Das Aus auch für bestehende Schottergärten?

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Schottergärten wie diesen gibt es schon seit vielen Jahren. Sie werden als pflegeleicht eingeschätzt. Experten sehen das anders. Nun sollen sie verboten werden. Archivfoto: Oliver Giers

Schottergärten sollen verboten werden. Warum die Steingärten gar nicht so pflegeleicht sind und warum Schotter nicht gleich Schotter ist.

Schwäbisch Gmünd

Naturschützern sind sie seit Langem ein Dorn im Auge und als Versuch ästhetischer Gartengestaltung sind sie gescheitert: Schottergärten sollen nun endgültig verschwinden. Das sieht ein Gesetzentwurf der grün-schwarzen Landesregierung vor. Dabei geht es nicht nur um die triste Optik, sondern vor allem um Artenschutz und Artenvielfalt.

Sie sind in den vergangenen Jahren oft in Neubaugebieten in Mode gekommen, weil sie als pflegeleicht gelten. "Das Gegenteil ist der Fall", sagt der Chef des Garten- und Friedhofsamts der Stadt Schwäbisch Gmünd, Zeno Bouillon. Mit zunehmendem Alter seien solche Gärten immer aufwendiger zu pflegen. Zwischen den kantigen Steinen sammelten sich Samen an, durch Blätter entstehe Humus. Ein idealer Nährboden für unerwünschte Wildkräuter. Beim naturnahen Garten sei es genau umgekehrt, so Zeno Bouillon. Der verlange in den ersten Jahren nach mehr Pflege, mit zunehmendem Wuchs falle immer weniger Arbeit an. Gehölze wie Buchs, Stechpalme oder Rhododendron eigneten sich etwa für einen Vorgarten. Auch Stauden wie Königskerze oder Sonnenhut machten wenig Arbeit und verbreiteten sich im Lauf der Jahre. Nach seiner Beobachtung "gibt es solche Schottergärten derzeit noch in fast allen Stadtteilen".

Versuchsfläche in Ellwangen

Dass Schotter nicht gleich Schotter ist, das soll eine Versuchsfläche in Ellwangen zeigen. Im Sebastiansgraben versucht die Stadt, den Steinen ökologischen und ökonomischen Nutzen abzuringen. Und das geht so: Über einem mageren und keimfreien Boden wird eine mineralische Mulchung aufgetragen. Dort können etwa Stauden und Zwiebelgewächse gepflanzt werden. Wenn dann Salbei oder Astern wachsen, wenn weitere Stauden die Fläche für sich einnehmen, ist der Blick auf die Steinchen verwehrt. Die Stadtgärtnerei hofft, dass dieser Untergrund weniger Pflegeaufwand bereitet. Anders als in den sterilen Schottergärten wird dort keine Folie unter die Steine gelegt, die jegliches Wachstum verhindern soll. Stephan Brendle vom Amt für Stadtentwicklung hat an seinem früheren Wirkungsort Crailsheim solche Flächen schon erfolgreich umgesetzt.

Vielfach würden Schottergärten schlicht in Unkenntnis der Regelungen angelegt.

Ralf Heineken Sprecher Umweltministerium BW

"Wir haben bereits bisher großen Wert auf eine möglichst naturnahe und klimafreundliche Gestaltung der Außenanlagen gelegt", sagt Aalens Pressesprecherin Karin Haisch. Die Bebauungspläne seien schon seit langem darauf ausgerichtet, unnötige Versiegelungen zu vermeiden und möglichst sensibel mit dem Niederschlagswasser umzugehen. "Die Begrünung von Vorgärten ist ebenfalls in Bebauungsplänen der Stadt Aalen geregelt", sagt Haisch weiter. Allerdings werden Bauvorhaben auch außerhalb von Bebauungsplangebieten umgesetzt, dort gelten häufig keine oder ältere Festsetzungen. Daher begrüße die Stadt grundsätzlich die aktuell geplanten Regelungen im Naturschutzgesetz.

Schottergärten nicht zulässig

Was nun Besitzer von Schottergärten erwartet, darüber gibt es noch keine endgültigen Aussagen. "Es gibt eine klare bauordnungsrechtliche Regelung", sagt der Sprecher des baden-württembergischen Umweltministeriums, Ralf Heineken. Die seien in der Landesbauordnung im Naturschutzgesetz verankert. "Vielfach wurden Schottergärten schlicht in Unkenntnis der Regelungen angelegt, was aber nichts daran ändert, dass sie schon länger in aller Regel nicht zulässig sind", so Heineken. "Wo vor Ort festgestellt wird, dass die Schotterung keine zulässige Nutzung darstellt, muss im Zweifel auch ein Rückbau oder eine Umgestaltung erfolgen. Hier kommt es aber stets auf den Einzelfall an", sagt er weiter. Man setze dabei auf Kooperation und die Einsicht der Eigentümer sowie auf die Überzeugungskraft der Verwaltung vor Ort.

Die Artenvielfalt zu schützen und stärken sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und beginne im eigenen Garten oder Vorgarten, so Ralf Heineken weiter. Dazu müssten örtliche Bauvorschriften nicht geändert werden. Gültigkeit habe das für Gärten seit Mitte der 1990er-Jahre.

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