Bild-Lichter der Mythologie

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Der Künstler thematisiert hier die Flucht aus Afrika.

Was der Essinger Dietmar Schmid auf Vlies von der Rolle zaubert und wie er seine Werke anschließend ins Licht rückt.

Ein Knopfdruck – die Farben beginnen zu leuchten und wie von Geisterhand erscheinen die Silhouetten von Frauengestalten auf der Bildoberfläche. Sichtbar gemacht durch das Licht, das Dietmar Schmid mit der Fernbedienung angeschaltet hat.

"Bild-Lichter" nennt der Essinger Künstler seine Kreationen. Er verwendet dafür Vlies, das er rückseitig bemalt. Kein Stoff aus der Schneiderei. Mit dem habe er anfangs auch Versuche gemacht, sagt er. Sondern Vlies von der Rolle. "Ein stabiles Material, so robust wie Leinwand. Das kann man über den Rahmen spannen."

Mit Vaseline werden Flächen und Konturen aufgetragen, bei Schmid sind es oft Szenen aus der griechischen Mythologie, dann kommt die Farbe dazu. Tusche, die durchsickert. Farbpigmente, die das Vlies durchbrechen. Dadurch entstehen auf der Rückseite zufällige Verfälschungen. Gewollte Veränderungen.

"Eine Spielerei", sagt Schmid. Das Ergebnis hänge auch davon ab, wie lange die Farbe auf dem Vlies verbleibt. "Und es gehört auch ein bisschen Chemie dazu", erklärt er und ergänzt: "Ich habe relativ lange experimentiert damit." Für das Licht sorgen im Rahmen angebrachte LEDs.

Eine Methode, die der Künstler zur Bildgestaltung nutzt, ist die sogenannte Blindtastung. Dabei werden die darzustellenden Objekte lediglich mit der Hand erfühlt, bevor sie auf der Leinwand Gestalt annehmen. Das Bild entsteht unter dem haptischen Eindruck. "Beim Tasten verschieben sich die Dimensionen, das Räumliche entfällt", erklärt Schmid.

Arbeit mit mit Blindtastung

Seit mehr als zehn Jahren arbeite er mit der Blindtastung, angefangen an sich selbst mit Kopf und Körper, sagt er. Auch seine Frau stehe ihm Modell.

Kunst ist mein Nebenjob.

Dietmar Schmid Künstler, Autor, Lektor und früher Professor für Robotik

Das Thema Wahrnehmung habe ihn bereits im wissenschaftlichen Kontext beschäftigt, erzählt der frühere Professor für Robotik und virtuelle Systeme an der Hochschule Aalen und nennt Beispiele. Etwa: Ab wann erkennt man ein Gesicht? Wie muss die Griffigkeit von Hebeln beschaffen sein?

"Kunst ist mein Nebenjob", sagt der 79-Jährige. Ansonsten schreibt er Fachbücher und ist als Herausgeber und Lektor tätig. Die Kunst ist eine willkommene Abwechslung. "Bei den Fachbüchern ist die linke Gehirnhälfte beschäftigt, bei der Kunst die rechte. Da kann ich meinen Gefühlen freien Lauf lassen", findet Schmid. Das Analytische brauche er bei den Büchern, während er als Gestalter intuitiv vorgehe.

In allen Etagen seines Hauses hängen die leuchtenden Bilder von Dietmar Schmid. Darauf Leda und der Schwan, die Königstochter Europa und der Stier oder die indianische Gottheit Kokopelli. Motive, die auf den ersten Blick nicht unbedingt als solche erkennbar sind. "Ein Bild, das sich im ersten Moment erschließt, ist langweilig", findet der Essinger.

Dietmar Schmid, der im nächsten Monat seinen 80. Geburtstag feiert, ist vor allem als Bildhauer bekannt. Einige seiner Skulpturen sind im Essinger Schlosspark aufgestellt. Die leuchtenden Bilder werden im Herbst in der Essinger Schloss-Scheune gezeigt.

Die Ausstellung "Metamorphosen" mit Bildern, Lichtobjekten und Skulpturen von Dietmar Schmid ist vom 15. Oktober bis 7. November 2021 in der Schloss-Scheune Essingen zu sehen.

"Bild-Lichter" nennt Dietmar Schmid seine leuchtenden Kreationen aus Farbe und Licht.
Hier leuchtet alles. Neben den Bildern hat Dietmar Schmid auch Lichtobjekte wie diese Tüten gestaltet.

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