Bauern wollen nicht Sündenböcke sein

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Ergriffen auf dem Podium im Bopfinger Stadtgarten das Wort für die Landwirte (von links): Bundestagsabgeordneter Roderich Kiesewetter, Landtagsabgeordneter Winfried Mack, Hauptredner und Bundestagsabgeordneter Josef Rief, Landjugend-Kreisvorsitzende Annika Kurz und Kreisbauernverbands-Vorsitzender Hubert Kucher.
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Redner auf der kleinen Ipfmess-Bauernkundgebung unter Corona-Bedingungen fordern Ausgleich für immer neue Vorgaben und Regelungen in Sachen Klimaschutz und Tierwohl.

Bopfingen

Wenn die Öffentlichkeit von den Landwirten einen noch stärkeren Beitrag zu Klimaschutz, Biodiversität und Tierwohl verlangt, so muss sie diesen auch entsprechend bezahlen: So das Fazit, das CDU-Bundestagsabgeordneter Josef Rief, Hauptredner der kleinen Ipfmess-Bauernkundgebung in Bopfingen, gezogen hat.

Der Montagvormittag ist in normalen Bopfinger Ipfmess-Jahren der Termin, an dem im Bierzelt Hunderte Bauern von der Ostalb zusammenkommen, um Redner aus Politik und Landwirtschaft zu hören. Kernig und handfest wird dann gegen Maßregelungen durch EU und Nichtregierungsorgansationen und für eine faire Entlohnung der Landwirte vom Leder gezogen.

Weil heuer pandemiebedingt zum zweiten Mal keine Ipfmesse stattfindet, hatte CDU-Bundestagsabgeordneter Roderich Kiesewetter ersatzweise in den Bopfinger Stadtgarten geladen. Rund 60 Zuhörerinnen und Zuhörer, die sich vorher online angemeldet hatten, kamen zu der Veranstaltung unter Corona-Bedingungen.

Für den Redner Josef Rief, 61, Vollerwerbslandwirt und seit 2009 direkt gewählter CDU-Bundestagsabgeordneter im Wahlkreis Biberach, ist klar: Wenn die Gesellschaft einen ökologischen Umbau der deutschen Landwirtschaft wünscht, dann muss sie auch die Mehrkosten tragen: Sonst sei Landwirtschaft in Deutschland nicht konkurrenzfähig. „Produkte, die über die europäische Gesetzgebung hinausgehen, müssen auch an der Ladentheke mehr einbringen“, so Rief: Oder es müsse ein finanzieller Ausgleich für die Bauern angeboten werden.

„Lebensmitteleinzelhandel gibt Maßstäbe vor“

„Wir Landwirte stehen massiv am Pranger“, klagte er. Man würde in der Öffentlichkeit „von bestimmten Interessengruppen vorgeführt“, für Landschaftszerstörung und Klimawandel mitverantwortlich gemacht: „Eine Verdrehung der Tatsachen“, so Rief, der forderte, mutig, klar und faktenreich für den eigenen Berufsstand einzustehen.

Gleichzeitig zählte Rief Leistungen seiner Bundesregierung für die Bauern auf: vom Rekord-Etat des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft über 7,7 Milliarden Euro, über das neue Investitionsprogramm Landwirtschaft, die sogenannte Bauernmilliarde, bis hin zum Ausgleich für Dürreschäden.

Auch Hubert Kucher, Kreisvorsitzender des Bauernverbandes Ostalb-Heidenheim, ergriff das Wort. Er kritisierte „politische Entscheidungen“, die „fachlich nicht getragen“ seien. Ob bei Düngeverordnung oder Regelungen zum Kälbertransport – es werde „frei von Fachwissen“ entschieden. Er mahnte einen höheren Stellenwert der Ernährungssicherheit an. Es könne nicht sein, dass hier der Lebensmitteleinzelhandel die Maßstäbe vorgebe. Wer investiert habe, müsse Bestandsschutz genießen und nicht durch ständig neue politische Entscheidungen zu weiteren Investitionen gezwungen sein.

Bopfingens Bürgermeister Dr. Gunter Bühler betonte die hohe Bedeutung der Landwirtschaft: Diese zeige sich in einer Zeit, in der die Industrie über gestörte Lieferketten klage, besonders: Dass dies in der Pandemie nicht mit der Lebensmittelversorgung passiert ist, sei den Bauern zu verdanken. Mit Vorgaben und Auflagen würden diese aber in den „Investitionswahnsinn“ getrieben.

Wir Landwirte stehen massiv am Pranger.“

Josef Rief, CDU-Bundestagsabgeordneter

Podiumsdiskussion zur Lage der Landwirte

Abschließend forderte Bundestagsabgeordneter Roderich Kiesewetter die Zuhörerinnen und Zuhörer auf, selbst Fragen zu stellen. Auf dem Podium beantworteten CDU-Bundestagsabgeordneter Josef Rief, CDU-Landtagsabgeordneter Winfried Mack, Kreisbauernverbands-Chef Hubert Kucher und Annika Kurz, die Kreisvorsitzende der Landjugend Ostalb, die zahlreichen Fragen, die sich meist um niedrige Erzeugerpreise, rigide Vorgaben und Bürokratie sowie die schwierigen Lebensbedingungen der Landwirte drehten.

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