Dem Ostalbkreis gehen Ärztinnen und Ärzte aus

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Viele Hausärztinnen und -ärzte im Ostalbkreis gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Die Kreisverwaltung will mit einem Stipendienprogramm Studierende für die Region begeistern.
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Ausschussmitglieder bewilligen ein Stipendienprogramm für Medizinstudierende. Weiteres Thema: Unterhaltsvorschussleistungen. Auf diesen Kosten bleibt der Kreis sitzen, weil Elternteile nicht zahlen wollen.

Aalen

Dem Ostalbkreis gehen die Hausärztinnen und -ärzte aus: Viele Praxen schließen in den kommenden Jahren, da die Medizinerinnen und Mediziner in den Ruhestand gehen.

Das Problem beschäftigt den Kreistag bereits seit 2009. Damals wurde ein Positionspapier mit sieben Punkten aufgesetzt; es wurden etwa mehr Studienplätze für Medizin gefordert. Inzwischen wird die Kreisverwaltung selbst aktiv. Landratsamtsmitarbeiterin Diana Kiemel stellte dem Ausschuss für Soziales und Gesundheit und dem Jugendhilfeausschuss am Dienstag das Stipendienprogramm für Medizinstudierende vor.

Die Idee: „Wenige Studierende können sich vorstellen, im Ostalbkreis zu arbeiten“, sagte Diana Kiemel. Das Programm soll Studierenden die Region schmackhaft machen – und die hausärztliche Versorgung sicherstellen. Wer Stipendiat wird, müsse die Facharztausbildung im Ostalbkreis absolvieren und sich verpflichten, anschließend drei Jahre als Hausärztin oder -arzt im Ostalbkreis tätig zu sein. Teilnahmevoraussetzungen seien ein Medizinstudium an einer deutschen Universität oder einer Hochschule in einem EU-Mitgliedsland und Bestehen des Physikums. Starten soll das Programm im Sommersemester 2022.

Der Anreiz: „Über eine maximale Dauer von sieben Semestern und vier Monaten praktischem Jahr (PJ) gibt es 450 Euro monatlich“, bilanzierte sie. Wer die Verpflichtung, als Arzt oder Ärztin im Kreis zu arbeiten verletzt, müsse das Geld zurückzahlen. Studierende erhalten laut Diana Kiemel etwa Kontaktpersonen, die ihnen bei Fragen weiterhelfen, sie werden bei der Wohnungssuche unterstützt und können Fortbildungsprogramme besuchen.

Das kostet's: 62 100 Euro hat Diana Kiemel pro Jahr einkalkuliert. Bei 15 möglichen Stipendienplätzen sind das 20 700 Euro pro Person. „Wir wollen 15 Personen fördern und allen Semestern die Chance geben“, erklärte Diana Kiemel, die betonte, dass sie nicht davon ausgeht, dass sich 15 Studierende bewerben. Die Kreisrätinnen und -räte stimmten diesem Programm zu.

Wenn ein Elternteil nicht zahlt

Nicht immer verläuft in Sachen Unterhaltszahlungen alles rosig. Es gibt Elternteile, die versuchen sich davor zu drücken und Elternteile, die sich dies nicht leisten können. Wer den Unterhalt nicht zahlen will, bekommt es mit der Unterhaltsvorschusskasse zu tun. Leiter Michael Rothaupt erläuterte die Arbeit des Amts.

Wer hat Anspruch auf die Leistungen? „Kinder von Alleinerziehenden, die nicht oder nicht regelmäßig Unterhalt vom anderen Elternteil erhalten“, sagte er.

Wie hoch ist der Zuschuss? Für Kinder von null bis 17 Jahren gebe es, gestaffelt nach Alter, zwischen 174 und 309 Euro monatlich, bilanzierte Rothaupt. Finanziert werde der Zuschuss von Landkreis, Land und Bund.

Zur Statistik: Etwa 3500 Fälle mit 2150 laufenden Auszahlungen gibt es laut Vorlage im Kreis. Das Amt prüft, ob ein Elternteil tatsächlich nicht zahlen kann, oder dies nur angibt. Wer falsche Daten liefert, muss das Geld zurückzahlen - 1400 Rückgriffsfälle gab es laut Rothaupt 2020. Keinen Unterhalt zu bezahlen sei kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, sagte Dezernentin Julia Urtel. Das Amt erstatte Anzeige gegen den Elternteil. Etwa 1,4 Millionen Euro koste die Vorschussregel den Kreis 2021.

Das sagten die Rätinnen und Räte: „Man darf es nicht schaffen, dass man nichts zahlen muss“, betonte Landrat Dr. Joachim Bläse. „Wir sollten nur da sein, wenn es finanziell knapp wird.“

Die Rätinnen und Räte waren, zusammengefasst, der Meinung, dass es zwei Seiten der Medaille gibt. Die „unsoziale Drückebergerei“ sollte nicht auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden, sagte etwa Manfred Fischer (CDU). Bernhard Richter (SPD) betonte, dass meist Mütter auf den Unterhalt angewiesen seien und dieser eine Art Existenzsicherung darstelle.

Wenige Studierende können sich vorstellen, im Kreis zu arbeiten.“

Diana Kiemel, Mitarbeiterin Landratsamt

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