Coronakrise im Ostalbkreis: Fragen an die Kreisverwaltung

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Coronafälle auf den Klinken Ostalb
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Wie ist die Lage an den Kliniken, wie lange dauert es mit dem „Boostern“, wann gibt es wieder BioNtech und stemmen wir das alles überhaupt?

Aalen. Corona hält den Ostalbkreis im Schwitzkasten. Wir haben der Kreisverwaltung Fragen gestellt..

Der Landkreis zählt 315.000 Einwohner. Landrat Dr. Bläse sagte im Kreistag, es sei nun möglich, rund 40.000 Menschen im Monat zu impfen. Heißt das, es dauert nun mindestens fünf Monate, bis beispielsweise 200.000 Menschen geimpft werden können?

Der Ostalbkreis habe sehr schnell gemeinsam mit vielen Akteuren eine Impf-Infrastruktur aufgebaut, die es ermöglicht zwischen 1.050 und 1.400 Impfungen am Tag, also 31.500 bis 42.000 Impfungen im Monat, durchzuführen, sagt die Kreispressesprecherin Susanne Dietterle. Dies sei mehr, als im Kreisimpfzentrum im impfstärksten Monat, dem Mai 2021, mit über 27.000 Impfungen, verimpft wurde. Vier Impfstützpunkten und weitere mobile Impfteams plus die niedergelassenen Ärzte, dies bringe insgesamt eine viel höhere Kapazität als zuvor.


Wie lange dauert es, bis alle, die es wollen im Ostalbkreis, vollständig geimpft sind?

Laut den Zahlen des Landes - Stand 28.11.21 - fehlen, so Dietterle, für eine Erstimmunisierung von 80 Prozent der Gesamtbevölkerung im Ostalbkreis noch gut 40.000 Impfungen. „Wie hoch die Impfbereitschaft in diesem Personenkreis ausgeprägt ist, wissen wir nicht“, sagt sie. Wichtig zu wissen sei aber, dass anhand der Impfkapazitäten nicht ohne weiteres auf die Zahl der Geimpften pro Monat geschlossen werden könne. Denn wenn bspw. eine Person Anfang Dezember eine Erstimpfung mit BioNTech erhält, erhält sie drei Wochen später eine Zweitimpfung. Eine Person erhält in dem Fall zwei Impfungen.


Es wird ja nicht nur geboostert, es kommen zum Glück auch viele Erstimpfungen dazu...

„Seit einigen Wochen merken wir, dass die Zahl der Erstimpfungen die Zahl der Zweitimpfungen überholt, es gibt also einen Trend zu vermehrten Erstimpfungen“, meint Dietterle. Dezernent Thomas Wagenblast berichtet von einer Impfquote - bezogen auf die Gesamtbevölkerung im Kreis - von 67,2 Prozent bei den Erst- und 64,2 Prozent bei den Zweitimpfungen. Damit sei die Impfquote binnen einer Woche um 0,9 bzw. 0,6 Prozent gestiegen.

Kommen wir ohne das Wiederhochfahren von Corona-Kliniken und Fieberambulanzen aus?

„Ja“, sagt Dietterle. In den Kliniken sind etwa 50 Prozent der stationären Fälle Notfälle und 50 Prozent geplante Fälle. Durch die Verschiebung aller planbaren Eingriffe und OPs würden Kapazitäten für Notfälle und Coronapatienten geschaffen. Zusätzlich wurden die klinischen Ambulanzen geschlossen. So kämen auch von dieser Seite weniger Patienten ins Krankenhaus. Problematisch sei weniger die räumliche Unterbringung von Coronapatienten auf Isolierstationen - hierfür waren die Behelfsklinken in den Hallen gedacht. Vielmehr sei die Personalsituation ausschlaggebend. Die Kliniken Ostalb arbeiteten bereits an einem Konzept zur bedarfsgerechten Umschichtung von Personal innerhalb der Klinik und an der Gewinnung von Personal.


Und die Intensivstationen?

Da die Zahl der Coronapatienten auf der Intensivstation vermutlich mit zwei bis drei Wochen Nachlauf zu den hohen Inzidenzen weiter steigen werde, könnten im Umkehrschluss zusätzlich zu den Coronapatienten in wenigen Tagen wohl nur noch akute Notfälle wie Herzinfarkt oder Schlaganfall behandelt werden, sagt Dietterle. Schwierig werde es dann etwa für Krebspatienten, deren OPs aufgeschoben werden müssten.


