Corona-Rekordwerte: Landrat Bläse schlägt Alarm und erwägt verschärfte Maßnahmen

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Die Coronazahlen im Ostalbkreis explodieren.

Schon jetzt schließen die Kliniken Ostalb für Besucher und fahren planbare Operationen drastisch zurück.

Aalen. Nach den Landkreisen Biberach und Schwarzwald-Baar hat der Ostalbkreis die höchsten Infektionszahlen im Land. „Ein trauriger Rekord, der dazu führen kann, dass über die bislang landesweit geltenden Maßnahmen der Alarmstufe hinaus bei uns zusätzliche Beschränkungen kommen, sollte sich die Infektionslage im Kreis nicht abschwächen“, so Landrat Dr. Joachim Bläse.

Oberstes Gebot sei es jetzt, für geschützte, möglichst sichere soziale Kontakte zu sorgen. "Dazu gehört, dass sich Ungeimpfte, die sich und andere überproportional gefährden, an die Kontaktbeschränkungen halten, dass sich Geimpfte vor Kontakten vorsorglich zusätzlich noch testen und dass bei allen Kontakten - sowohl im Außen-, ganz besonders aber im Innenbereich - Maske getragen wird!“

Kliniken Ostalb schließen für Besucher und fahren planbare Operation drastisch zurück

Sieben COVID-Intensivpatienten, teils beatmet, 50 COVID-Patienten auf der Isolierstation und 15 weitere Patienten, die mit Infizierten Kontakt hatten und deshalb ebenfalls isoliert werden müssen, sind derzeit in den drei Krankenhäusern. Der Landkreis reagiert auf die aktuelle Entwicklung bereits ab Montag, 22. November, und erlässt Zugangsbeschränkungen an den Kliniken in Aalen, Ellwangen und Schwäbisch Gmünd.

Aufgrund der extrem hohen und immer noch steigenden Coronazahlen wird die Besucherregelung weiter verschärft und der Zugang in die Häuser auf wenige Ausnahmen reduziert. Diese Regelung findet aktuell in fast allen Krankenhäusern in Baden-Württemberg so statt und hilft entscheidend, die Virus-Verbreitung zu reduzieren.

Klinikpersonal trotz Impfung gefährdet

„Wir müssen alle möglichen Maßnahmen ausschöpfen, um unsere Beschäftigte in allen Bereichen zu schützen und zu entlasten“, betont Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Ulrich Solzbach. Auch die Klinik-Mitarbeiter sind trotz Impfung nicht vollkommen vor Infektionen und Impfdurchbrüchen geschützt und laufen täglich Gefahr, sich im Patientenkontakt mit dem Coronavirus zu infizieren. Diese krankheitsbedingten Personalausfälle sind in Zeiten des schon bestehenden Fachkräftemangels kaum noch auszugleichen.

Um ausreichend Kapazitäten für Notfälle und Coronapatienten bereit zu halten, sind auch die Kliniken Ostalb in dieser vierten Coronawelle erneut gezwungen, planbare Eingriffe und Operationen zu verschieben. Notfälle werden selbstverständlich weiterhin versorgt. Die zentralen Notaufnahmen der Kliniken Ostalb stehen hierfür weiterhin rund um die Uhr zur Verfügung.

Notaufnahmen nur in dringenden Ausnahmefällen aufsuchen

Landrat Dr. Bläse und Prof. Dr. Solzbach appellieren aber an alle Bürgerinnen und Bürger, die Notaufnahmen auch wirklich nur in dringenden medizinischen Notfällen aufzusuchen und die knappen Kapazitäten nicht unnötig zu blockieren. Gleichzeitig hoffen sie auf das Verständnis der Bürgerschaft: „Diese Notmaßnahmen mussten wir leider schon in der zweiten und dritten Coronawelle einsetzen. So schwer uns diese Entscheidung auch aktuell wieder fällt, es gibt hierzu keine Alternative, denn wir müssen uns auf die Notfälle und Coronapatienten konzentrieren, damit die dringendsten Fälle weiterhin im Ostalbkreis adäquat versorgt werden können.“

Besuche sind nur noch in Absprache mit den Stationen in einigen wenigen Ausnahmen, wie etwa bei schwerstkranken oder sterbenden Patienten, Entbindungen oder bei Kindern, möglich - und dies auch unabhängig vom 3G-Status nur mit tagesaktuellem negativen Antigen-Test. Innerhalb des gesamten Klinikgeländes gilt FFP2-Maskenpflicht.

Auch die klinischen Ambulanzen – mit Ausnahme der onkologischen Tageskliniken und der Notfallambulanzen –schließen. Damit sind ambulante Termine in den Kliniken Ostalb bis auf Weiteres nicht mehr möglich.

