Der Atommüll und die weißen Flecken der Ostalb

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Blick auf Aalen. Der Ostalbkreis gehört zu einem der bundesweit insgesamt 90 Teilgebiete, die nach ersten Untersuchungen als Standort für ein atomares Endlager in Frage kommen.
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Atomenergie Experten informieren Bürgerinnen und Bürger online über den Stand der Standortsuche für ein Atommüll-Endlager.

Aalen

Irgendwo muss er hin. Der radioaktive Müll aus den deutschen Atomkraftwerken. Der Bund ist momentan auf der Suche nach einem Endlager. Gorleben ist vom Tisch – dafür liegt in einer ersten bundesweiten Auswahl auch der Ostalbkreis in einem möglichen Teilgebiet für den Standort eines Endlagers. Bis 2031 soll dieser gefunden sein. Ab 2050 sollen dort dann etwa 10 500 Tonnen Atommüll, das sind etwa 1900 Castoren, eingelagert werden. Über den aktuellen Stand der Standortsuche informierte die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) nun interessierte Bürgerinnen und Bürger im Regierungsbezirk Stuttgart online. Mitunter waren rund 320 Teilnehmer zugeschaltet.

"Über allem steht die Suche nach dem Standort mit der bestmöglichen Sicherheit", begrüßte Manfred Loistl vom Umweltministerium Baden-Württemberg als Moderator einführend. Loistl zeigte auf, in welcher Phase der Suche man sich momentan befindet. Schritt 1, die Ermittlung möglicher Teilgebiete für einen Standort, ist abgeschlossen. Den Zwischenbericht dazu gibt es seit Ende September 2020.

Weiße Flecken auf der Karte

In einem Schritt zwei soll die Ausweisung für die "übertägige Erkundung" folgen. Gebuddelt wird also noch nicht. Auch nicht im Ostalbkreis, der wie alle 13 Stadt- und Landkreise im Regierungsbezirk zu den möglichen Standort-Teilgebieten gehört. Der Ostalbkreis eignet sich gleich wegen zweier Kriterien dafür: Hier gibt es kristallines Wirtsgestein, zum anderen vor allem auf dem Härtsfeld auch prätertiäres Tongestein.

Doch es gibt auch weiße Flecken im Ostalbkreis. An diesen ist der Standort für ein Endlager ausgeschlossen. Ausschlusskriterien sind unter anderem Einflüsse gegenwärtiger und früherer bergbaulicher Tätigkeit. Der Tiefe Stollen ist trotzdem kein weißer Fleck. "Das Bergwerk liegt einfach nicht tief genug, um es in dieser frühen Phase auszuschließen", erklärt Dagmar Dehmer, Bereichsleiterin der Unternehmenskommunikation der BGE, auf Nachfrage. Er reiche lediglich um die 100 Meter in die Tiefe. Die BGE betrachte den Raum zwischen 300 und 1500 Meter Tiefe. Deshalb sei der Tiefe Stollen nicht ausgeschlossen worden. Ob unterhalb des Stollens ein geeigneter Endlagerstandort zu finden sei, würden weitere Betrachtungen zeigen.

Die weißen Flecken auf der Ostalbkarte zeigen vielmehr das Ausschlusskriterium "aktive Störungszonen". Das Standortauswahlgesetz (StandAG) definiert sie als "Brüche in den Gesteinsschichten der oberen Erdkruste (...), an denen nachweislich oder mit großer Wahrscheinlichkeit (...) innerhalb der letzten 34 Millionen Jahre Bewegungen stattgefunden haben".

Wir sind selbst verantwortlich für unsere Hinterlassenschaften.

Steffen Kanitz Geschäftsführer BGE

Rund eine Million Jahre muss ein Endlager standhalten können. Dann ist die radioaktive Strahlung der dort eingelagerten Brennstäbe nicht mehr gefährlich. Nach 500 Jahren müsse ein Standort aber noch auffindbar und rückholbar sein, so BGE-Geschäftsführer Steffen Kanitz: Weil es Fehler geben könne, aber auch, weil es dann bereits bessere Lösungen für Endlagerung geben könne. Man suche einen solchen Standort nur in der Bundesrepublik, so Kanitz. "Wir sind selbst verantwortlich für unsere Hinterlassenschaften."

Wie groß die Fläche ist, die man für den Standort benötigt, hänge auch davon ab, welches Wirtsgestein sich dort befindet, so Kanitz. Um weiter einzugrenzen, gehe es nun auch um Fragen der Siedlungsdichte, des Naturschutzes und des Grundwasserschutzes. Erst nach der Entwicklung der Methodik gehe es dann an die "übertägige" Erkundung.

Kritik an Transparenz

Er vermisse Informationen über den aktuellen Stand des Verfahrens, so Werner Gottstein vom BUND Ostwürttemberg bei der anschließenden Diskussion. Die BGE arbeite seit dem Bericht im September 2020 ja weiter. Ihm sei lieber gewesen, die Fachkonferenz erst in zwei Monaten abzuhalten, wenn das wieder live möglich sei. Man habe zudem zu wenig Zeit gehabt, sich seit der Einladung zum Infoabend in das Thema einzuarbeiten.

Es gebe keine neuen Fakten, so Kanitz dazu. Als nächsten Schritt entwickle man Methoden für die Erkundung. Thematisiert wurde auch die Frage, wie man nachfolgenden Zivilisationen das Wissen um das Endlager überhaupt vermitteln könne. Man versuche bei der Suche auch sicherzustellen, dass es an einem Ort ohne weiteren förderungswürdigen Nutzen sei, so Kanitz. Und denke darüber nach, Sprachwissenschaftler mit ins Boot zu holen: um eine Symbolik zu entwickeln, die auch in 500 Jahren noch ausdrücken kann, um was es geht.

Atommüllzwischenlager in Gundremmingen bis 2046 genehmigt

Neben dem Atomkraftwerk Gundremmingen, das von Aalen rund 44 Kilometer Luftlinie entfernt ist, wurde ein überirdisches Standortzwischenlager gebaut. Es dient der Lagerung von maximal 192 Castor-Behältern mit hochradioaktiven Abfällen und ist damit Deutschlands größtes Atommülllager. Genehmigt für den Betrieb ist es bis 2046. Castor ist die Abkürzung für "cask for storage and transport of radioactive material" – also "Behälter zur Lagerung und zum Transport radioaktiven Materials".

47 Prozent der Fläche in Baden-Württemberg sind aktuell als mögliche Teilgebiete für ein Endlager ausgewiesen.

Infos unter https://www.bge.de/de/endlagersuche/zwischenbericht-teilgebiete/

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