Bläse träumt vom Ostalb-Windpark

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Die Standortsuche für einen neuen Windpark im Ostalbkreis läuft. ⋌Archivfoto: Oliver Giers
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Landrat Dr. Joachim Bläse will den Kreis zum Motor beim Aufbruch in die Erneuerbaren Energien machen. 50 bis 100 Millionen Euro für eine Wind- und/oder PV-Anlage stehen im Raum.

Aalen

Der Aufbruch in die Energiewende soll im Ostalbkreis kein Lippenbekenntnis sein, meint Landrat Dr. Joachim Bläse und setzt einen Pflock. Ein Windpark und/oder ein Photovoltaikfeld soll entstehen unter der Federführung des Landkreises. Am liebsten wäre Bläse ein Windpark. Er betont aber, dass das Projekt erst am Anfang stehe.

„Ich könnte mir, beziehungsweise der Ostalbkreis könnte sich vorstellen, bei der Energiewende selbst Motor zu sein, indem wir als Träger einsteigen und Großanlagen für Wind- und Sonnenenergie schaffen. Dies gemeinsam mit allen interessierten Städten und Gemeinden, den fünf Energieversorgern im Kreis und der Finanzwirtschaft. Erste gute Gespräche hierzu haben bereits stattgefunden“, sagte der Landrat jüngst bei der Einbringung des Etats im Kreistag.

50 bis 100 Millionen Euro Invest

Zielvorstellung sei ein industrieller Windpark und Photovoltaik mit einem Investitionsvolumen von 50 bis 100 Millionen Euro im Ostalbkreis. Dafür sei zunächst zu prüfen, ob es eine große zusammenhängende Fläche für ein Projekt dieser Größe gibt. Daten des Regionalverbandes und der Austausch mit diesem seien hier wichtig.

Im Anschluss müssten die rechtlichen Vorgaben geprüft werden - neben genehmigungsrechtlichen Vorgaben insbesondere auch gesellschaftsrechtliche. Hier seien Fragen zur Gründung einer Projekt- und Betreibergesellschaft, zu einem möglichen Fonds für Bürgerbeteiligung und mehr zu klären.

Nach der Klärung von Standort, Größe, Eigenverbrauchsmöglichkeiten und vielem mehr stehe die Planung des Netzausbaus im Raum, umreißt Bläse das geplante Vorgehen. Konkreter werden könne man aktuell noch nicht, lautet die Antwort aus dem Landratsamt auf Nachfrage dieser Zeitung.

Positionspapier als Grundlage

Der Landkreis hat im Oktober 2022 im Rahmen des „Zukunftsforums Energie“ sein Zielbild in Sachen erneuerbare Energien entwickelt. Die Ostalb hat das gesetzlich vorgegebene Zwei-Prozent-Flächenziel für Erneuerbare Energien (Windkraft und Photovoltaik) bereits erreicht, werde jedoch bei der Fortschreibung der Regionalplanung weitere Potenziale prüfen, heißt es darin. Aber auch: „Wir sind als Ländlicher Raum bereit, mehr als gesetzlich gefordert zu leisten. Aber wir wollen von Bund und Land im Gegenzug eine Kompensation für unseren Beitrag für die urbanen Zentren in Form von anderen Strukturmaßnahmen!“

Bläse denkt hier an Mobilitätsinfrastruktur, Verkehr, ÖPNV, Netzausbau, veränderte Netzentgelte und an Wasserstoff. Verlangt wird beispielsweise, dass die Region von Anfang an, an die geplanten H2-Erzeugerstandorte über Pipelines angebunden wird.

Im Positionspapier wird weiter dargelegt, dass der Landkreis den Ansatz unterstützt, möglichst bereits versiegelte Flächen von Privaten und Unternehmen, beispielsweise entlang von Straßen oder stillgelegte landwirtschaftliche Nutzflächen für die Schaffung erneuerbarer Energien in Anspruch zu nehmen. Hier sieht er die Wirtschaft mit im Boot, um geeignete Flächen zu identifizieren.

Landwirten droht Ungemach

Auch die „landwirtschaftliche“ Produktion von Biogas und erneuerbarem Strom in Biogas-KWK-Anlagen müsse im Blick behalten werden. Aber, Achtung Landwirte: „Sofern alternative Flächen nicht mehr in ausreichendem Maß zur Verfügung stehen, wird künftig auch die bislang aktiv landwirtschaftlich genutzte Fläche zum Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Freiflächen-PV benötigt“, heißt es im Positionspapier wörtlich.

Vorausschauender Netzausbau

Für das Gelingen der Energiewende ist der Netzausbau zwingend. Dieser müsse auf der Ostalb „schnell beschleunigt und vereinfacht“ werden. Der Landkreis will hier „vor die Welle“ kommen, um sicherzustellen, dass alle Anlagen, die EE-Strom erzeugen, auch zur Einspeisung an das Netz angeschlossen werden können. Dies betrifft sowohl die Heranführung von Off-Shore-Windstrom und grünem Wasserstoff aus dem Norden Deutschlands, wie die genehmigungsrechtliche Vereinfachung der Verlegung von Erdkabeln, um Akzeptanz bei der Bevölkerung zu erreichen.

Fachkräfte fehlen

Ein weiterer Bremsklotz beim Ausbau der Erneuerbaren: Der Fachkräftemangel im Handwerk macht sich auch hier bemerkbar. Es gelte daher, durch Fortbildungs- und Attraktivitätsmaßnahmen Fachpersonal zu binden und neues Personal zu fördern und zu qualifizieren. Der Ostalbkreis will sich mit seinen Partnern aktiv an entsprechenden Maßnahmen beteiligen.

Die Überlegungen zur Initiative des Kreises als Motor in Sachen Erneuerbare Energien liegen den Rathäusern vor. Dort solle man sich nun Gedanken machen. Aber auch die Bevölkerung ist aufgefordert, sich einzubringen. „Die neue Energiewelt und die angestrebte Klimaneutralität gelingen nur mit der Wirtschaft, der Landwirtschaft und mit den Menschen, die hier im Ostalbkreis leben! Deshalb lade ich die Bürgerinnen und Bürger, die Wirtschaft und die Landwirtschaft zum konstruktiven Dialog ein und rege eine gezielte Prüfung aller verfügbaren Potenziale für den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien an“, sagt Bläse.

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