Den Eisenschatz der Region für alle öffentlich sichtbar machen

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Eine Tischplatte
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Was mit der Sammlung der Schwäbischen Hüttenwerke (SHW) passiert und wie sie in Zukunft präsentiert werden könnte.

Es ist ein verborgener Schatz. Einer, der nun endlich gehoben werden soll. Keiner aus Gold zwar. Sondern einer aus Eisen. Einer, der trotzdem einen unschätzbaren Wert hat – nicht nur einen ideellen, sondern einen ganz handfesten für die ganze Region.

Die Sammlung der Schwäbischen Hüttenwerke (SHW) ist nicht nur gewichtsmäßig weit mehr als ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Darüber sind sich alle einig, die am Samstagvormittag im SHW-Modellhaus in Wasseralfingen zusammengekommen sind. Es ist kalt, da helfen auch die schweren gusseisernen Kaminöfen im Erdgeschoss nicht, die man dort bewundern kann. Sie brennen nicht, sind aber Schmuckstücke einer vergangen Handwerks- und Kunstform, die jahrhundertelang im Ostalbkreis ihre Heimat hatte. Das Vermächtnis dieser Tradition wollen sie nun wieder in die Öffentlichkeit rücken: die Barbara-Zunft der Hüttenleute Wasseralfingen, der Bund für Heimatpflege Wasseralfingen und der Kulturverein Königsbronn.

Man stehe im 120 Jahre alten Modellhaus vor einem "hochwertigen und einmaligen Kulturerbe von europäischen Rang", erklärt Helmut Moser, Modellbauermeister von der Barbara-Zunft. Und dieses solle nun inventarisiert, erforscht und sowohl der Wissenschaft als auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden", so Moser. "Unser Ziel ist, diese Platten zum Sprechen zu bringen." Die Sammlung sei das Eisenguss-Vermächtnis der gesamten Region Kocher/Brenz.

"Zitterpartie" ist beendet

"Wir wollen die Erinnerung daran wach halten", sagt Wasseralfingens Ortsvorsteherin Andrea Hatam. Nicht nur, weil der Schock der Insolvenz der Wasseralfinger Gießerei groß gewesen sei. Sondern auch, weil die Geschichte der Eisenverarbeitung in der Region einen Blick auf die gesamte Industriegeschichte werfe. Lange sei nicht klar gewesen, wem die im Werk verbliebenen Kunstgussplatten, Öfen und Gießereimodelle nach der Insolvenz gehören würden. Nun sei nach einer "Zitterpartie" geklärt, dass sie dem Land Baden-Württemberg gehören und unter Denkmalschutz stehen. Die nun am besten vor Ort der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen, statt in einem Depot zu verstauben.

Inventarisierung läuft

Die Sammlung sei "einmalig, unvergleichlich", betont Professor Dr. Friedrich Klein, Experte sowohl für die Historie als auch die Wissenschaft der Eisenverarbeitung. "Es gibt kein anderes Element, das für die Menschheitsgeschichte eine solche Bedeutung hatte." Und diese Bedeutung ließe sich anhand der Sammlung nachvollziehen.

In deren Fundus auch einige, "wenn auch nicht viele", Werkstücke aus Königsbronn zu finden sind, wie Ulrich Knöller, Vorsitzender des dortigen Kulturvereins erzählt. Man sei dort schon ein wenig stolz, dass die Wiege der Eisenverarbeitung eben nicht im Ruhrgebiet, sondern im Brenz- und Kochertal liegt. Sichtbar werde das unter anderem auch durch den historischen Flammofen, den man in Königsbronn restauriert habe, die Feilenschleiferei oder die gusseisernen Epitaphe an den Klostermauern, so Knöller, der zudem die Hilfe der Vereinsmitglieder anbietet – etwa bei der Inventarisierung.

Unser Ziel ist, diese Platten zum Sprechen zu bringen.

Helmut Moser Barbara-Zunft der Hüttenleute

Eine Aufgabe, die federführend bereits Rolf-Dieter Blumer vom Landesamt für Denkmalpflege übernommen hat. Die Sammlung selbst sei bereits ins Denkmalbuch eingetragen, berichtet dieser. Sie umfasse eine fast "unbegreifliche Vielzahl und Vielfalt" an Einzelstücken und sei, so ergänzt er, wohl sogar "weltweit einmalig". Geschätzt 3600 Einzelteile umfasst sie.

Blumer wird Stück um Stück in die Hand nehmen müssen – soweit das überhaupt geht. Denn eine Kaminplatte wiegt mitunter so viel wie ein erwachsener Mensch, wie Moser demonstriert, als er versucht, eine der zahllosen Platten im Museum aufzuheben. "Das dürften so 80 Kilogramm sein", schätzt er. Es ist bei Weitem nicht die größte Platte.

Spuren der Tradition

Auf den meisten Kaminplatten erheben sich kunstvolle Reliefs. Wappen, Landschaften, Ornamente, weltliche und religiöse Motive, die auch den Zeitgeist ihres Entstehungsdatums widerspiegeln. Doch es gibt auch kleine Exponate: Figuren, Teller, Büsten, Gürtelschnallen, Plaketten – Zeugnisse jahrhundertealter Tradition. Zu finden sind Spuren dieser Tradition allerdings nicht nur in Wasseralfingen, sondern überall auf der "geografischen Ostalb", wie Moser erklärt. Beispielsweise auch im Ellwanger Alamannenmuseum, im Königsbronner Torbogenmuseum oder auch im Schloss Hellenstein Museum.

Und so soll es nicht bei der Inventarisierung und der Darstellung der 650 Jahre alten Geschichte der schwäbischen Hüttenwerke bleiben. Ein Gesamtkonzept soll aus einem Netzwerk entstehen und natürlich ein Museum. Wo das sein könnte, darüber gebe es "Überlegungen", so Andrea Hatam. Das Jetzige sei nicht geeignet. Noch sei nichts "spruchreif", so Hatam. "Die Finanzierung ist der Knackpunkt", sagt sie. Denn ein Museum koste Unterhalt, brauche Mitarbeiter. Bei der Stadt Aalen stehe es momentan auf der Prioritätenliste nicht auf Platz 1 und 2. Allerdings hoffe man, das Land ins Boot zu holen. "Wir werden nicht locker lassen", versichert sie. Wie es sich für richtige Schatzsucher gehört.

Ziehen an einem Strang. Ulrich Knöller, Rolf-Dieter Blumer, Christa Hartmann, Helmut Moser, Prof. Dr. Friedrich Klein und Andrea Hatam (v.l.).
Kaminplatten aus Eisen
Auch Skulpturen gehören zum SHW-Vermächtnis.
Die Ofensammlung im SHW-Museum Wasseralfingen

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