Das Einhorn und seine Botschaft im 21. Jahrhundert

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Vor der Installation "The Cross" (von links) Dr. Max Tillmann, Martina Tauber, Rolf Poellets (Künstler), Richard Arnold und Joachim Haller.

"The Last Unicorn – das Einhorn im Spiegel der Popkultur" im Museum Schwäbisch Gmünd. Die Ausstellung transportiert auch Lebensweisheiten.

Das Einhorn begegnet Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold 1982 auf besondere Weise: Er studiert am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston und erlebt dort die Filmpremiere "The Last Unicorn". "Alle waren begeistert und ich konnte ihnen sagen, das Einhorn kommt aus Schwäbisch Gmünd", erinnert er sich.

Jetzt hat das Einhorn in Gmünd einen besonders fulminanten Auftritt: An diesem Pfingstsonntag öffnet die Ausstellung "The Last Unicorn - das Einhorn im Spiegel der Popkultur" im Museum des Predigers. Geplant war das schon für den 22. März, Corona hat der Präsentation einen Strich durch die Rechnung gemacht. Mit Nachwirkungen: Auch die vielen Begleitveranstaltungen bleiben (vorerst) aus. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit Martina Tauber Fine Art, München.

Dafür erleben Besucher ein Prediger-Museum, das wie verzaubert aussieht. Wie in Farben des Regenbogens sind die Räume in rosa, gelb, grün und rot getaucht. Darin Kunstwerke aus vielen Epochen vom Mittelalter bis zur Moderne und in ganz unterschiedlichen Darstellungsformen.

Ein Blau wie kein anderes.

Es geht um viele gesellschaftliche Fragen.

Dr. Max Tillmann Museumsleiter

Das alles basiert erst einmal auf Peter S. Beagles 1968 erschienenen Kultroman "The Last Unicorn" und den Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1982, von Jules Bass und Arthur Rankin umgesetzt. In der Geschichte um das letzte Einhorn auf der Suche nach seinen Artgenossen geht es auch um Assoziationen zu Themen wie Gut und Böse, Freundschaft und Liebe, Einsamkeit und Tod.

"Und um viele gesellschaftliche Fragen wie zum Beispiel ‘Wer bin ich und ‘Wer darf ich sein?', verbunden mit der vielschichtigen Suche nach persönlicher Identität, nach Bewusstsein, Erinnerung und Geschichte im Leben und in der Entwicklung eines Menschen", sagt Museumsleiter Dr. Max Tillmann.

Anknüpfungspunkt ist die nahezu 750-jährigen Tradition des Einhorns als Schwäbisch Gmünder Wappentier, die in den historischen Beständen der Museumssammlung in Malerei, Grafik, Skulptur und Kunsthandwerk reich dokumentiert ist. Wer jetzt nach vielen Einhörnern sucht, ist fehl am Platz. Es geht um die hintergründigen, vielschichtigen Themen, die in Buch und Film Thema sind.

Das Einhorn kommt aus Schwäbisch Gmünd.

Richard Arnold Oberbürgermeister

Tillmann: "Der Bogen spannt sich von Albrecht Dürer über Emanuel Leutze, Max Ernst, Marc Chagall, Nan Goldin, Ed Ruscha und Meissen Atelier bis zu zeitgenössischen Werken internationaler Künstler, die den Surrealismus wie auch die psychedelische Farbigkeit und Ästhetik der 1980er Jahre ansprechen." Vertreten sind neben den klassischen künstlerischen Gattungen die Medien Film, Fotografie und Installation. Außergewöhnlich die mit Kugelschreibertinte gefärbten, als funktionale Präsentationsmöbel dienenden Holzskulpturen des US-amerikanischen Künstlers Rem Denizen, die, je nach Position des Betrachters, in ihrer Farbigkeit changieren. Farben die der Ausstellung ein Corporate Identity geben, das Blau findet sich in Broschüren, auf dem Katalog und in den Merchandise-Produkten zur Ausstellung. Bemerkenswert darüber hinaus Installationen von vier Künstlern, die den Bezug des Last Unicorn zur Gegenwart andeuten sollen. Dazu zählen Philipp Messners beklemmende wirkende Stahlträger, umgeben von einer apokalyptischen Formation, Martin Wöhrls emotional berührende "Tränen/Tropfen", Rolf Poellets Architekturfragment "The Cross" und schließlich die dreiteilige Spiegelarbeit "Prospect" von Weltbrandt. So entsteht am Ende der Ausstellung im räumlichen Gegenüber mit Ed Ruschas Textbild "The End #46" ein ausdrucksstarkes Schlussbild.

Katalog und Öffnungszeiten

Zur Ausstellung "The Last Unicorn - das Einhorn im Spiegel der Popkultur" liegt ein Katalog auf, der neben Raumaufnahmen drei Essays enthält und alle ausgestellten Werke abbildet (136 Seiten, 25 Euro).

Öffnungszeiten Die Ausstellung im Prediger am Johannisplatz dauert bis 10. Januar 2020. Dienstag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr, donnerstags bis 19 Uhr. Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr.

"Toro", ein aktuelles Werk von Martin Wöhrl.
Kunstwerk aus der Renaissance aus dem Museumsbestand.
Standartenaufsatz von Albert Holbein.

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