Bei den Schottergärten treten die Städte auf der Stelle

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Neue Schottergärten kommen inzwischen nicht mehr vor, die Bebauungspläne lassen da keinen Spielraum.
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Ihnen fehlen ein Jahr nach dem Verbot durch das Land klare Regeln. Rückbau auch für ältere Gartenanlagen?

Schwäbisch Gmünd.

Mit dem Grauschleier vor dem Haus macht man sich keine Freunde. Weder bei Nachbarn noch bei Vögeln und Insekten. Vor gut einem Jahr hat die Landesregierung die Schottergärten verboten. Aber es gibt sie immer noch. Beim Rückbau tun sich die Kommunen schwer. Das sagt Markus Herrmann, Pressesprecher der Stadt Schwäbisch Gmünd.

Mit Anordnungen ist man aus diesem Grund vorsichtig: Während das Wirtschaftsministerium einen Rückbau ab dem Datum des Erlasses - es ist der 31. Juli 2020 - vorgebe, tendiere das Umweltministerium zum Rückbau auch früherer Anlagen. „Der Streit im Land ist juristisch nicht geklärt, da warten wir ab“, sagt Markus Herrmann. Er kennt lediglich einen Fall, in dem ein Schottergarten zurückgebaut wurde,dabei handelte es sich um die Zufahrt zu einer Wohnanlage. Investorenbauten solche Anlagen oft auch von sich aus zurück.

Natürlich sei das Verbot dieser Schottergärten Bestandteil der neuen Bebauungspläne. „Da achten wir auch genau darauf“, sagt der Pressesprecher. Kontrolleure hätten bisher aber keine Ausrutscher festgestellt. Und bevor es zu einer Anordnung kommen sollte, sucht die Stadt das Gespräch mit den Eigentümern.

Auf die Beratung der Bürgerschaft setzt auch die Stadt Aalen. „Wenn uns entsprechende Gärten bekannt werden, nehmen wir Kontakt auf zu den Grundstückseigentümern zur Klärung, wie der Vorgarten alternativ gestaltet werden kann“, sagt Karin Haisch, die Pressesprecherin im Aalener Rathaus.

Hoffen auf Einsicht

Zum Erlass von Anordnungen sei es bisher noch nicht gekommen. Sie hofft vielmehr, dass bei den Grundstückseigentümern ein Umdenken stattfindet: Schottergärten seien teuer in der Anlage und machten Arbeit bei der Pflege. Für Grundstücksbesitzer hat die Stadt Aalen in Infoblatt parat, in dem die Fakten zusammengestellt sind.

Da heißt es zum Beispiel: „Zwischen den Steinen kämpfen sich Gräser und Wildkräuter durch und keimen durch Sameneintrag.Daneben sind sie eine biologisch tote Fläche, bieten keinerlei Lebensraum für Insekten, Vögel oder Igel. Sie sind schädlich fürs Klima, da sie sich im Sommer aufheizen und zudem die Hitze speichern. Schottergärten binden keinen Feinstaub und produzieren auch keinen Sauerstoff.“

„Bislang wurde nichts geahndet“, sagt auch Dr. Anselm Grupp, Pressesprecher der Stadt Ellwangen. Seit der Einführung wurden im Rahmen der regulären Baukontrollen durch den Baukontrolleur keine neuangelegten Schottergärten festgestellt. Meldungen von Seiten der Ellwanger Bürgerschaft sind in der Zeit auch nicht eingegangen.

Das Umweltministerium in Stuttgart betont, es gebe dazu keine neue Verordnung, verweist aber auf die Landesbauordnung von 1996, nach der nicht überbaute Flächen Grünflächen sein müssen. Pressesprecherin Bettina Jehne zitiert dazu aus einem Papier, wie mit nach 1996 gebauten Schottergärten verfahren werden soll: „Behördliche Anordnungen sind im Einzelfall möglich“, heißt es dort. Dies entscheide die Baurechtsbehörde nach pflichtgemäßem Ermessen und unter Anwendung des Gleichheitsgrundsatzes. Man setze auf Überzeugung. Die Kommunen sollten Bürger über Hinweise zu insektenfreundlichen Gartengestaltung sowie Umgang mit Schottergärteninformieren und Anreize zum freiwilligen Rückbau von Schottergärtensetzen.

  • So geht‘s: Tipps vom Gartenexperten
  • Volker Kugel, Gartenexperte und Chef des Blühenden Barock in Ludwigsburg, kennt die besten Schritte vom Schottergarten zum pflegeleichten Grün.Von Vorteil ist es dabei, nicht nur die Steine wegzuräumen, sondern den Boden vor der Pflanzung zu bearbeiten. Umgraben oder Fräsen sind angesagt, dann sollte der Boden über die Wintermonate ruhen. Im Frühjahr sollte Humus dazu kommen, dann steht der erfolgreichen Veränderung nichts mehr im Weg.
    Volker Kugel empfiehlt Pflanzen, die hitzeverträglich sind und mit wenig Pflege auskommen. Dazu zählt er
    Katzenminze
    Wilder Oregano
    Bergminze
    Fetthenne (die hochwachsende Sorte, die dem Garten Struktur gibt)
    Kissenaster
    Wolfsmilch
    wolliger Ziest und
    Gräser wie Lampenputzergras oder Rutenhirse.
  • Wer noch mehr für Insekten und Vögel tun will, kann die Bartblume – sie ist auch als Strauch eine Augenweide – und die Zistrose pflanzen. Mit diesem Pflanzen wird man nach Erfahrung des Fernsehgärtners „nicht zum Sklaven im eigenen Garten“.
  • Einen Vorgarten im Großen zeigt das Blühende Barock: Auf rund 500 Quadratmetern finden sich Beispiele, auch viele der hier genannten Pflanzen sind zu sehen.Die weltgrößte Kürbisausstellung im Blühenden Barock dauert noch bis 5. Dezember.

Der Streit im Land ist juristisch nicht geklärt, da warten wir ab.“

Markus Herrmann, Pressesprecher Stadt Gmünd
Pflegeleicht sind Schottergärten nur auf den ersten Blick. Später kommt auch dort Wildwuchs.

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