Das Kreisimpfzentrum bleibt länger

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Das Kreisimpfzentrum in Aalen bildet mit den Hausärzten die wichtigste Säule im Kampf gegen die Corona-Pandemie.
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Nach der Kritik an der Impfstoffverteilung kommt der Ostalbkreis mittlerweile besser weg und hat in einer Woche sogar die größte Menge im Land bekommen. Trotzdem läuft nicht alles rund.

Aalen

Es war die Aufregung zu Beginn der Impfkampagne im Kreisimpfzentrum: dass die Landkreise nicht entsprechend ihrer Bevölkerungszahl den Impfstoff erhielten. 1170 Impfdosen pro Woche für jedes Kreisimpfzentrum, lautete die Verteilstrategie des Landes. Was bedeutete: Einwohner in bevölkerungsstarken Landkreisen wie dem Ostalbkreis, waren kleineren Landkreisen im Nachteil. Diese Unwucht im System ist mittlerweile korrigiert, wie Ordnungsdezernent Thomas Wagenblast, von Landrat Dr. Joachim Bläse im Kreistag scherzhaft „Impfpapst des Ostalbkreises“ genannt, am Dienstag erklärte.

Mittlerweile erfolge die Verteilung nach Einwohnerzahl, Impfquote und vollständigem Verimpfen der gelieferten Dosen. Das bedeutet, je besser und exakter ein Impfzentrum arbeitet, desto mehr Impfstoff gibt es zusätzlich. Und die Teams im Landratsamt mit Wagenblast und dem Kreisimpfzentrum mit den beiden ärztlichen Leitern Peter Schmidt und Hariolf Zawadil arbeiten offenbar sehr gut zusammen.

Der Ostalbkreis bekam laut Wagenblast an drei Wochen hintereinander eine zusätzliche Lieferung mit jeweils 1170 Impfstoff von Biontech („Cominarty“). In der ersten Maiwoche kamen sogar - die Lieferung von 1170 Dosen an das Pilotprojekt mit Zeiss mit eingerechnet - 8190 Impfdosen von Biontech im Ostalbkreis an. Laut Wagenblast in dieser Woche die größte Menge im Land. Zum Vergleich: Nach Heidenheim gingen in dieser Woche weniger als halb so viel.

Entsprechend lobte Kreisrat Dr. Gunter Bühler (CDU) auch den Einsatz von Landrat Bläse für mehr Impfstoff. Gleichzeitig zeigte er sich mit Blick auf die ungleiche Impfquoten-Verteilung zwischen den Landkreisen unzufrieden. Es könne nicht sein, dass beispielsweise in Emmendingen bereits 30 Prozent mehr Menschen als im Ostalbkreis geimpft seien. „Impfgerechtigkeit muss anders aussehen“, sagte Bühler und forderte Bläse auf, weiter Druck im Land auszuüben, damit die Ungerechtigkeit am Anfang mit mehr Impfstoff ausgeglichen werden.

Bennet Müller (Grüne) widersprach indirekt und plädierte dafür, jetzt den Blick nach vorn zu richten und „keine Debatten der Vergangenheit“ zu führen. Jetzt müsse es darum gehen, die Hausärzte bei ihrer Impfaktion bestmöglich zu unterstützen.

Seit dem 26. März haben die Hausärzte bis zum 12. Mai rund 25000 Impfungen im Ostalbkreis durchgeführt - nur etwas weniger als das Kreisimpfzentrum selbst mit gut 27000 Impfungen in diesem Zeitraum.

Wir können nur wöchentlich Termine einstellen und müssen primär Zweitimpfungen sichern.“

Thomas Wagenblast, Dezernent im Landratsamt

Die Entwicklung der Impfzahlen im Kreisimpfzentrum

Wagenblast hat die Flächenlandkreise in Baden-Württemberg miteinander vergleichen. Demnach liegt der Ostalbkreis mit 148 Impfpraxen auf Platz elf von 35. Bei der Impfquote in den Impfzentren, ohne die Arztpraxen, liege der Ostalbkreis auf Platz neun unter den bevölkerungsreichen Landkreisen, so Wagenblast.

