Der älteste, noch aktive Chor im Ostalbkreis

  • Weitere
    schließen
+
Der "Gesangverein 1823 e.V. Schwäbisch Gmünd" hat vor Corona jeden Donnerstagabend im Gmünder Schwörhaus geprobt. Das Archivfoto entstand im Mai 2017.
  • schließen

Teil 1 von 6: Walter Stütz beherbergt Dokumente des "Gesangverein 1823 e. V. Schwäbisch Gmünd". Er erzählt.

Schwäbisch Gmünd

Welcher Chor ist der älteste, noch aktive im Ostalbkreis? Mit der Frage eröffnen wir die Sommerserie "Ostalb-Rekorde 2020" dieser Zeitung. Insgesamt stellen wir sechs Rekordhalter vor, immer freitags, sechs Wochen lang.

Die Frage nach dem Chor beantwortet Patricia Klingenmaier aus Schwäbisch Gmünd am überzeugendsten: "Unser ‘Gesangverein 1823 e.V. Schwäbisch Gmünd' ist der älteste noch aktive Chor im Ostalbkreis und der zweitälteste in Baden-Württemberg", erzählt sie.

Patricia Klingenmaier verweist auf ihren Chor-Vorstand Walter Stütz. Der pensionierte Lehrer bestätigt das und fügt hinzu: "Wir sind auch eines der ältesten Mitglieder im Schwäbischen Chorverband."

Über die Geschichte des "Gesangverein 1823 e.V. Schwäbisch Gmünd" besitzt Walter Stütz ein umfangreiches Archiv. Während eines Besuchs der Redaktion zuhause bei Dorothea und Walter Stütz in der Gmünder Weststadt kommt man aus dem Staunen kaum heraus. Die Standarte des Vereins zählt zum Beispiel zu den Schätzen. "Wir tragen sie zu Feierlichkeiten mit uns", erzählt Walter Stütz. "Sie ist aber um ein Zigfaches schwerer als eine Fahne."

Der Vereinsvorsitzende holt ein historisches Foto herbei. Das stammt aus dem 19. Jahrhundert und zeigt einen der Vorläuferchöre des Gmünder Gesangvereins, die "Alpenrose", vor der Kulisse der Stadt Schwäbisch Gmünd. "Mein Vater hat in der Alpenrose mitgesungen. Ich auch noch, mit einer Unterbrechung während meines Studiums, bis zur Fusion unserer Chöre", erzählt Stütz.

Chorgeschichte mit Fusionen

"Die Fusion war am 16. Januar 1975." Damals schlossen sich die drei Gmünder Gesangvereine "Alpenrose", "Liedertafel" und "Männergesangverein 1823" zum "Gesangverein 1823 e.V. Schwäbisch Gmünd" zusammen. "Alpenrose" und "Liedertafel" hatten zuvor immer unter dem gleichen Namen firmiert. Der "Männergesangverein" hingegen war im Jahr 1919 aus drei Vorläufern verschmolzen worden: dem "Liederkranz", nachgewiesen seit 16. März 1823, dem "Brüßler Gesangverein" (1837), und dem Gesangverein Frohsinn, im Jahr 1877 entstanden.

Unser ältester Vorgängerverein war der Liederkranz.

Walter Stütz Vorstand Gmünder Gesangverein 1823

Alp statt Alb

Eine "Alpenrose" mit "p" auf der Ostalb mit "b"? Wie der Name zustande kam, sei nicht bekannt, sagt Walter Stütz. Aber er weiß, was es mit dem "Brüßler Gesangverein" auf sich hatte. "Der hatte nichts mit Brüssel zu tun", betont er. "Brüßler" sei damals ein Spottname für herumziehende Straßensänger gewesen. "Die vier jungen Gesangvereinsgründer im Jahr 1837 zerbrachen den Spott und machten daraus ihren Ehrennamen."

200. Geburtstag naht

Walter Stütz erzählt weiter: "Seit 22 Jahren bin ich schon Vorstand unseres Gesangvereins 1823." Zuvor, von 1976 bis 1998, sei er Kassier gewesen. Der Gesichtsausdruck des sonst fröhlichen Pensionärs verändert sich nun, Sorgenfalten sind zu sehen. "Wir wollen 2023 unser 200-jähriges Bestehen feiern", sagt er. "Aber Corona macht uns womöglich einen Strich durch die Rechnung." Ohnehin sei der ehemals prächtig große Chor in den vergangenen Jahren auf derzeit 40 Personen "zusammen geschrumpft", auf 15 Männer und 25 Frauen. Stütz betont: Beständig dabei sei Martin Thorwarth. "Der Berufsmusiker ist seit mehr als zwölf Jahren unser Chorleiter." Seit der Fusion 1975 sei kein anderer Chorleiter so lange in dem Amt gewesen.

