Corona-Warnstufe durchkreuzt die Pläne der Narrenvereine im Ostalbkreis

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Wie gehen Faschingsvereine im Ostalbkreis mit der Warnstufe um?
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Kurz vor Beginn der Faschingssaison ist in Baden-Württemberg die Warnsstufe in Kraft getreten. Narrenvereine im Ostalbkreis erzählen, wie sie damit umgehen.

Aalen. Der 11. November naht, die Faschingssaison steht vor der Tür – doch die aktuell in Baden-Württemberg geltende Warnstufe hat die Pläne vieler Faschingsvereine durchkreuzt. Schon im vergangenen Jahr mussten sie wegen des Lockdowns auf Präsenzveranstaltungen verzichten. Wie gehen Narrenzünfte im Ostalbkreis mit der Situation um?

Narrenzunft Oberkochen: "Am 11.November hat die Oberkochener Narrenzunft noch nie was gemacht", sagt Sprecher Holm Roscher. Den Ordensabend, der intern stattfindet, wird es aber dennoch geben – unter Einhaltung der 2G-Regeln.

Danach werde es spannend, so Roscher. "Wir müssen für Kinder und Jugendliche Verantwortung übernehmen." Die sozialen Kontakte unter Kinder und Jugendlichen seien während der Pandemie "flöten gegangen". Doch als Verein müsse man Werte vermitteln, weil das Geminschaftsgefühl fehle, sagt Roscher.

Fachsenfelder Schlosshexen: Eigentlich war bei den Fachsenfelder Schlosshexen eine Veranstaltung geplant, bei der das 2G-Modell greift, so Bernd Märkle, Präsident der Schlosshexen. "Aber da gingen wir auch noch von der Basisstufe aus." Innerhalb der Warnstufe sehen die Vorschriften anders aus. Während der ganzen Veranstaltung müssten Teilnehmer eine Maske tragen. "Ich habe auch mit der Ortspolizeibehörde geredet", berichtet Märkle, "auch Auftritte ohne Maske sind unmöglich, wenn es keine Ausnahmegenehmigung des Gesundheitsamts gibt."

Bedeutet: Bei einer Veranstaltung in der Warnstufe können Gäste nur die Maske abnehmen, wenn sie etwas essen oder trinken. Grundsätzlich wäre übrigens eine Veranstaltung ohne Maskenpflicht auch in der Warnstufe möglich – in der Theorie. "Wir bräuchten eine Riesenfläche, damit der Mindestabstand eingehalten werden kann", erläutert der Sprecher. Zwar halte sich der finanzielle Verlust durch die kurzfristige Absage in Grenzen. "Uns geht es um die Veranstaltungen", sagt Märkle, "es macht uns traurig, dass wir nicht zusammen feiern können".

Hoffnung gibt es für die Veranstaltungen im kommenden Jahr. Am 8. Januar findet etwa das Maskenabstauben der Schlosshexen statt. "Wir fahren auf Sicht, noch ist die Veranstaltung geplant, aber auch die kann wahrscheinlich nur in der Basisstufe durchgeführt werden." Im vergangenen Jahr fand das traditionelle Maskenabstauben virtuell statt. Für den Ernstfall plane auch man im kommenden Jahr, eine Alternative zur Präsenzveranstaltung zu schaffen. Sonst sei es schwierig für den Verein, zusammenzuhalten – mit knapp zwei Jahren ohne Veranstaltungen.

Gmender Fasnet, Präsident Eberhard Kucher: Die Gmender Fasnet hat sich ihre Entscheidung nicht leicht gemacht, wie Präsident Eberhard Kucher sagt. Nach einer großen Diskussion stehe nun aber fest: Auch die Auftaktveranstaltung des Gmünder Vereins im Prediger findet in diesem Jahr nicht statt. "Bei uns sind Kinder ab fünf Jahren dabei, das können wir nicht verantworten", so Kucher. Auch, wenn die Veranstaltung ebenfalls unter der 2G-Regelung stattgefunden hätte. "Für mich wäre es das Schlimmste, wenn sich dort Leute infizieren." Die Gesundheit von Mitgliedern und Zuschauern gehe vor.

Dementsprechend sei die Stimmung zwar nicht so gut, wie in den Jahren vor Corona. Ein Mitgliederschwund sei allerdings nicht zu beklagen. Das liege etwa daran, dass der Verein dennoch nicht stillsteht. "Unser Trainerteam macht viel online, hat auch in kleinen Gruppen im Freien trainiert", berichtet der Präsident der Gmender Fasnet. Das sei sehr gut angekommen. Die Enttäuschung ist dennoch da: "Wir haben gehofft, dass es jetzt besser wird und hoffen weiter, dass sich die Lage im neuen Jahr beruhigt."

