Das Warten für die Warteliste

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887 neue Impfungen innerhalb einer Woche meldet das Landratsamt im Ostalbkreis. Foto/Grafik: Oliver Giers/Carmen Apprich
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Die Impfungen schreiten weiter nur langsam voran. Neuerungen im System zur Impfterminvergabe sorgen allerdings für neuen Frust.

Aalen

Seit Montag soll mit einer Warteliste für Impftermine alles besser werden. Wer an der Hotline 116117 keinen freien Termin erhält, wird nicht abgewiesen, sondern registriert und zurückgerufen, wenn wieder Termine frei sind. Doch zunächst sorgte die Warteliste vielerorts für neuen Frust.

Eine Leserin meldete sich, die mit ihren Nerven am Ende ist. Seit Wochen versuche sie erfolglos, einen Impftermin für ihren 90-jährigen Vater zu bekommen. Über das Internet, am Telefon – keine Chance. Um Mitternacht, tagsüber, immer wieder. Sie könne nicht mehr, sagt sie. Dass der Impfstoff und Termine knapp seien, verstehe sie schon. Aber sie möchte ihren Vater ja nur in das System bringen – wenn es dann mit der Spritze bis April dauere sei das auch in Ordnung. Doch selbst das klappe nicht. Auch auf die angekündigte Warteliste habe sie ihn noch nicht setzen können. "Da hat sich gar nichts verbessert", sagt sie frustriert und ist nicht allein.

Ein anderer Leser schildert seine Erlebnisse per E-Mail. Am Montag sei er unter der Hotline 116117 überhaupt nicht durchgekommen. Am Dienstag sei er immerhin bis zur automatischen Ansage gekommen, dass das Gespräch aufgezeichnet werde – und sei dann wieder aus der Leitung geflogen. "Insgesamt ist die Situation nicht besser geworden, sondern eher schlechter", sagt er. Jetzt telefoniere wieder jeder und es passiere nichts. Seit Anfang Januar versuche er schon für seine fast 90-jährige Mutter und über 80-jährige Schwiegermutter einen Termin zu bekommen. "Langsam lässt die Geduld nach", schreibt er.

Eine Warteliste, auf die man es nicht schafft? Stand Mittwochnachmittag haben sich 54 200 Menschen auf diese Liste setzen lassen, informiert Pascal Murmann, stellvertretender Pressesprecher im Sozialministerium. Allein am Montag wurden demnach allerdings 300 000 Anrufversuche registriert – durchgekommen ist also nur ein Bruchteil.

Der große Ansturm ist nachvollziehbar – denn es gilt der Eingang der Registrierung für die Zuteilung der Termine. "Die Warteliste wird nach dem Prinzip First-Come First-Serve durch das Callcenter abgearbeitet", sagt Murmann. Wer es also früher auf die Liste schafft, erhält auch früher einen Impftermin. Doch Termine sind nach wie vor knapp. Innerhalb einer Woche gab es laut Angaben des Landratsamt im Ostalbkreis nur 887 neue Impfungen – bei nur 30 Terminen pro Tag im Kreisimpfzentrum also noch immer ein Großteil in Pflegeheimen. Einen vollen Impfschutz haben aktuell lediglich 0,4 Prozent aller Einwohner im Ostalbkreis – der Landesschnitt liegt bei 1,1 Prozent, Spitzenreiter ist Rheinland-Pfalz mit 1,7 Prozent.

Die Warteliste wird nach dem Prinzip First-Come First-Serve durch das Callcenter abgearbeitet.

Pascal Murmann stellvertretender Pressesprecher im Sozialministerium

Warteliste und Webseite teilen sich verfügbare Termine auf

Nun müssen also zwei verschiedene Systeme koordiniert werden: Über die Webseite www.impfterminservice.de können weiterhin freie Termine gesucht und gebucht werden, daran hat sich nichts geändert. Und über die neue Warteliste werden nach und nach Termine vergeben. Wie geht das zusammen?

Generell sei es sehr schwierig, eine Gewichtung "Hotline-Website-Warteliste" vorzunehmen, da dies auch ein stückweit von den Terminen abhänge, die jeweils vor Ort eingestellt werden, heißt es aus dem Sozialministerium. Ziel sei es in jedem Fall, dass alle Wege der Terminvergabe in etwa gleichermaßen bedient werden. "Niemand muss befürchten, dass alle Termine über Website und Hotline bereits weggeschnappt werden und am Ende keiner mehr über die Liste zum Zug kommt", sagt Murmann. Allerdings: Es könne sein, dass es über die Website weniger Termine zur freien Vergabe gibt, weil diese über die Warteliste vergeben werden.

Allerdings: Die Warteliste sei lediglich ein Instrument, den Mangel besser zu verwalten, kein Allheilmittel. Das Sozialministerium weist daraufhin, dass die Impf-Infrastruktur auf 60 000 Impfungen am Tag ausgelegt sei. Durch den Mangel an Impfstoff komme man aktuell auf rund 7000. Eine wirkliche Verbesserung werde erst dann eintreten, wenn es mehr Impfstoff gibt.

So gehen die Impfungen in der Region voran

Der Ostalbkreis meldet 3208 Erst- und 1148 Zweitimpfungen.

Heidenheim meldet aktuell 2535 Erst- und 414 Zweitimpfungen.

Der Rems-Murr-Kreis meldet lediglich eine Gesamtsumme: 4737 Impfungen.

Anteilig an der Bevölkerung gab es prozentual in Heidenheim mit 2,2 Prozent die meisten Impfungen in der Gesamtsumme, gefolgt vom Ostalbkreis (1,4 %) und Rems-Murr (1,1 %). Kleinere Landkreise scheinen durch die Verteilstrategie also tatsächlich derzeit einen kleinen Vorteil zu haben.

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