Darum ist der Ostalbkreis beim Impfstoff im Nachteil

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Ist der Corona-Impfstoff in Baden-Württemberg gerecht verteilt? Ein genauer Blick auf die Strategie der Verteilung weckt Zweifel.

Aalen

Es klingt ja eigentlich ganz vernünftig. Die Bundesländer bekommen entsprechend ihrer Bevölkerungsgröße eine bestimmte Menge Corona-Impfstoff zugeteilt. Soweit so gut. Die Krux liegt darin, wie der Impfstoff dann in die Landkreise weitergeleitet wird.

Die Landesregierung informiert: "Alle verfügbaren Lieferungen gehen nach ihrem Bevölkerungsanteil an die Bundesländer. In Baden-Württemberg werden die zugeteilten Impfdosen dann gleichmäßig auf die Impfzentren verteilt."

Das entscheidende Detail liegt im zweiten Satz. Denn jedem Kreisimpfzentrum wird dieselbe Zahl an Impfdosen zugeteilt – unabhängig von der Einwohnerzahl im Kreis.

Schneller an Termine in Heidenheim und Rot am See?

Dies führt nun dazu, dass viele Leser davon berichten, dass sie beispielsweise in Heidenheim oder im Zentralen Impfzentrum in Rot am See angeblich schneller Termine erhielten, als im Ostalbkreis. Bei genauerer Betrachtung erscheint das plausibel. Der Ostalbkreis liegt in einer denkbar ungünstigen Lage.

Schauen wir uns an, wo das Zentrale Impfzentrum Rot am See genau liegt. Nur 20 bis 30 Autominuten davon entfernt gibt es die beiden Kreisimpfzentren Wolpertshausen für den Landkreis Schwäbisch Hall und Bad Mergentheim für den Main-Tauber-Kreis. Und ebenfalls nur 30 Kilometer von Wolpertshausen entfernt liegt das Kreisimpfzentrum Öhringen für den Hohenlohekreis.

Mehr Impfzentren, aber weniger Einwohner

Dann betrachten wir die Bevölkerungsgröße dieser Landkreise. Schwäbisch Hall mit rund 200 000 Einwohner, der Main-Tauber-Kreis mit rund 132 000 und der Hohenlohekreis mit 113 000 Einwohner kommen auf zusammen rund 445 000 Einwohner. Dafür stehen also insgesamt vier Impfzentren in relativer Nähe zur Verfügung, die alle mit der gleichen Menge Impfstoff versorgt werden.

Zum Vergleich: Der Ostalbkreis mit seinen knapp 315 000 Einwohnern hat lediglich nur ein Kreisimpfzentrum. Ebenso der Rems-Murr-Kreis mit knapp 430 000 Einwohner. Von den nächsten Zentralen Kreisimpfzentren Rot am See, Ulm und Stuttgart ist man vom Aalener KIZ jeweils etwa mindestens eine Autostunde entfernt.

Was bedeutet das in Zahlen? Der Ostalbkreis und der Rems-Murr-Kreis berichten auf Nachfrage übereinstimmend, bis jetzt zwei Mal eine Lieferung von 1170 Impfdosen – also insgesamt 2340 – erhalten zu haben. Auch die umliegenden Landkreise Göppingen und Heidenheim bestätigen diese Liefermenge.

Das bedeutet also: Für die 445 000 Einwohner und vier Impfzentren der Kreise Hall, Main-Tauber und Hohenlohe wurden offenbar mindestens 9360 Impfdosen geliefert. Eher mehr, da das ZIZ Rot am See bereits seit Ende Dezember in Betrieb ist. Eine entsprechende Nachfrage beim Landratsamt Schwäbisch Hall blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Doppelte Einwohnerzahl, nur die Hälfte an Impfstoff

Der Ostalbkreis und Rems-Murr-Kreis mit ihren 745 000 Einwohnern haben bislang zusammen 4680 Dosen erhalten.

Das bedeutet: Für die fast doppelte Zahl an Einwohnern steht lediglich die Hälfte der Impfdosen zur Verfügung. Auch Heidenheim steht im Vergleich besser da. Dort kommen auf rund 133 000 Einwohner ebenfalls 2340 Impfdosen. Zudem liegt das Zentrale Impfzentrum in Ulm, wo es außerdem zusätzlich noch ein Kreisimpfzentrum gibt, deutlich näher.

Ausweichen nach Bayern ist nicht möglich

Erschwerend kommt hinzu, dass Ostälbler an der bayerischen Grenze nicht einfach so aufs benachbarte Nördlinger Impfzentrum ausweichen können. Sie würden dort keinen Termin erhalten, berichtet die "Augsburger Allgemeine".

Eine Terminvergabe funktioniere bei der bayernweit beschafften Anmeldesoftware anhand der Postleitzahlen, sodass bei einem Wohnort außerhalb des Landkreises Donau-Ries kein Impfzentrum in diesem Landkreis zugewiesen werden könne, heißt es dort.

So steht's mit den Impfungen in den Landkreisen

2340 Impfdosen – soviel haben die Landkreise Rems-Murr, Ostalb, Heidenheim und Göppingen bis jetzt jeweils bekommen. Alle Landkreise bestätigen, dass sie in der kommenden Woche weitere 2340 Impfdosen erhalten sollen. Im Aalener Landratsamt plant man diese Menge so einzusetzen: 25 Prozent für Erstimpfungen, 75 Prozent sind reserviert für Zweitimpfungen.

Impfungen Der Ostalbkreis mit 3469 und der Rems-Murr-Kreis mit 3739 Impfungen sind relativ gleichauf. Göppingen zählt 2199 Impfungen. Keine Angaben dazu machten Heidenheim und Hall. Im bayerischen Ansbach (kreisfreie Stadt und Landkreis) mit 227.000 Einwohnern kommt man bereits auf 6754 Impfungen.

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