Betrüger suchen Opfer im Home-Office

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Wer Telefonanrufe von angeblichen Microsoft-Mitarbeitern erhält, sollte am besten sofort auflegen.

Rudersberg. Als am 5. September um die Mittagszeit Willi Hoghs Telefon klingelt und sich ein Mann in gebrochenem Englisch meldet, wird der Rudersberger sofort misstrauisch. Erst recht, als sich der Anrufer als Mitarbeiter der Firma Microsoft vorstellt. "Vor drei oder vier Jahren habe ich schon einmal so einen seltsamen Anruf bekommen", erinnert sich Hogh.

Aus Neugierde legt er dennoch nicht sofort auf, sondern tut so, als würde er dem Anrufer glauben. So kann Hogh die Masche schließlich nachvollziehen: "Ich wurde aufgefordert, einen Befehl einzugeben, der die Ereignisanzeige des Computers öffnet", berichtet Hogh. Auf diese Weise habe der Anrufer ihm demonstrieren wollen, dass Warnungen im System existieren. "Dies war laut dem Anrufer der Beweis dafür, dass der PC gehackt worden ist. Um das Problem zu beseitigen, sollte ich dann eine Internetseite aufrufen, die er mir nannte." Betrüger lassen nicht locker und rufen erneut an. Willi Hogh ist klar: Auf diese Weise wollen sich die Betrüger Zugang zu seinem Rechner verschaffen. Er vermutet, dass auf diese Weise Kreditkartendaten oder Ähnliches ausgespäht werden. "Die Software habe ich natürlich nicht heruntergeladen, sondern das Gespräch abgebrochen, indem ich vorgetäuscht habe, Besuch zu bekommen", sagt Hogh.

Die Betrüger allerdings lassen nicht locker, sondern rufen in der Folge noch neunmal an. Willi Hogh geht nicht mehr ans Telefon. Obwohl er selbst nicht in die Falle getappt ist, möchte er seine Erfahrung teilen: "Ich möchte vor allem ältere Internetnutzer vor diesen Betrügern warnen", sagt der Mann aus Rudersberg.

"Betrügereien wie diese gibt es leider täglich", bestätigt Rudolf Biehlmaier, Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen. Bereits seit einigen Jahren geben sich Betrüger am Telefon immer wieder als falsche Mitarbeitende von Microsoft aus. "Meistens sollen die Opfer dann die angeblich durchgeführten Wartungsarbeiten direkt online bezahlen", so Biehlmaier. In letzter Zeit versuchen die Täter laut der Polizei auszunutzen, dass viele Menschen während der Corona-Pandemie im Home-Office arbeiten. Häufig sprechen die Täter Englisch mit indischem Akzent und versuchen, die Angerufenen dazu zu bringen, eine Software zur Fernwartung zu installieren.

Die Polizei gibt Tipps, wie man sich und seinen Computer schützen kann:

  • Fremden sollte niemals Fernzugriff auf den eigenen Computer gestattet werden.
  • Wenn ein angeblicher Servicemitarbeiter anruft, am besten sofort auflegen. Seriöse Unternehmen wie Microsoft nehmen unaufgefordert keinen Kontakt zu Kunden auf.
  • Wer in die Falle getappt ist, sollte sofort den Computer ausschalten, dessen Verbindung zum Internet trennen und über einen anderen Rechner alle Passwörter ändern.
  • Opfer sollten Anzeige bei der Polizei erstatten und den Vorfall bei Microsoft melden unter www.microsoft.com/de-DE/concern/scam.
  • Unternehmen sollten Mitarbeiter auf die Gefahr hinweisen.

Annina Baur

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