Damit punktet die Gsälzkönigin

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Die amtierende Gsälzkönigin Anita Bees aus Hüttlingen.
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Die 44-jährige Anita Bees aus Hüttlingen hat schon zum dritten Mal den Gmünder Gsälz-Wettbewerb gewonnen. In ihrer Sieger-Marmelade stecken Himbeeren und weiße Johannisbeeren.

Hüttlingen/ Schwäbisch Gmünd

Mit einer Marmelade aus Himbeeren und weißen Johannisbeeren hat sich Anita Bees aus Hüttlingen dieses Jahr wieder - und zum dritten Mal - den Titel geholt: Sie ist die amtierende Gsälzkönigin - frisch gekürt beim Schwäbisch Gmünder Herbstmarkt „Garten, Gold und Gsälz“. Was das Besondere an ihrer Marmelade ist? Wir haben nachgefragt.

Glückwunsch zum Titel. Verraten Sie uns Ihr Rezept für die Himbeer-Johannisbeer-Marmelade, mit der Sie den Gsälz-Wettbewerb 2022 gewonnen haben?

Anita Bees: Natürlich nicht. Das kann ich auch gar nicht, denn ich halte mich beim Gsälzmachen an kein aufgeschriebenes Rezept. Ich probiere die frischen Beeren, entscheide dann, wie viel Gelierzucker ich verwende, koche sie ein und probiere immer wieder. Da die Beeren an sich jedes Jahr ein bisschen anders schmecken, kann ich im Vorfeld nie genau sagen, wie viel ich von welcher Zutat nehme. Das ergibt sich im Verlauf des Einkochens.

Was ist drin in Ihrer Sieger-Marmelade?

Dafür habe ich Himbeeren und weiße Johannisbeeren aus dem eigenen Garten verwendet. Garantiert unbehandelt. Kein Zitronensaft, keine anderen Zusatzstoffe. Dazu kommt Gelierzucker 2:1. Bei der Menge halte ich mich grob an die Angaben auf der Packung. Das Mischungsverhältnis von Himbeeren und Johannisbeeren bestimme ich je nach Geschmack der Beeren. Die weißen Johannisbeeren sind etwas Besonderes, sie verleihen der Marmelade einen wunderschönen Glanz. Die lacht einem richtig ins Gesicht.

Was hat Ihrer Meinung nach die Jury von Ihrer Kreation überzeugt?

Die Marmelade muss fruchtig schmecken und darf nicht zu süß werden. Viele gekaufte Produkte sind restlos überzuckert. Dann spielt die Konsistenz eine wichtige Rolle. Sie darf nicht zu flüssig, aber auch nicht zu fest sein. Ich stelle nur kernlose Marmeladen ohne Stückchen und ohne Fruchtschale her. Das siebe ich alles raus. Dadurch schmecken sie besonders fein.

Woher beziehen Sie Ihre Beeren?

Das meiste habe ich im Garten. Stachelbeeren, Himbeeren, Erdbeeren, verschiedene Sorten Johannisbeeren. Ich verarbeite nur heimisches Obst. Bei mir wird es keine Marmelade mit Mango oder Banane geben. Wenn mir Freunde oder Bekannte Beeren schenken, die sie selbst nicht verarbeiten wollen, sage ich nicht Nein. Aber ich kaufe nichts zu.

Wird das mit der Zeit nicht langweilig?

Nein. Ganz und gar nicht. Ich koche und backe unheimlich gerne und stehe täglich viel in meiner Küche. Meine Kinder und Freunde freuen sich immer, wenn ich frische Marmelade einkoche. Dadurch, dass ich die Mischungsverhältnisse immer dem Geschmack der Beeren anpasse, schmeckt auch das Ergebnis jedes Jahr anders. Ich koche nur gemischte Sorten. Die Himbeere ist dabei eigentlich immer vertreten, weil sie mir besonders gut schmeckt.

Wie kamen Sie dazu, selbst Marmelade einzukochen?

Das ist jetzt etwa 15 Jahre her. Als meine beiden Kinder noch klein waren und die zuckersüßen Brotaufstriche aus dem Laden ablehnten, habe ich nach einer Alternative gesucht. Meine eigenen Marmeladen haben sie mit großer Freude gegessen - und tun es heute noch. Wir essen sie als Brotaufstrich auf selbst gebackenem Hefezopf, verfeinern Naturjoghurt oder Müsli damit. Ich esse jeden Abend einen Gewürzquark mit Marmelade. Das schmeckt herrlich. Die Plätzchen an Weihnachten verfeinere ich auch mit der eigenen Marmelade. Das schmeckt ganz anders als gekaufte Produkte.

Welche Ausrüstung ist nötig?

Sie brauchen jede Menge Schüsseln, Töpfe, Rührlöffel und Drahtsiebe mit verschiedenen Stärken. Zuerst werden die Beeren püriert. Dann streiche ich die Masse so lange durch ein Sieb, bis alle Kerne und Häute draußen sind. Danach wird die Beerenmasse gekocht und mit Gelierzucker vermischt. Zum Schluss wird sie in Gläser mit Schraubverschluss abgefüllt.

Da steckt aber viel Arbeit dahinter.

Das stimmt. Die Stunden dürfen Sie nicht zählen. Aber ich mache das wirklich gerne und könnte ohne meinen Garten nicht sein. Trotzdem muss ich natürlich schauen, wie ich als berufstätige Mutter alles unterkriege.

Sie könnten ja das Gsälzkochen als Geschäftszweig aufbauen.

Nein. Das möchte ich nicht, weil dann aus Freude schnell Stress werden kann. Ich freue mich jedes Jahr auf leckere Marmeladen. Der Gsälz-Wettbewerb ist ein schöner Nebeneffekt und spornt mich immer wieder an.

Holunder-Zwetschgen-Marmelade

Anita Bees kreiert ihre Marmeladen nach Gefühl - ohne Rezept als Grundlage. Dafür gibt's von den Ostalb-Landfrauen ein Kochbuch mit dem Titel „Aufstriche, Brot & Dips“, erschienen im Einhorn-Verlag. Landfrau Magdalena Zekl aus Waldstetten empfiehlt darin Holunder Zwetschgen-Marmelade.

So geht's: Vollreife Holunderbeeren mit einer Gabel abzupfen, kurz aufkochen und durch ein Sieb passieren. Es müssen 500 Gramm Holunderbeerenmark herauskommen. Ein Kilo entsteinte Zwetschgen kurz ankochen, Holundermark unterrühren und mit einem Kilo Gelierzucker 2:1 mischen. Etwa fünf Gewürznelken in ein Tee-Ei geben und der Marmelade beifügen. Das Ganze sollte etwa sechs Minuten kochen, dann umrühren und durch eine Gelierprobe feststellen, ob die Marmelade fest wird. Die Gewürznelken entfernen und die Masse in Gläser mit Schraubverschluss abfüllen. Gläser stürzen und erkalten lassen.

Das Siegergsälz, weiße Johannisbeere mit Himbeere.
Nach 2015 und 2017 wurde Anita Bees 2022 Gsälzkönigin in Schwäbisch Gmünd.

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