Wie stellt das Gesundheitsamt sicher, dass vulnerable Gruppen zu ihrem Booster-Stich kommen?

Im Rahmen des Impfkonzepts hätten MITs bereits im September in Pflegeheimen Booster-Impfungen erledigt. „Auch aktuell haben wir im Rahmen von Heimkontrollen erneut den Impfbedarf abgefragt und impfen mit MIT“, sagt Dietterle. Mobilen Senioren empfiehlt sie das Impfangebot der niedergelassenen Ärzte, der Impfstützpunkte und die Po-up-Impfungen in Kommunen. Momentan gebe es dort in Gmünd freie Impftermine, wo ab dem Wochenende im CongressCentrum die Kapazitäten hochgefahren wurden.


Schlangen, vor Impfstationen. Warum gibt es nicht flächendeckend eine Terminvergabe?

„Wir haben in Aalen festgestellt, dass sich durch das tägliche Angebot der Andrang nivelliert hat“, meint Dietterle. Auch organisatorische Maßnahmen hätten gewirkt. „Es hat sich gezeigt, dass bei einer generellen Terminvergabe nicht alle Teile der Bevölkerung erreicht werden, die wir niederschwellig fürs Impfen gewinnen wollen“, sagt sie zur Terminvergabe.


Hätte der Landkreis nicht längst mit einer größeren Booster-Aktion beginnen können – statt auf Land und Bund zu warten?

„Das wäre nicht ohne Weiteres möglich gewesen, da der Bund den Impfstoff beschafft und diesen über die Länder zur Verfügung stellt“, sagt Dietterle.

Verfügt der Landkreis über ausreichend Impfstoff für alle?

„Nach jetzigem Stand sind die Impfstoffmengen, die wir wöchentlich bestellen können, ausreichend. Auch haben wir Personal zur Unterstützung des Impfstoffmanagements des Landes zur Verfügung gestellt“, informiert die Kreispressesprecherin Susanne Dietterle.


Viele wollen sich mit BioNTech boostern. Wann gibt es das wieder und was sagen Sie denen, die nun Moderna nehmen „müssen“?
Landrat Dr. Joachim Bläse sagt hierzu: „Es gibt BioNTech im Kreis, allerdings vorerst nicht mehr in beliebiger Menge. Moderna ist ein Impfstoff, der auf der gleichen Technologie beruht und er ist genauso gut und wirksam. Ich selbst lasse mich in Kürze auch mit Moderna boostern. BioNTech überlasse ich angesichts des kurzfristigen Engpasses den unter 30-Jährigen, da diese nur mit BioNTech geimpft werden sollen.“


Wir haben aktuell höhere Inzidenzen denn je. Vor Zeiten waren Kontaktverfolgung und der Einsatz von viel Personal dafür selbstverständlich. Wie sollen die 90 Beschäftigten, die der Kreis dafür abgestellt hat, das stemmen?

Die Kontaktpersonennachverfolgung wurde vom Land eingestellt, erinnert Dietterle. „Mit den rund 90 Beschäftigten können wir aber derzeit die Bearbeitung von täglich mehreren Hundert Infektionsfällen stemmen, das heißt, Befunderfassung, Weiterleitung an das Landesgesundheitsamt und an die Kommunen, Betreuung von Ausbrüchen in Heimen, Schulen, Kitas“, sagt sie weiter. Seit diesen Donnerstag seien zudem erneut Kräfte der Bundeswehr im Kreis. Fünf Soldaten seien über einen Hilfeleistungsantrag des Kreisverbindungskommandos der Bundeswehr angefordert. „Soldaten der Deutsch-Französischen Brigade Jägerbataillon 291 leisten logistische Unterstützung für die Impfstützpunkte und Impfteams“, informiert die Kreissprecherin.

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Impfen gegen Corona. Vielleicht demnächst auch direkt in der Schule.
Anstehen bei Wind, Regen und Schnee für den schützenden Piks - der Impfstützpunkt im Stadtwerke-Kundencenters in Aalen.
Prof. Dr. Ulrich Solzbach.

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