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Ausgewählte Elite: So läuft es am Landesgymnasium für Hochbegabte

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Von: Bea Wiese

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Schülerinnen und Schüler am Landesgymnasium für Hochbegabte: Sie müssen überdurchschnittliche intellektuelle Fähigkeiten und hohe Leistungsbereitschaft mitbringen.
Schülerinnen und Schüler am Landesgymnasium für Hochbegabte: Sie müssen überdurchschnittliche intellektuelle Fähigkeiten und hohe Leistungsbereitschaft mitbringen. Foto: Dr. Christoph Sauer © Dr. Christoph Sauer

Der Ostalbkreis als Schulträger begrüßt das Konzept dieser besonderen Schule in Schwäbisch Gmünd. Wie der Kreistag auf den Bericht des Schulleiters reagiert.

Schwäbisch Gmünd

Ein „Juwel“ sei es, ein „Leuchtturm“ in der Bildungslandschaft des Ostalbkreises, lobte Landrat Dr. Joachim Bläse am Dienstag in der Kreistagssitzung das Landesgymnasium für Hochbegabte (LGH) in der Stauferstadt. Dessen Rektor, Dr. Christoph Sauer, gab den Kreistagsmitgliedern in einem Vortrag Einblicke in seine Schule. Mit durchaus steilen Sätzen verwahrte er sich gegen den Eindruck, sein Gymnasium sei eine reine Elite-Kaderschmiede. Sauer: „Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, kein Experiment am Menschen zu verantworten. Es geht nicht um frühe, einseitige Spezialisierung, um das Abrichten in einem frühen Stadium.“ Es gehe um Allgemeinbildung und um Persönlichkeitsbildung. „Der Expertise-Aufbau ist uns in Deutschland abhanden gekommen, aber wir können den einen oder anderen Akzent setzen.“

Räumlichkeiten: 2004/2005 ging das Gymnasium in der ehemaligen Gmünder Bismarckkaserne in Betrieb, als staatliche Schule in Trägerschaft des Ostalbkreises. Inzwischen verteilt auf drei große Gebäude mit Internat, ist das LGH laut Schulleiter Sauer die zweitgrößte Internatsschule in Baden-Württemberg.

Schülerzahlen: Über 1000 Jungen und Mädchen wurden seit Gründung aufgenommen. Durchschnittlich gibt es laut Sauer 140 Bewerberinnen und Bewerber im Jahr, möglich seien maximal 70 Aufnahmen. Aktuell werden 270 Schülerinnen und Schüler beschult, darunter zehn ukrainische Gastkinder. Sauer: „Wir sind voll und ganz ausgelastet.“ 235 Kinder wohnen im Internat, 35 kommen täglich aus der gesamten Region in die Schule. Deren Anreise mit Bus und Bahn sei oft eine Herausforderung, berichtet der Schulleiter.

Prinzipien der Schule: Wer am Landesgymnasium für Hochbegabte aufgenommen werden will, muss eine intellektuelle Hochbegabung haben, nachgewiesen im Test mit einem staatlichen Schulpsychologen und belegt durch einen bestimmt IQ-Wert, betont Sauer. Verkürzter und beschleunigter Unterricht, in Mathematik und Fremdsprachen die Eintaktung entsprechend des individuellen Leistungsniveaus, die Pflicht zur Wahrnehmung bestimmter Wahlangebote - Teamfähigkeit und eine hohe Leistungsbereitschaft sind Voraussetzung für den Besuch dieses Hochbegabtengymnasiums. Ziel ist es laut Sauer, „eine Allgemeinbildung zu erhalten und zu pflegen, die sich im internationalen Vergleich messen lassen kann“. Der Abi-Notendurchschnitt lag laut Rektor im vergangenen Jahr bei 1,4. 22 Absolventinnen und Absolventen schafften ein Einser-Abi.

Pläne: Die Digitalisierung spiele eine wichtige Rolle an seiner Schule, beschreibt der Rektor. Das Informatik-Profil solle gestärkt werden. Gleiches gelte für die Internationalisierung in Form von Kontakten zu Schulen im Ausland.

Stimmen aus den Fraktionen: Diese Schule sei „eine Erfolgsgeschichte“, lobte Mario Capezzuto (SPD) und klopfte sich selbst und (in Abwesenheit) Stefan Scheffold symbolisch auf die Schulter, dass es ihnen beiden damals gelungen sei, dass Schwäbisch Gmünd als Standort den Zuschlag bekommen habe.  Er fragte nach den Plänen für die Erweiterung des Küchentrakts.

Johannes Barth (CDU) sicherte weiterhin die „volle Unterstützung des Schulträgers“ zu und wollte wissen: „Sind die Arbeiten für die Mensa im Zeitplan? Klaus Arnholdt von der Stadtverwaltung Schwäbisch Gmünd erläuterte dazu, man habe die Pläne ein bisschen eindampfen müssen, aber der Antrag für Küchenerweiterung und -anbau sei beim Land gestellt. Man hoffe auf eine gute Landesförderung.

Veronika Gromann (Grüne) sah in der Förderung von Begabten „den richtigen Weg“ für junge Menschen und fragte unter anderem nach dem Auswahlverfahren. Schulleiter Sauer erläuterte, dass etwa ein Drittel aller Bewerber schon „bei der Intelligenztestung rausfliegen“. Die weitere Auswahl treffe die Schule durch eine Beurteilung der Interessenten an eigens dafür veranstalteten Projekttagen, ähnlich einem Assessment-Center.   

In den vergangenen sechs Jahren hat das Hochbegabtengymnasium laut Sauer mehr Mädchen als Jungen aufgenommen. „Die Eignung war besser.“ Das Geschlechterverhältnis liege etwa bei 55 Prozent Mädchen und 45 Prozent Jungen.

Dr. Frank Gläser (AfD) sprach an, wie wichtig es sei, diese überdurchschnittlich begabten jungen Menschen später auch im Land zu halten.  Schulleiter Sauer berichtete, dass überdurchschnittlich viele der LGH-Absolventinnen und Absolventen ein naturwissenschaftliches Studium aufnähmen.

Interessantes Detail: 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler am Landesgymnasium für Hochbegabte kommen aus Baden-Württemberg, 20 Prozent aus dem gesamten Bundesgebiet.

Lesen Sie dazu:

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Gymnasium für Hochbegabte
Gymnasium für Hochbegabte © Tom
Das Landesgymnasium für Hochbegabte
Das Landesgymnasium für Hochbegabte © Tom
Gymnasium für Hochbegabte
Gymnasium für Hochbegabte © Tom

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