Bei Stimpfach steht jetzt ein Holzpenis

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Kein normaler Maibaum: Seit dem 1. Mai gibt es einen Grund mehr, Hörbühl zu besuchen.

Bisher war der kleine Ort in der Gemeinde Stimpfach eher für seinen Kreisverkehr bekannt, weniger für Kunst in der Landschaft. Aber das könnte sich mit dieser vier Meter hohen Skulptur schnell ändern.

Stimpfach. Nein, von dem Holzpenis bei Hörbühl hat Matthias Strobel am Montag noch nichts mitbekommen, als ihn der Anruf des Hohenloher Tagblattes ereilt. Aber das trifft sich ganz gut. Stimpfachs Bürgermeister wollte am Nachmittag ohnehin den Teilorten einen Besuch abstatten und sich die kleinen Maibäume ansehen, die dort coronakonform aufgestellt werden durften. Und bei der Gelegenheit machte Strobel gleich einen Abstecher nach Hörbühl.

Dort wurde ein Maibaum in Form eines Holzpenis in der Nacht zum 1. Mai aufgestellt. Um das Kunstwerk zu bestaunen, muss man vom Ort aus die Straße hinunter zum Kocher-Jagst-Radweg nehmen, die parallel zum Hörbühler Bach führt. Ungefähr auf halber Strecke geht es rechts einen Hügel hinauf – und da steht er dann, der Holzpenis, etwas versteckt neben einem Acker. „Von diesen Skulpturen gibt es momentan jede Menge“, sagt Strobel am Telefon. Gerne hätte man dazu sein Gesicht gesehen.

Furchtbar! So toll ist das auch wieder nicht.“

Anwohnerin

Der Grünten lässt grüßen

Der bekannteste Holzpenis steht wohl auf dem Grünten, ein 1738 Meter hoher Berg in den Allgäuer Alpen. Er ist schon etwas älter, wurde bereits gestohlen, umgestoßen, zersägt und wieder ersetzt. Auch bei Maistreichen in Baden-Württemberg sind Holzpenisse beliebt. In diesem Jahr kam neben der Gemeinde Stimpfach einer in der Gemeinde Bergatreute (Landkreis Ravensburg) dazu. Letzterer ist zwei Meter groß und steht mitten im Ort.

Wenn es darum geht, wer den Längsten hat, dann dürfte Hörbühl ziemlich weit vorne liegen. Das Teil dort misst gut und gerne vier Meter. Was den Holzpenis noch von anderen unterscheiden dürfte: Er hat keine Hoden, dafür einen Holzklotz davor, der aussieht wie eine Vagina.

Was die Verankerung im Boden angeht, haben die Unbekannten ganze Arbeit geleistet. Es gibt sogar ein Betonfundament, und in diesem sitzt ein Metallgestell, das den Baumstamm mit Schrauben festhält. Die sind teilweise zerstört, dass sie sich nicht mehr aufdrehen lassen. Zudem sitzen unzählige Nägel im Stamm, die verhindern sollen, dass ihn jemand auf die Schnelle umsägt.

Es war übrigens ein anonymer Brief, der die Lokalzeitung auf diesen Holzpenis aufmerksam machte. „Bitte um Berichterstattung“, so stand es auf dem Umschlag. Darin: zwei Fotos des Kunstwerks, garniert mit einem Begleittext in Gedichtform, der sich auch vor Ort auf einem Schild wiederfindet: „Am Grünten da steht er ganz agil, zu sehn ist er auch; nun in Hörbühl/Ein Photo das haben wir gemacht, ganz schnell noch in der Maiennacht/Wollt Ihr das Kunstwerk auch mal sehn, so müßt Ihr zu folgenden Koordinaten gehn:
Breitengrad: 49,044599
Längengrad: 10,095842.“

Eine Sehenswürdigkeit: Hörbühl wird berühmt.“

Anwohnerin

Die Koordinaten werden gleich mitgeliefert, das gehört zum Spiel dazu – und ganz ehrlich, ohne die hätte sich die Suche nach dem Holzpenis bei Hörbühl wohl länger hingezogen. Bisher war der kleine Ort eher für seinen Kreisverkehr bekannt. Dieser kommt ohne Pflanzbeet daher, damit der Schulbus im Ort problemlos wenden kann. In der Nähe des Kreisverkehrs steht sonst auch der normale Maibaum, wenn kein Corona ist.

Was halten die Menschen im Ort eigentlich von dem Holzpenis? Ist das Kunst – oder kann das weg? Hörbühl ist so klein, dass die Straßen keine Namen haben, es gibt nur Hausnummern. Am Montag um die Mittagszeit ist keiner draußen, also klingeln. Denjenigen, die aufmachen, geht es wie dem Bürgermeister: Sie haben noch nichts mitbekommen.

Bei der 17 stehen Hermann Schneider und seine Frau in der Haustür. Bisher sei „das Nest“ vor allem bei Spaziergängern beliebt, weil es viel Wald in alle Richtungen gebe, sagt er. Wie viele Einwohner gibt es? „50 Stück“, antwortet Schneider und lacht, er habe „schon lange nicht mehr durchgezählt“. „Da guckt jeder nach dem anderen“, fügt seine Frau hinzu. Und als sie ein Foto von dem Holzpenis sieht, sagt sie nur: „Furchtbar! So toll ist das auch wieder nicht.“ Dabei huscht ein Lächeln über ihr Gesicht.

Hedwig May und Tochter Susanne, Hausnummer 25, nehmen es ebenfalls mit Humor. „Eine Sehenswürdigkeit: Hörbühl wird berühmt“, fällt ihnen dazu ein. Nach dem Essen wollen sie sich das Kunstwerk jedenfalls mal ansehen.

Es könnte allerdings sein, dass der Spaß nur von kurzer Dauer ist, denn es gibt noch einen kleinen Haken an der Sache. Als Bürgermeister Strobel hört, dass der Holzpenis vier Meter misst, sagt er: „Da sind wir gleich im Baurecht. Da müssen wir uns baurechtlich drum kümmern.“ Seines Wissens hat niemand einen Bauantrag gestellt. Jens Sitarek

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