Ostalbkreis forciert Impfen - Impfstützpunkte kommen zur Unterstützung der niedergelassenen Ärzte

„Das beste Mittel gegen das Coronavirus ist und bleibt die Impfung“, machen Bläse und Solzbach deutlich. Um einerseits die Impfquote der Ostalb-Bevölkerung weiter zu steigern und andererseits auch die inzwischen für alle ab 18 Jahren von der STIKO empfohlene Auffrischungsimpfung möglich zu machen, setzt der Landrat auf weitere Mobile Impfteams und Dauerangebote in den Kreisstädten.

Vom Sozialministerium zugesagt ist bereits die Kostenübernahme für drei Impfteams, die der Landkreis selbst organisiert. Zwei weitere Impfteams wollen Bläse und Ordnungsdezernent Thomas Wagenblast zusätzlich anfordern. „Damit können wir dauerhaft Impfstützpunkte in Aalen und Schwäbisch Gmünd einrichten und gleichzeitig dezentral die Bedarfe in den Städten und Gemeinden des Kreises bedienen“, kündigt der Landrat an. Die ersten Einsätze haben bereits in Aalen, Abtsgmünd und Unterschneidheim stattgefunden.

Voraussichtlich schon in der kommenden Woche wird im Kundeninformationszentrum der Stadtwerke Aalen neben dem Rathaus ein erster Impfstützpunkt installiert, in dem dann Kreis-Impfteams mehrere Tage pro Woche im Wechsel mit einem Stützpunkt in der Schwerzerhalle Schwäbisch Gmünd impfen werden. „Ganz herzlichen Dank an Oberbürgermeister Frederick Brütting, der kurzfristig den kleinen Sitzungssaal des Rathauses zur Verfügung gestellt und bei der Suche nach einem Stützpunkt unbürokratisch ausgeholfen hat. Auch Oberbürgermeister Richard Arnold stellt in Schwäbisch Gmünd die Schwerzerhalle für unsere Impfteams zur Verfügung. Dafür ein großes Danke!“, so der Landrat.

In enger Abstimmung steht Bläse auch mit den Ärzteschaften. „Dort impfen nicht nur Haus-, sondern auch Fachärzte. Und ich bin froh darüber, dass einzelne Ärzte neben ihrem Praxisbetrieb zusätzliche Pop-up-Impfaktionen durchführen., wie etwa. Dr. Winker in Schwäbisch Gmünd, Dr. Kieninger in Aalen oder Dr. Hauf in Ellwangen.“

Vulnerable Gruppen müssen dringend geboostert werden - Heimaufsicht kontrolliert

Unabhängig von der aktualisierten STIKO-Empfehlung für Booster-Impfungen für alle Erwachsene ist dem Kreischef der Schutz vulnerabler Bevölkerungsgruppen ein besonderes Anliegen. Denn bei den bereits zu Jahresbeginn geimpften über 70- und 80-Jährigen muss der Impfschutz dringend aufgefrischt werden. Nach Booster-Impfungen in den Altenpflegeheimen, die schon im September vom Landratsamt organisiert wurden, hat die Heimaufsicht des Kreises den Booster-Impfstatus der Bewohner von den Pflegeeinrichtungen aktuell abgefragt, zum vermehrten Testen aufgefordert und wird jetzt verstärkt anlassbezogen die Hygienestandards hinsichtlich Corona kontrollieren.

Positive Rückmeldungen gibt es zudem aus den Unternehmen der Region. Dort werden bereits wieder Impftermine für Beschäftigte vorbereitet. Eine wichtige Unterstützung des niedergelassenen Bereichs und der Impfteams, so Bläse.

Kapazitäten im Landratsamt hochgefahren

In den vergangenen zwei Wochen sind die Infektionszahlen explodiert. Zur Befunderfassung und Endbearbeitung vor Weitergabe der Daten an die Kommunen sowie für die Hotline hat das Landratsamt inzwischen 98 Arbeitsplätze eingerichtet. Allein bei der Hotline wurde das Personal verdoppelt. Aktiv eingebunden wurde auch ein Großteil der Auszubildenden, die gerade in der Praxisphase im Landratsamt sind, um die Flut an Fallzahlen zu bewältigen.

„Es ist ein Kraftakt, alles tagesaktuell aufzuarbeiten und Ausbrüche in Heimen, Schulen und Kitas zu bewältigen“, erklärt Bläse. „Deshalb bitte ich Sie dringend: Unterstützen Sie unsere gemeinsamen Bemühungen, die Rekordwelle zu brechen und weitere Beschränkungen des täglichen Lebens zu vermeiden, indem Sie Ihre Kontakte reduzieren und durch freiwillige Tests sicherer machen. Halten Sie sich an die AHA-Vorschriften und ein besonderer Appell geht an die immer noch Umgeimpften: Holen Sie sich Ihren Impfschutz!“

Eine Übersicht über die 52 Pop-up-Impfangebote im Ostalbkreis finden Sie hier.

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