Bläse verlangt mehr Klarheit und mehr Verlässlichkeit

  • Weitere
    schließen
+
Peter Schmidt, ärztlicher Leiter im Kreisimpfzentrum in Aalen, und sein Team würden gern mehr Menschen impfen. Die Logistik steht. Es fehlt der Impfstoff, sagt Landrat Bläse. Archivfoto: opo
  • schließen

Der Ostalb-Landrat Dr. Joachim Bläse kritisiert die Politik in Berlin und in Stuttgart und sorgt sich, dass die Bürger das Vertrauen in den Staat verlieren.

Aalen

Kritische Worte gab's von Landrat Dr. Joachim Bläse an die Adresse von Bundes- und Landesregierung wegen deren Corona-Politik. "Mit Verwunderung" habe er das Durcheinander in der vergangenen Woche erlebt. Angesichts einer 7-Tage-Inzidenz von über 160, gerechnet auf 100 000 Einwohner bei steigender Tendenz sagt Bläse: "Krise braucht Führung und Verantwortung." In Richtung Stuttgart und vor allem Berlin verlangt Bläse "mehr Klarheit, mehr Verlässlichkeit und mehr Planungssicherheit". Bläse: "Sonst verlieren die Bürgerinnen und Bürger das Vertrauen in den Staat."

Im Landkreis trage er diese Verantwortung. "Wir haben unsere Testmöglichkeiten erheblich erweitert" – und auch ein Pilotprojekt auf die Beine gestellt, was Testungen in Kindertagesstätten anbelange. Leider habe sich seine erste, frühe Einschätzung bewahrheitet. Die neue Corona-Variante "macht auch vor kleinen Kindern nicht halt". Kleinkinder steckten sich in Kitas an, "und dann haben es alle in der Familie bis hin zur Oma".

Aktuell stecke der Ostalbkreis mitten in der dritten Welle. Da sei es schwierig, an Öffnungen zu denken. Dennoch müsse die Gesellschaft lernen, "mit Corona zu leben". Daher habe man im Ostalbkreis das Thema Bürgertestungen immens ausgeweitet. Auch solle im Landkreis die sogenannte "Luca-App" rasch und konsequent eingeführt werden. Diese ermöglicht eine verschlüsselte Kontaktdatenübermittlung. Sie gilt als gut für Gastgeber und Gäste speziell im Bereich Gastronomie.

Es wird der Eindruck erweckt, wir sind zu blöd, die Leute zu impfen.

Dr. Joachim Bläse Landrat des Ostalbkreises

Auch beim Thema Impfen habe der Landkreis getan, was getan werden kann: mit dem Kreisimpfzentrum, mit den mobilen Impfteams. "Die über 80-Jährgen spüren, dass wir sie nicht vergessen haben", sagt Bläse. Auch habe der Landkreis die Liste derer abgearbeitet, deren Impftermin wegen des kurzfristigen Ausfalles des Impfstoffes von AstraZeneca ausgefallen war. Noch einmal betonte Bläse: "Wir stellen uns der Verantwortung." Dennoch gelte weiter: "Wir verwalten immer noch nur den Mangel." Der Ostalbkreis könnte viel mehr Menschen impfen, wenn der Impfstoff dafür da wäre. In diesem Zusammenhang ärgern ihn Diskussionen, in denen es darum gehe, wer alles impfen könnte. Die Hausärzte, die Betriebe: Das sei alles gut. Doch darüber könne man reden, wenn genug Impfstoff da sei. Die Verantwortlichen – und Bläse nannte ausdrücklich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel – sollten nicht ständig sagen, "was gemacht werden könnte, sondern, was gemacht werden kann". Es fehle zudem nicht nur an Impfstoff, sondern auch die Information darüber, wie viel Impfstoff zur Verfügung gestellt wird und wann. Stattdessen werde durch unüberlegte Aussagen der Eindruck erweckt, "wir sind zu blöd, die Leute zu impfen".

Bläse sprach auch die "Unwucht" bei der Verteilung von Impfstoff in Baden-Württemberg an. Bislang und während der Zeit des Mangels habe er sich da noch zurückgehalten. Hintergrund: In Baden-Württemberg bekommen alle Landkreise jeweils die gleiche Menge an Impfdosen – unabhängig von der Einwohnerzahl. Der Ostalbkreis ist mit 314 000 Einwohner recht groß – und bekommt genauso viel wie etwa der Landkreis Heidenheim. Dort leben nur gut 130 000 Menschen. Da im April mit deutlich mehr Impfstoff insgesamt gerechnet werden könne, will Bläse die bisherige Zurückhaltung ablegen.

Zurück zur Übersicht: Ostalbkreis

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL