Corona: Die Lage im Ostalbkreis

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Der schlimmste Fall ist nie eingetreten, die Notfallzentren mit den Zusatzbetten in der Aalener Ulrich-Pfeifle-Halle (unser Bild) und in der Gmünder Großsporthalle wurden nicht benötigt. Archiv-
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Wie Landrat Klaus Pavel die aktuelle Situation einschätzt und wie es mit den beiden ärztlichen Notfallzentren in Aalen und Gmünd weitergeht, die nicht in Betrieb gehen mussten.

Aalen.

Es war so etwas wie eine Corona-Zwischenbilanz, die Landrat Klaus Pavel am Dienstag dem Kreisrat in der Stadthalle präsentierte. Im Hintergrund prangte ein Diagramm, wie ein Mahnmal der Krise: Verschiedenfarbige Linien nach oben, die den Verlauf der Epidemie im Ostalbkreis symbolisierten. Eine davon ist seit einigen Wochen wieder auf dem Weg nach ganz unten. 53 aktiv Infizierte verzeichnet der Ostalbkreis am Dienstag. "Nur noch", sagte Pavel dazu. Die erste Phase der Epidemie scheint überstanden zu sein.

Dafür bekam die Landkreisverwaltung von allen Fraktionen – mit einer Ausnahme – großen Dank ausgesprochen. Susanne Mützel (AfD) nutzte ihre Rede für allgemeine Kritik an den getroffenen Maßnahmen und verwies auf "nicht absehbare gesundheitliche und soziale Folgen". Der Lockdown sei nicht notwendig gewesen.

Pavel wollte das nicht unkommentiert stehen lassen und stellte fest, dass gerade wegen dieser Maßnahmen eine große Katastrophe verhindert werden konnte. Das sahen auch Martina Häusler (Grüne), Stephanie Eßwein (CDU), Carola Merk-Rudolph (SPD) und Roland Hamm (Linke) so. Hamm erinnerte außerdem an die schlechte Bezahlung von Pflegekräften in den Kliniken und Altenheimen und forderte eine gerechte Entlohnung.

23 von 42 Kommunen im Ostalbkreis seien mittlerweile virusfrei, so Pavel, der an den Beginn der Coronakrise im Ostalbkreis am 2. März mit dem ersten bestätigten Fall erinnerte. Dann der 12. März mit dem Aufruf an die Ischgl-Fahrer. "Diesen Tag werde ich nie mehr vergessen", sagte Pavel. Teilweise saßen bis zu 130 Mitarbeiter gleichzeitig an der Hotline und beantworteten E-Mails und Telefonanrufe. "Wir konnten lückenlos alle Infektionsketten nachverfolgen", sagte Pavel. Deshalb und dank zahlreicher ehrenamtlicher Helfer wurde der Ostalbkreis nicht zum befürchteten neuen Corona-Hotspot in Deutschland.

Doch schnell kamen neue Probleme. "Kopfzerbrechen" bereitete Pavel der Ausbruch in der Ellwanger LEA. Innerhalb von eineinhalb Tagen wurden knapp 800 Personen getestet – auf einen Schlag gab es 243 neue bestätigte Coronafälle, kurz darauf kamen 135 weitere dazu. Am 29. März schließlich verzeichnete der Ostalbkreis den ersten Corona-Todesfall im Ostalbkreis. Aktuell sind es 37 – diese Zahl stagniert seit einigen Tagen. Ein gutes Zeichen.

Wir konnten lückenlos alle Infektionsketten nachverfolgen.

Landrat Klaus Pavel über die "Ischgl"-Situation im Kreis

Ärztliche Notfallzentren werden abgebaut

Auch Pavel spricht sich jetzt für Lockerungen aus. Kitas und Schulen könne man öffnen. Die beiden ärztlichen Notfallzentren im Ostalbkreis sollen jetzt abgebaut und das Material eingelagert werden. "Bis auf weiteres", sagte Pavel. Sie waren für den Fall gedacht, dass es in den Kliniken keine freien Betten gegeben hätte. Glücklicherweise mussten sie nie genutzt werden. In den Kliniken Ostalb gab es zu jeder Zeit genügend freie Kapazitäten. Tatsächlich seien allerdings "eine große Zahl" an Mitarbeitern an den drei Klinikstandorten in Isolation gewesen.

Das Notfallzentrum in der Großsporthalle in Schwäbisch Gmünd soll bereits über Pfingsten abgebaut werden, das in der Aalener Ulrich-Pfeifle-Halle im Juni. Dann könnten die beiden Halle wieder normal genutzt werden. Wie es mit den Fieberambulanzen weitergehen soll, werde nächste Woche beraten, so Pavel.

Noch einen Wunsch äußerte der Landrat "von ganzem Herzen": Dass die Diskussionen um Klinikschließungen im Zuge dieser Krise endlich vorbei seien.

Aktuelle Corona-Zahlen für den Ostalbkreis

Das Robert Koch-Institut verzeichnet für den Ostalbkreis 2,2 Fälle in den letzten sieben Tagen pro 100 000 Einwohner. Bei spätestens 50 Fällen müsste der Landkreis Maßnahmen ergreifen. Insgesamt gibt es im Ostalbkreis laut Landratsamt 1552 bestätigte Fälle, wovon 1462 bereits wieder gesund sind. Aktive Fälle sind 53 erfasst. Am 27. April waren mit 665 die meisten Personen gleichzeitig krank, seitdem gehen die Zahlen beständig zurück. dat

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