Corona: Klinikchef Prof. Dr. Solzbach ist guter Dinge

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Prof. Dr. Ulrich Solzbach hofft, dass die neue Welle „nicht so brutal für das Gesundheitssystem“ ausfällt. Archivfoto: Lars Reckermann
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Entwarnung gibt er noch nicht. Warum der Vorstandsvorsitzende der Kliniken Ostalb trotzdem hoffnungsvoll in die Zukunft blickt.

Aalen

Omikron kommt. Das sei eine Tatsache, sagt Prof. Dr. Ulrich Solzbach, der Vorstandsvorsitzende der Kliniken Ostalb am Montag, nachdem die ersten Fälle der Virus-Variante im Ostalbkreis labortechnisch nachgewiesen wurden. Allzu große Sorgen macht er sich deswegen aber nicht. Noch einmal würden die Fallzahlen zwar steigen. „Daran gibt es nichts zu deuteln“, sagt Solzbach. Doch die neue Welle werde „nicht so brutal für das Gesundheitssystem“ ausfallen.

Noch vor einer Woche hätte er weniger optimistisch in die Zukunft geblickt. Doch die Entwicklung in anderen europäischen Ländern wie Dänemark, Frankreich, Großbritannien oder Spanien lasse Rückschlüsse darauf zu, wie sich das Infektionsgeschehen in Deutschland entwickle. Ganz genau könne die Zukunft niemand vorhersagen. Auch er habe keine Glaskugel. „Aber wir wissen“, sagt er, „auch wenn viele erkranken, werden weniger ins Krankenhaus eingewiesen.“ Zwar geht Solzbach davon aus, dass die Corona-Variante Omikron nicht so gefährlich sei wie frühere Varianten. Vor allem aber ist er aber überzeugt, dass die vielen Auffrischungsimpfungen in den vergangenen Wochen dazu beitragen werden, dass das Gesundheitssystem nicht überlastet werde. In der Regel seien Ältere eine Belastung für das Gesundheitssystem. „Und die haben sich ganz ordentlich impfen lassen“, lobt der Vorstandsvorsitzende der Kliniken Ostalb.

Bis März oder April könne er wohl noch keine Entwarnung geben. Doch anschließend, wahrscheinlich noch im Frühjahr, würden die Zahlen wieder sinken, sagt Solzbach. Er vermutet: „Vielleicht können wir im Mai wieder ohne Maske um den Maibaum tanzen.“ Im Moment würden wir wohl den Übergang hin zu einem sogenannten endemischen Zustand erleben. Endemisch, erläutert Solzbach, bedeutet, dass das Immunsystem eines jeden schon einmal mit dem Virus in Berührung gekommen ist. Das sorge für eine „breite Abwehrkraft in der Bevölkerung“.

Daraus wiederum leitet Solzbach ab, dass es künftig nur noch kleine Corona-Wellen im Herbst und Winter geben könnte. Vergleichbar mit Influenza-Wellen. „Damit können wir leben“, sagt er. Regelmäßige Auffrischungsimpfungen seien weiterhin nötig. Einmal im Jahr, schätzt er. „Daran werden wir uns schnell gewöhnt haben“, sagt Solzbach. Ein Leben mit Virus werde lebenswert sein. Im Moment sei auf den Intensivstationen der Kliniken eine „gewisse Entspannung“ eingetreten. Eine Entspannung, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch dringend nötig gehabt hätten. Solzbach zufolge werden im Moment fünf Corona-Patienten auf der Intensivstation behandelt. Dazu kämen zehn Erwachsene und zwei Kinder auf der Isolierstation. „Wir waren auch schon bei 60 oder 70“, sagt Solzbach.

Den Vorschlag, die Quarantänezeit zu verkürzen, um die kritische Infrastruktur in der erwarteten Omikron-Welle aufrecht zu erhalten, unterstützt Solzbach. Allerdings nur, wenn es um die Quarantäne von Kontaktpersonen geht. Bei der Isolation von Erkrankten rät er zur Vorsicht.

Für den Fall der Fälle habe man sich bei den Kliniken Ostalb vorbereitet. Dann sei eine „Umschichtung“ der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geplant. Personal aus dem OP und der Notaufnahme könne dann auf der Intensivstation arbeiten.

Solzbach lobt ausdrücklich den Zusammenhalt des Ostalb-Klinikums, des Staufer-Klinikums und der St.-Anna-Virn-grundklinik, aber auch die Zusammenarbeit mit dem Fachkrankenhaus Neresheim, das nicht zum Verbund der Kliniken-Ostalb gehört. Solzbach zufolge sind kürzlich vier Patienten, die nicht wegen einer Corona-Infektion, sondern aus anderen Gründen, beatmet werden müssen, nach Neresheim verlegt worden, um die Intensivstationen der Kliniken-Ostalb zu entlasten.

Viele Menschen warten vor dem Aalener Rathaus, um sich gegen Corona impfen zu lassen. Unter anderem weil die Auffrischungsimpfungen zuletzt so gut vorangekommen seien, blickt Klinikchef Prof. Solzbach hoffnungsvoll in die Zukunft. Archivfoto: Jürgen Esch
Prof. Ulrich Solzbach, Vorstandsvorsitzender Kliniken im Ostalb im TV-Interview.
Solzbach

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