Haugga-Narra Essingen: Die Haugga-Narra feiern den 11. November im sehr kleinen Kreis, wie Präsident Holger Franke erzählt: "Das sind dann eher Privatveranstaltungen in den Abteilungen, bei denen die 2G-Regel gilt und auch keine Externen kommen." Beim jüngsten Vorstandstreffen habe man sich aber Gedanken um zukünftige Veranstaltungen gemacht – und beschlossen, diese innerhalb der 2G-Regel abzuhalten. "Wir arbeiten nun in Kleingruppen konkrete Konzepte aus", fügt Franke hinzu.

Man wolle alle geplanten Veranstaltungen, angepasst an die jeweiligen Hygienebestimmungen, durchführen. Denn, so der Präsident der Haugga-Narra: "Nichts machen ist einfacher, als die Maßnahmen umzusetzen."

Das bedeute aber nicht, dass der Verein die aktuelle Situation nicht ernstnimmt. "Wir halten uns an die Vorschriften des RKI", so Franke. Zusätzlich habe man sich eine CO2-Ampel angeschafft, die während der Übungen der Narren anzeigt, wann Zeit zum Lüften ist. Welche Regeln bei kommenden Veranstaltungen gelten, werde zu gegebenem Zeitpunkt kommuniziert.

Ruhazu Kerkingen: "Momentan planen wir so, wie wenn es Corona nicht geben würde", sagt RuHaZu-Präsident Bernhardt Müller. Man plane so, dass Veranstaltungen abgesagt werden können, ohne dass hohe Kosten auf den Verein zukommen. Für das kommende Jahr wünsche man sich, dass sich das Blatt wendet – und die Veranstaltungen im gewohnten Rahmen stattfinden könne, ohne dass etwas abgesagt werden muss.

Narrenzunft Neresheim: Der Narrenzunft Neresheim dürfte es wohl besonders schwergefallen sein, die kommende Veranstaltung abzusagen. Sie feiert in diesem Jahr ihr 60. Jubiläum. „Mit schwerem Herzen und mit Vernunft und Verantwortung haben wir uns entschlossen, die geplanten Jubiläumsfeierlichkeiten am Samstag auf 2022 zu verschieben“, sagt Präsidentin Dagmar Schwenk. Sobald wie möglich soll die Feier nachgeholt werden. Und: „Weiterhin sehen wir mit großer Hoffnung und Zuversicht auf die kommende Saison."

Fasnachts-Club Virngrundkrähen: Einen anderen Weg geht der FCV – die geplante Veranstaltung findet statt. "Am kommenden Donnerstag, 11. November um 11:11 Uhr, werden die Ellwanger Fastnachtszünfte und Vereine zum Auftakt der anstehenden Kampagne ihre Narrenfahnen hissen", heißt es in einer Pressemeldung des Vereins. Die Veranstaltung findet unter der derzeit gültigen Coronaverordnung des Landes statt, zudem gibt es keinen Ausschank.

Leinzeller Murra:"Die Garden tanzen und trainieren", sagt Sprecherin Heike Hilbig. Im vergangenen Jahr hat sie das Leinzeller Rathaus coronabedingt alleine gestürmt – und hofft, dass ein Alleingan in diesem Jahr nicht wieder nötig sein wird. "Es ist alles in trockenen Tüchern", sagt sie hinsichtlich der geplanten Veranstaltungen der Leinzeller Murra. Zur Not halte man die Veranstaltungen im Freien ab.

Neulermer Narren: "Wir planen jede bis jetzt jede Veranstaltung", sagt Vorsitzender Klaus Vaas. Doch je nachdem, welche Coronavorschrift dann gilt, passe man den Rahmen an. Die Faschingsauftaktveranstaltung habe man demnach etwa abgesagt. "Das macht mit der Maskenpflicht keinen Sinn", so Vaas.

Bei der anstehenden Veranstaltung hätte etwa, schon vor der Warnstufe, die 2G-Regelung gegolten. "Alles andere kann man nicht mit dem Gewissen vereinbaren", sagt Vaas. Vor allem auf einer Veranstaltung, auf der viel getrunken werde. Narrenfreunde werde man zu gegebenem Zeitpunkt darüber informieren, inwieweit Veranstaltungen stattfinden können.

Waldstetter Waschgölten: Auch bei den Waldstetter Waschgölten laufe die Planung normal weiter, wie Martin Ehmann erzählt: "Wir reagieren situationsbedingt." So gebe es eine klein gehaltene Veranstaltung, bei der die 2G-Regel gilt. "Absagen kann man ja immer", so Ehmann. Was Januar oder Februar anstehe, wisse man nicht. Man müsse die aktuellen Regelungen abwarten.

Lorcher Fasnetgesellschaft: "Ich habe, ehrlich gesagt, keine Ahnung, wie es weitergeht", sagt Sprecher Frieder Rohm. Man tendiere zu Veranstaltungen im Freien. Die neue Warnstufe habe aber die ursprüngliche Planung durchkreuzt. "Ein Umzug oder ein Ball werden aber sehr schwierig", so Rohm. Allerdings gebe es digitale Alternativen, wie auch im vergangenen Jahr.

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