Walter Stütz erinnert sich an viele weitere erfreuliche Tatsachen in der Geschichte des Gesangvereins. "Etwas ganz Besonderes über lange Jahre war die Sängerfreundschaft mit dem Liederkranz Idar-Oberstein", sagt er. "Wunderbar unser gemeinsamer Auftritt auf der Wetzgauer Bühne der Landesgartenschau 2014." Wie etliche andere Chöre in jüngerer Zeit auch, habe sich das befreundete Ensemble aber 2016 aufgelöst. "Da ist manch eine Träne geflossen."

Damit es so "seinem" Gesangverein nicht ergehe, sei nun unbedingt Nachwuchs nötig, wünscht sich Walter Stütz. Und er wirbt damit: "Wir haben ja auch noch unseren jungen Chor, er heißt ‘In Takt'". Der singe "eher leichte Musik, auch auf Englisch". Die Proben seien hoffentlich bald wieder donnerstags um 19 Uhr im Schwörhaus. "Und ab 20 Uhr wird dann unser traditioneller Chor wieder proben."

Mit Maßband über die Ostalb

Ta ta ta taaaaa! Ab sofort stellen wir sie vor – die Ostalb-Rekorde der Sommerserie 2020. Dankeschön an alle Leserinnen und Leser, die ihre Tipps beigesteuert haben. Besonders geholfen hat uns die lange Palette an Hinweisen für die heutige Zeitungsseite in Sachen ältester Chor. Mit einem Sängergruß hat Klaus Schäfer aus Bopfingen den "Liederkranz 1826 e.V. Bopfingen" als Rekordhalter vorgeschlagen. Der Liederkranz sei derzeit noch als Stammchor aktiv, außerdem mit dem Chor "Fortissimo". Mechthild Löffler hat den Liederkranz Unterkochen beworben, 1833 gegründet und 2003 um den Chor "Cantiamo" erweitert. Sabine Kuhn hat den "Liederkranz Mögglingen 1840 e.V." vorgestellt, immerhin der älteste Verein von Mögglingen mit nun vier Chören ....

Was wir Ihnen heute schon verraten: Die längste Brücke im Ostalbkreis wird Thema der Oschtalbkoscht&Heimatluscht-Seite am nächsten Freitag sein. In den folgenden Wochen wollen wir die kleinste Bäckerei mit schwäbischen Backwaren vorstellen. Es geht um den höchsten Turm auf der Ostalb und den tiefsten See. Haben Sie Tipps dazu? Wir freuen uns über Ihre E-Mail, "Betreff: Ostalb-Rekorde" an c.weinke@sdz-medien.de

Was wir außerdem in dieser Sommerserie vorhaben: Wir möchten mit Ihnen die schwergewichtigste selbst gezüchtete Tomate entdecken. Wie wir das anstellen wollen, werden wir im Laufe des Monats August verraten. Eins ist aber gewiss. Die Tomatensuche wird nicht so ausarten wie seinerzeit, für die Ostalb-Rekorde 2016, die Suche nach dem dicksten Baum.

Erinnern Sie sich? Damals trudelten 32 Baum-Bewerbungen bei mir ein. Tagelang war ich mit dem Metermaß unterwegs: zwischen Espachweiler und Horn, zwischen Braunenberg und Kaltem Feld. Mit vielen Erkenntnissen. Etwa, dass ich mir überall üble Bremsenstiche holen kann. Aber auch, dass wir auf der Ostalb durch wunderbare Wälder wandern können. Wo dann der dickste Baum stand? In Hohenroden, direkt an der Straße.

Schon gewusst?

Der Schwäbische Chorverband bekam seinen Namen erst 2008. Zuvor hieß er Schwäbischer Sängerbund. Im Schwäbischen Sängerbund war der Gesangverein 1823 Schwäbisch Gmünd noch die viertälteste Chorvereinigung, er war damals die älteste im Silcher-Gau, der heute Chorverband Friedrich Silcher heißt und Chöre aus dem Altkreis Schwäbisch Gmünd vereint. Chöre aus dem Altkreis Aalen, die dem Schwäbischen Chorverband angehören, sind im Eugen-Jaekle-Chorverband vereint.

Ein kostbares Dokument: Einer der Vorläuferchöre des "Gesangverein 1823 e. v. Schwäbisch Gmünd", die "Alpenrose", ließ sich vor der Kulisse der Stadt fotografieren. Vereinsarchiv /
Ein kostbares Dokument: Einer der Vorläuferchöre des "Gesangverein 1823 e. v. Schwäbisch Gmünd", die "Alpenrose", ließ sich vor der Kulisse der Stadt fotografieren. Vereinsarchiv /

Zurück zur Übersicht: Ostalbkreis

WEITERE ARTIKEL