Das neue Landratsamt wird teuer

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Dort, wo gerade geparkt wird, entsteht das neue Kreisverwaltungszentrum auf dem Union-Areal am Kocher.
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Die Basisversion für das neue Verwaltungszentrum auf dem Union-Areal kostet mindestens 60 Millionen Euro, die favorisierte Variante jedoch 71 Millionen Euro. Das bringt Konflikte.

Aalen

Kreuz und quer über Aalen verteilt arbeiten Bedienstete der Kreisverwaltung. Dies soll sich ändern. Geplant ist eine Zentralisierung, ein neues zweites Landratsamt in Aalen auf dem Union-Areal. Konkretisiert haben nun Verwaltung und Kreisparlamentarier die Pläne und das Vorgehen hier. Gestritten wurde auch, denn erstmals wurde öffentlich deutlich über die Kosten des Projektes gesprochen. Am Ende aber haben sich Finanz- und Bauausschuss am Dienstag mehrheitlich auf die Rahmendaten für den Neubau geeinigt und an den Kreistag eine positive Beschlussempfehlung gesandt.

Das ist geplant

Die Kreisverwaltung hatte die Vorschläge, die der zuständige Bauausschuss jüngst gefordert hatte, in ihren Beschlussantrag eingearbeitet.

  • Drei Bauten Gebaut werden sollen drei Gebäude, ein Bau mit fünf Vollgeschossen, einer mit vier und einer mit 3,5 Vollgeschossen sowie eine eingeschossige Tiefgarage.
  • Barrierefrei Damit alle Häuser barrierefrei werden, wird eine einheitliche Erdgeschossfußbodenhöhe festgelegt.
  • Arbeitsplätze Es sollen 551 PC-Arbeitsplätzen geschaffen werden. Davon sollen 108 Plätze zunächst vermietet und später selbst genutzt werden.
  • Parken Hier ist eine eingeschossige Tiefgarage mit 162 Stellplätzen geplant. Vorgesehen ist eine Kombilösung mit Räumen für Haustechnik, Labors des Veterinärwesens und Lagerräumen mit einer Gesamtfläche von 6520 Quadratmetern. 25 Stellplätze sollen zudem in den Außenanlagen vorm Haupteingang zur Wilhelm-Merz-Straße und weitere 40 bis 50 Plätze auf der oberirdischen Freifläche entstehen.
  • Nachhaltigkeit Es soll in Holz-Hybridbauweise mit einem Anteil von rund 15 bis 20 Prozent Holz gebaut werden.
  • Barrierefreiheit Der im Wettbewerbsentwurf vorgesehenen "kalte Durchgang" im EG zwischen den Gebäuden 2 und 3 wird verworfen, um eine barrierefreie, innen liegende Durchgängigkeit zwischen allen Gebäuden zu ermöglichen.
  • Fachleute Die Tragwerksplanung liegt beim Büro Krebs und Kiefer, Koordination und Gestaltung erledigt das Architekturbüro Hirner und Riehl.
  • Außenanlagen Die Planung zur Gestaltung der Außenanlagen soll im Januar 2021 starten. Offen ist auch noch die Fassadengestaltung. Klar ist nur: Der Kocher soll erlebbar integriert und alles barrierefrei werden.

Der Zeitplan für das Projekt

Der Kreistag legt am 15. Dezember mit der Entscheidung über wesentliche Planungsgrundlagen das weitere Vorgehen fest. Auf dieser Basis erfolgt die weitere Planung bis zur Vorlage der Kostenberechnung. Die wird Grundlage für den Baufreigabebeschluss des Kreistags. Im März 2021 soll die Vorentwurfsplanung, inklusive Kostenschätzung, den Gremien vorgelegt werden. Dann ist klar, ob der Kostenrahmen zu halten ist. Ist dies nicht der Fall, kommt das Projekt auf den Prüfstand. Werden alle Hürden gemeistert, könnte im Oktober 2021 der Baufreigabebeschluss erfolgen. Frühestens im Oktober 2022 könnten die Bauarbeiten starten, rechnet die Verwaltung.