Der Impfstoff „Cominarty“ von Biontech ist mit Abstand der führende Impfstoff im Kreisimpfzentrum. In der ersten Maiwoche sind damit die Impfungen mit einer Anzahl von über 4000 auf einen neuen Höchststand geklettert. Während „Vaxzevria“ von AstraZeneca seit Anfang April deutlich zurückgeht. In der ersten Maiwoche gab es damit etwa 700 Impfungen. Auch „Janssen“ von Johnson & Johnson und Moderna werden verimpft, spielen allerdings auch lediglich nur eine Rolle im derzeit jeweils dreistelligen Bereich.

Ostalbkreis kämpft weiter mit fragiler Liefersituation

Auch das Sozialministerium im Land fordert den Bund nun schon seit geraumer Zeit auf, den Impfzentren mehr Impfstoff zur Verfügung zu stellen. Denn immer mehr Zweitimpfungen bedeuten bei gleichbleibender Liefermenge immer weniger freie Termine für Erstimpfungen. „Deshalb können wir nur wöchentlich Termine einstellen und müssen primär Zweitimpfungen sichern“, sagt Wagenblast. Aktuell werden keine Dosen mehr für Zweitimpfungen zurückgehalten - so komme man schneller voran. Erst eine Woche vorher informiert das Land den Kreis, mit welcher Liefermenge man rechne könne.

Entsprechend betonte Landrat Dr. Joachim Bläse, dass die Impfstrategie bei Bund und Land in der Verantwortung liege. Der Landkreis sei nur „Erfüllungsgehilfe“. Sein Ziel sei es, so viel wie möglich Impfstoff in den Kreis zu bekommen.

Denn das Aalener Impfzentrum könnte noch mehr Impfungen leisten. Acht statt sechs Impfbahnen könnten bald in Betrieb gehen - bereits an diesem Mittwoch will das Land die dafür zusätzlich beantragte EDV ausliefern. Die Investition lohnt sich, wenn denn bald mehr Impfstoff kommt. Die Verlängerung des Betriebs bis 15. August ist mittlerweile beschlossen.

Die zusätzliche EDV-Ausstattung ist auch deshalb wichtig, weil in Zukunft der für den digitalen Impfpass notwendige QR-Code bereits im Impfzentrum erstellt werden soll, wie Peter Schmidt informierte. Wer bereits im Kreisimpfzentrum geimpft ist, soll den QR-Code per Post erhalten.

Zehn Impf-Fakten, die Sie wissen müssen

38 Impfungen gab es zum Start des Kreisimpfzentrums am 22. Januar.

1261 Impfungen gab es am bisherigen Rekordtag am 12. Mai.

Am 20. März waren die Zweitimpfungen in den Pflegeheimen abgeschlossen.

Vom 11. März bis 15. April liefen die Erstimpfungen der über 80-Jährigen in den Ostalb-Kommunen.

AstraZeneca nur für unter 65-Jährige im Januar, für alle Altersgruppen (Anfang März), nur für über 60-Jährige (Ende März), für alle Altersgruppen (Anfang Mai) - die abrupten Änderungen der Empfehlungen erschwerten die Arbeit der Impfteams.

73 Prozent der über 60-Jährigen in Baden-Württemberg sind mittlerweile mindestens erstgeimpft.

38,8 Prozent aller Baden-Württemberger haben mindestens eine Erstimpfung erhalten.

49 488 Erstimpfungen und 14425 Zweitimpfungen meldet das Kreisimpfzentrum am 12. Mai.

30 955 Erstimpfungen und 2187 vollständige Impfungen melden die Impfpraxen im Ostalbkreis am 18. Mai.

14 Covid-Fälle auf der Intensivstation melden die Kliniken Ostalb am 18. Mai - davon elf an der Beatmungsmaschine. Acht freie Intensivbetten sind derzeit für Erwachsene im Kreis verfügbar.

Online-Chef Tobias Dambacher kommentiert die Situation: „Mehr Stoff den Impfzentren“.

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