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Aktuelles Bild aus der Warenabfertigung bei essity: Der Ausstoß ist deutlich höher als vor Corona-Zeiten. Bildquelle: essity GmbH
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Wie sieht die Lage bei der Toilettenpapierproduktion wirklich aus? Gibt es tatsächlich Engpässe? Wir haben uns für Sie schlau gemacht.

Ellwangen

Es ist ein tägliches Bild in Deutschland: Nahezu leere Regale bei Klopapier und mittlerweile auch bei Küchenrollen. Das statistische Bundesamt veröffentlicht Zahlen, nach denen der Verkauf von Toilettenpapier um das dreifache angestiegen ist. Doch wie ist die Lage bei den Produzenten? Gibt es Engpässe bei Rohstoffen oder in der Lieferkette?

Bei der Firma JRS Holzmühle Rettenmaier in Rosenberg verneint man dies. Holz gibt es genug, auch die Logistik funktioniert wie gehabt. Die Firma JRS produziert neben einer Vielzahl an Produkten aus dem Grundstoff Zellulose vor allem so genannte Additive, die Papier beigemischt werden, damit es bestimmte gewünschte Eigenschaften erhält. Für Toilettenpapier befinden sich dort derzeit vor allem Additive in der Test- und Erprobungsphase, daher merke man selbst noch gar keine Marktschwankungen, so Michael Binder, Sprecher der JRS.

Enorme Nachfrage

Auch die Waiblinger Firma Karl Weysser GmbH, die neben verschiedenen Hygienepapieren für Großkunden auch Reinigungs- und Desinfektionsmittel herstellt, verneint: "Bei uns läuft die Produktion auf Hochtouren." Engpässe seien rational nicht nachvollziehbar, denn man produziere mehr als vor der Krise.

Im Mannheimer Stadtteil Waldhof ist die Firma essity ansässig, einer der größten Hersteller für Klopapier und Küchenrollen in Deutschland. Bekannte Marken werden dort ebenso produziert wie zahlreiche Eigenmarken für große Discounter. Christian Gäbele, Unternehmenssprecher, stellt auf Nachfrage der SchwäPo klar: "Die Produktion in unseren Werken läuft durchgängig 24 Stunden lang, auch am Wochenende. In den vergangenen Wochen ist die Nachfrage nach Toilettenpapier enorm gestiegen. Wir haben daher unsere Produktion stark ausgeweitet. Möglich wird dies, indem wir beispielsweise Wartungsarbeiten, die nicht sicherheitsrelevant sind, verschoben haben, oder das Sortiment optimiert haben."

Wenn jeder von uns normal einkauft, wird es keine leeren Regale mehr geben.

Christian Gäbele, Sprecher essity GmbH

Diese Optimierung bedeutet, dass beispielsweise aktuell weniger verschiedene Produkte hergestellt werden, sodass die Maschinen länger produzieren können, ohne umgestellt und neu eingerichtet zu werden. Dadurch kann der Ausstoß deutlich erhöht werden. Zudem trifft essity Vorkehrungen, um die hohe Produktion weiterhin aufrecht erhalten zu können.

"Generell stehen die Sicherheit und die Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer an erster Stelle", erklärt Gäbele. "Im Zuge der Ausbreitung des Coronavirus haben wir unternehmensintern schon zu einem frühen Zeitpunkt alle empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Dies betrifft in der Produktion einerseits den Zugang zum Werk für externe Besucher und andererseits die weitestgehende Trennung von Produktionsbereichen und Schichtübergaben in kleinsten Kreisen. So schützen wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und stellen die Versorgung der Bevölkerung sicher."

Auch über den durchschnittlichen Verbrauch ist man bei essity im Bilde: "Wir gehen davon aus, dass jeder Bürger ungefähr ein bis zwei Rollen Toilettenpapier in der Woche benötigt. Mit einer 8er-Packung ist man also eine ganze Weile versorgt."

Im übrigen sollte man darauf verzichten, Küchenrollen oder Taschentücher als Alternative zu horten: "Dieses Papier ist darauf ausgelegt, saugstark und reißfest zu sein. Es löst sich nicht auf und verstopft den Abfluss."

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