Die Finanzierung

Es wurden Kostenobergrenzen definiert. Für die Basisversion mit 11,5 Geschossen, inklusive Tiefgarage, sollen 60,05 Millionen Euro reichen. Die Verwaltung will einen 30-Millionen-Euro-Kredit aufzunehmen – Laufzeit 30 Jahre, mit 20 Jahren Zinsfestschreibung auf 0,25 Prozent, mit fünf tilgungsfreien Anlaufjahren. Dies ergibt eine jährliche Tilgungsleistung von 1,2 Millionen Euro. Fast ein Nullsummenspiel für den Kreis, denn die Mieteinsparung bringt 840 000 pro Jahr und an Mieteinnahmen für die Pufferflächen im neuen Gebäude wird mit rund 140 000 Euro Einnahmen gerechnet.

Die Freien enthielten sich, der Rest stimmte am Ende für den von der Verwaltung formulierten Beschlussantrag.

Neues Kreisverwaltungszentrum: Das sagen die Fraktionen

Aalen. Dass sie eine Zentralisierung wünschen, dass diese sinnvoll und wirtschaftlich vernünftig sei, dass der Kauf des Union-Areals richtig war – daran ließen die Fraktionen keinen Zweifel. Umstritten aber ist, wie viel ein neues Verwaltungszentrum kosten darf.

  • CDU Georg Ruf hatte vehement eine Kostenobergrenze gefordert – und erhalten. "Zu Beginn der Planung lagen wir bei 27 Millionen Euro, jetzt sind es über 60 Millionen, tatsächlich werden es wohl 71 Millionen Euro", sagte er. Er hält die Planung was Kosteneinsparungen betrifft für nicht ausgereizt und stellte daher für die CDU den Antrag, dass, falls der Kostenrahmen überschritten wird, die Verwaltung prüft, wie ein Ausstieg möglich ist, was dieser kostet und ob es möglich ist, mit dem Architekten einen kompakteren, kostengünstigeren Bau herzustellen. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Die CDU verteile keinen Persilschein, sagte er. "Wenn im Februar konkretere Zahlen auf dem Tisch liegen und sich zeigt, dass die Obergrenze nicht zu halten ist, müssen wir den Mut haben, zu sagen, jetzt ist Schluss", so Ruf.
  • Freie Wähler Peter Traub stieß ins selbe Horn. Er hält es, anbetracht steigender Baupreise, für nicht ausgeschlossen, dass die Kosten am Ende bei rund 80 Millionen Euro liegen. "Das muss man der Bevölkerung dann auch ehrlich vermitteln", sagte er. Kostenüberschreitung sei planungsimmanent, glaubt er. Zeichne sich dies ab, würden die Freien das Projekt nicht mittragen und dies, obwohl man grundsätzlich für ein zweites Verwaltungszentrum sei. Das Konzept sehe zu wenig Parkplätze vor. Diese reichten gerade für die Belegschaft aber nicht für Besucher.
  • Grüne Dr. Rolf Siedler begrüßt das Projekt einhellig. Verbesserungen fordert er bei der ÖPNV-Anbindung des neuen Landratsamtes. Bushaltestelle, überdachte Radparkplätze, Radweganschluss sollen her. 66 000 Euro pro Parkplatz bereiten den Grünen "Bauchschmerzen". Besser als eine Tiefgarage sei ein eingeschossiges Parkhaus mit begrüntem Dach, finden die Grünen.
  • SPD Aalens OB Thilo Rentschler verteidigte das Vorhaben rundum. Bushalt und Radwegkonzept habe die Stadt Aalen bereits auf dem Zettel, sagte er. Eine Kostenobergrenze sei gut, auch gut sei es, gleich die Ausbauvariante 2 zu wählen statt der Basisversion und Mieteinnahmen zu erzielen. "Das verbessert die Kostenrelation pro Arbeitsplatz." Die Zinsen seien sehr günstig, es sei richtig die Chance zu nutzen, Zukunftsweisendes zu schaffen. In Sachen Parken sollten Mietlösungen geprüft werden. Die öffentliche Hand müsse wegen Corona Motor der Wirtschaft bleiben. "Das Projekt benötigt eine große Mehrheit im Kreistag", mahnte er.
  • Linke Cynthia Schneider machte es kurz: "Wir ergreifen die Chance, wir haben den Mut dazu."
  • Landrat Dr. Joachim Bläse machte klar, dass eine solche Entscheidung nur mit einer großen Mehrheit im Kreistag zu realisieren sei. Er versprach, die Kosten im Blick zu behalten. Laufe hier etwas aus dem Ruder, werde die Verwaltung sofort reagieren. Martin Simon
So stellen sich die Planer Variante 2 vor, die der Kreistag bislang favorisiert. Rot markiert das Geschoss, das als Pufferfläche zunächst vermietet werden soll. Grafik: Ostalbkreis

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