Corona: Gemeinsamer Ostalb-Appell, um die dritte Welle zu brechen

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Corona im Ostalbkreis

Immer mehr Fälle, die Kliniken am Anschlag: Vor dem 1. Mai appellieren Landrat und die Bürgermeister an die Bürgerinnen und Bürger, Kontakte deutlich einzuschränken.

Aalen. Erneut wenden sich Landrat Dr. Joachim Bläse und die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister des Ostalbkreises in einem dramatischen Appell an die Öffentlichkeit und erinnern zunächst daran, wie alle begann: Anfang März des vergangenen Jahres hat das Corona-Virus den Ostalbkreis erreicht. „Seitdem beherrscht die weltweite Pandemie unser tägliches Leben und verlangt uns allen vielfältige Einschränkungen ab“, heißt es in dem Schreiben, das am Mittwoch an die Medien versandt wurde. 

 Landrat Dr. Joachim Bläse und die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister des Ostalbkreises 

Ansteckungen nehmen immer mehr zu

„Wir durchleben momentan die dritte Infektionswelle und die Infektionszahlen bundesweit, aber auch bei uns im Ostalbkreis, erreichen neue, traurige Rekordwerte“, schreibt die Ostalb-Bürgermeisterriege. Bereits knapp 340 Menschen seien im Kreis im Zusammenhang mit der Pandemie verstorben. „Täglich zählen wir mehr Neuinfektionen, wodurch unser Wert für die 7-Tage-Inzidenz inzwischen bei rund 250 liegt“, Tendenz steigend. 

Kliniken sind voll ausgelastet

Aber nicht nur die Summe der Neuinfektionen binnen sieben Tagen je 100 000 Einwohner machen den Kreisverantwortlichen Sorgen. Mit dem stetigen Anstieg der Infektionszahlen müssten immer mehr Menschen stationär in den Kliniken aufgenommen und behandelt werden. Dies habe zur Folge, „dass in unseren Häusern, den Kliniken Ostalb in Aalen, Ellwangen und Mutlangen, seit dem vergangenen Wochenende die Intensivbetten fast voll belegt sind“. Dies wiederum bedeute, dass die Kapazitäten für weitere Notfälle – seien es Corona-Patienten, durch einen Unfall Schwerstverletzte oder andere Notfall-Patienten mit Herzinfarkt oder Schlaganfall - knapp werden. Aus diesem Grund müssten aktuell alle planbare Operationen wie etwa Eingriffe an Hüfte oder Knie in den Kliniken Ostalb verschoben werden.

Neuinfektionen müssen unbedingt gesenkt werden

Das öffentliche Leben – Bildung, Sport, Kultur, Gastronomie, große Teile des Einzelhandels – seien mittlerweile wegen der rasant gestiegenen Ansteckungen auf nahezu Null heruntergefahren – und dies schon seit fast einem halben Jahr.

„Deshalb bitten wir heute alle gemeinsam im Namen des Ostalbkreises, der Kliniken Ostalb und aller 42 Städte und Gemeinden um Ihre Solidarität und Einsicht“, appellieren Landrat, Oberbürgermeister und Bürgermeister: „Wir haben ein gemeinsames Ziel, nämlich die deutliche Reduzierung unserer Infektionszahlen, damit wir unser Leben so schnell wie möglich wieder im privaten und im öffentlich Bereich öffnen dürfen!“, schreiben sie.

Ein „weiter so kann und darf es nicht geben, weil wir sonst einen noch steileren Anstieg der Infektionszahlen erleben werden, der wiederum weitere Einschränkungen nach sich ziehen würde“. Dazu gehörten Ausgangsbeschränkungen auch tagsüber und durchgängiges Tragen von Mund-Nasen-Schutz in der Öffentlichkeit bei Verlassen des Hauses, was nur noch mit triftigem Grund zulässig wäre.

So lautet der Appell an alle:

• Minimieren Sie Kontakte: ein Haushalt darf sich nur mit einer weiteren Person treffen!

• Unterlassen Sie Treffen und Ausflüge in der Gruppe oder mit zwei Familien und mehr!

• Halten Sie Abstand zu anderen Menschen – mindestens 1,5 Meter - und beachten Sie die Hygienevorschriften!

• Tragen Sie möglichst überall, wo Maskenpflicht herrscht, FFP2-Masken!

• Halten Sie sich an die Ausgangbeschränkungen!

• Nehmen Sie die freiwilligen und kostenlosen Testangebote wahr – egal ob in den Betrieben oder die Bürgertestungen, die jedem einmal pro Woche zustehen! Damit helfen Sie, Infektionen aufzuspüren, die sich noch nicht durch Symptome geäußert haben und somit eine weitere Verbreitung frühzeitig zu stoppen!

Nur wenn alle gemeinsam sich an die Spielregeln halten, „können wir es schaffen, Schritt für Schritt die Notbremse zu lockern“:

• Bei dauerhafter 7-Tage-Inzidenz unter 165 dürfen Kinder und Jugendliche wieder in die Kitas und in den Präsenzunterricht an den Schulen.

• Bei einem Wert unter 150 haben die sonstigen Einzelhändler wieder die Möglichkeit, Click & Meet mit tagesaktuellem Schnelltest anzubieten.

• Und bei unter 100 würden wir die Regelungen der Bundes-Notbremse hinter uns lassen, die ansonsten verpflichtend bis Ende Juni gelten!

„Lassen Sie uns nicht über die Corona-Maßnahmen, die uns alle in unserem Alltag beschränken, klagen! Lassen Sie uns vielmehr zusammenstehen, damit wir nicht durch fahrlässiges Verhalten unser wichtigstes Mittel im Kampf gegen Corona selbst unterlaufen: das Impfen.

Schon im Juni, also in gut einem Monat, werde voraussichtlich genügend Impfstoff vorhanden sein, damit die bisherige Impfpriorisierung fallen kann und sich noch mehr Menschen impfen lassen können. „Wenn wir jetzt den steigenden Infektionen tatenlos zusehen, begünstigen wir die Entstehung und Verbreitung weiterer Virus-Varianten, gegen die dann womöglich die jetzigen Impfstoffe machtlos sein werden. Lassen Sie uns diesen Wettlauf zu unseren Gunsten entscheiden!

Die Städte und Gemeinden überprüften die Einhaltung der Quarantäne bei Infizierten und Kontaktpersonen und sanktionieren Verstöße, kontrolliert würden zudem Jugendtreffpunkte, Spiel- und Bolzplätze oder Sportanlagen und öffentliche Plätze auf die Einhaltung der Kontaktbeschränkungen und Mindestabstände sowie die Maskenpflicht. Auch die Polizei werde vermehrt unterwegs sein, um vor allem die Einhaltung der nächtlichen Ausgangsbeschränkung zu kontrollieren. ⋌

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