeförderung und die von den Eltern bezahlten Eigenanteile im April in Höhe von insgesamt 700 000 Euro für eine Kostenübernahme durch das Land gemeldet.

Der Prozess "ÖPNV – neu denken" wurde mit der Gründung des Vollverbunds Ostalb-Mobil angestoßen und ist, so Pavel, mit dem Versprechen verbunden, Aufbruchsstimmung für den Ostalb-ÖPNV zu bringen. Verschiedene Maßnahmen sollen für frischen Schwung sorgen.

"Eine Tariferhöhung ab August ist in dieser Situation das falsche Signal", meinte Pavel. Er schlug vor, zu einem Zeitpunkt, in dem die Nachfrage gesunken sei, die Ticketpreise nicht zu erhöhen. Auch wenn dadurch der Kreiskasse geschätzte 200 000 Euro fehlten. Auch der Eigenanteil der Schüler-Abos soll konstant bleiben. Und Ostalb-Mobil-Abo-Besitzer, die ihr Abonnement nicht kündigen, sollen in den Monaten Juni bis August jeweils einen 20-Prozent-Nachlass erhalten.

Das "1-Euro-Busticket", das es bereits in Schwäbisch Gmünd gibt, soll ab August kreisweit eingeführt werden. Dafür kalkuliere der Kreis mit 143 000 Euro pro Jahr.

Das Seniorenticket, noch für dieses Jahr geplant, soll aufs Frühjahr 2021 verschoben werden. Weil die Senioren zur Risikogruppe zählten, hält Landrat Pavel dessen Einführung jetzt für unpassend. Eine signifikante Anzahl von Neukunden könne man aktuell nicht gewinnen.

Das Rufbussystem Virngrund soll so schnell wie möglich umgesetzt werden, trotz Corona.

Die Regiobusverbindung Aalen-Neresheim soll auf das Frühjahr 2021 verschoben werden.

Mit einer Marketingoffensive soll der Prozess "ÖPNV – neu denken" beworben werden – unter anderem in den Tageszeitungen des Kreises.

An dem Großprojekt Bordrechner wird weiter festgehalten. Die sollen in Linienbussen installiert werden, um unter anderem Fahrgast-WLAN und digitale Informationen zur Verfügung zu stellen. Die gesamten Investitionskosten für die 225 Bordrechner betragen vier Millionen Euro – zwei Millionen davon trägt der Kreis.

Die Fraktionen signalisierten Zustimmung für die Maßnahmen.

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