Auge in Auge mit dem Wolf der Lüfte

  • Weitere
    schließen
+
Ein eingespieltes Team: Gunter Pelz und die Wüstenbussarde der Stauferfalknerei.
  • schließen

Gunter Pelz und sein Sohn Erik Pelz bieten in den Wäldern um Lorch Spaziergänge mit Wüstenbussarden und dazu viel Wissenswertes über Greifvögel an.

Lorch

Der Lockdown im vergangenen Frühjahr traf ihn direkt ins Herz. Dass es in diesem Fall nicht nur eine Floskel ist, merkt man spätestens, wenn man Erik Pelz ein paar Minuten beobachtet. Da ist dieses Leuchten in seinen Augen, wenn er von und mit seinen Greifvögeln spricht. "Von heute auf morgen konnten wir keine Flugschauen mehr durchführen", erzählt Erik. Vorgegebene Abstandsregeln, Hygienekonzepte und weitere Auflagen erforderten neue Ideen und Planungen. Außerdem mussten die laufenden Kosten für Pflege, Futter und Unterhalt weiterhin bezahlt werden. Der Spendenaufruf in sozialen Medien und auf der Homepage der Falknerei war eine Ideen, um die Beiträge zu decken. "Die Resonanz war riesig", so Erik und Gunter Pelz. "Wir haben von so vielen verschiedenen Seiten Anrufe und Anfragen erhalten, ob wir etwas brauchen und wie man uns helfen kann. Das hat uns wirklich unheimlich gefreut." Um denen, die die Falknerei unterstützen wollten, auch etwas zurückgeben zu können, entstand das Konzept "Patenschaften". Interessierte suchen sich unter den Tieren einen persönlichen Favoriten aus und übernehmen für ein Jahr die Patenschaft. Als Dank bekommt der Pate ein persönliches Treffen mit seinem Patentier, freien Eintritt zu einer Flugschau und eine Urkunde mit Foto. Ein Angebot, das bei Freunden und Förderern so großen Zuspruch fand, dass alle Greifvögel in kürzester Zeit mit Patentanten und Patenonkel versehen waren. Erik und Gunter Pelz erzählen, dass nicht alle Vögel für diese Patenschaft in Frage kommen. "Wir haben nur die Tiere ausgewählt, die für die Paten auch als Besuchstier in Frage kommen", erklärt Erik. "Es macht keinen Sinn, jemandem eine Patenschaft für ein Tier zu geben, wenn dieses menschenscheu ist. Die Förderer hätten nichts davon."

Spaziergang im Wald

Die Hilfsbereitschaft war überwältigend.

Gunter Pelz Stauferfalknerei

Einen Raubvogel auf der Hand halten, diesen Traum kann man sich bei einem Spaziergang gemeinsam mit amerikanischen Wüstenbussarden erfüllen. "Freie Folge" nennen es die Falkner. Die beiden Wüstenbussarde Yuma und Mezcal begleiten ihre Falkner und deren Gäste durch einen nahegelegenen Wald. Während Yuma und Mezcal noch ein wenig die Gegend erkunden, erzählen die beiden Falkner, dass der Namen Wüstenbussard eigentlich irreführend sei. "Erstens kommen sie nicht nur in der Wüste vor, und zweitens sind sie nicht wirklich Bussarde", erklärt Erik. "Sie gehören eher zur Familie der Habichte." Eine weitere Besonderheit dieses Vogels ist, dass er nicht wie andere Greifvögel als Einzelgänger unterwegs ist, sondern in kleinen Familienverbänden lebt und im Rudel jagt. Daher nennt man die Vögel unter Fachleuten auch "Wölfe der Luft".

Die wahrscheinlich bei allen Waldspaziergängen meist gestellte Frage, warum denn die Bussarde nicht einfach davon fliegen, wenn sie abseits ihrer Volieren mit den Falknern unterwegs sind, beantwortet Erik mit einer Gegenfrage: "Würdest du einen Platz verlassen, an dem du Essen, Trinken, Wärme und auch noch ein Bad bekommst, ohne einen Finger dafür krumm machen zu müssen?" Greifvögel könnten zwar pfeilschnell fliegen und mit ihren Augen eine Maus auf einen Kilometer Entfernung erkennen. Aber das Fliegen sei für den Bussard nicht grenzenlose Freiheit, sondern äußerst anstrengend. Für ihn sei es nur Mittel zum Zweck. Um Beute zu jagen und den Hunger zu stillen – also wozu anstrengen, wenn es auch einfach geht.

Einzigartig: Flugschau mit Eulen

Der Wüstenbussard fliegt nicht einfach so spazieren. Dafür ist er viel zu faul.

Erik Pelz Stauferfalknerei

Die Winterzeit, in der keine Flugschauen stattfinden, nutzen Gunter und Erik Pelz, um das bestehende Angebot der Stauferfalknerei in Lorch um eine Attraktion zu erweitern. Momentan und wahrscheinlich den kommenden Winter, üben sie für eine Flugschau, die ausschließlich mit Eulen gestaltet wird.

"Wenn alles klappt, können wir zur neuen Saison im Frühjahr 2021 starten," sagt Erik und fügt hinzu: "Darauf freuen wir uns besonders, denn dann wären wir die ersten und einzigen in Deutschland."

Für eine Belohnung geht es auch mal auf den Boden.
Erik und Gunter Pelz informieren über Vorlieben, Marotten und Eigenarten der beiden Wüstenbussarde.
Erik Pelz erklärt, dass die Wüstenbussarde zu den Grifftötern gehören. Diese töten ihre Beute nicht mit dem Schnabel, sondern durch Zugriff mit den kraftvollen und scharfen Krallen.

Zurück zur Übersicht: Ostalbkreis

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL