Mein Moment 2021

Der chaotische Impfstart im Ostalbkreis

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Tobias Dambacher
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Über die Recherchen zum Impfstoffmangel im Landkreis.

Auf die Euphorie folgte schnell die Ernüchterung: Der Impfstart gegen das Coronavirus zum Jahreswechsel 2020/2021 war zunächst nicht die erhoffte Erfolgsgeschichte. Es gab kaum Impfdosen und hinzu kam ein furchtbar kompliziertes Anmeldeverfahren. Doch selten war ich mit so vielen Einzelschicksalen konfrontiert. Auf die ersten Artikel folgten schnell unzählige Mails und Anrufe von Betroffenen, die mir ihr Leid klagten: Sie verstehen den Anmeldeprozess nicht, wissen nicht, welchen Code sie nun eingeben müssen und überhaupt: Es gibt ja gar keine freien Termine. Von Woche zu Woche wurde ich wütender und von Woche zu Woche dachte ich, dass es eigentlich nicht mehr schlechter werden könnte. Doch da war noch mehr. Immer häufiger meldeten sich Impfwillige und sagten, in Roth am See, Ulm, Heidenheim - überall käme man schneller an Impftermine, als im Ostalbkreis. Subjektive Wahrnehmung von Gefrusteten? Ich begann zu recherchieren. Fragte Landkreis für Landkreis ab: Wie viel Impfstoff habt ihr in dieser Woche bekommen? Wie viel letzte Woche? Manche stellten sich quer, wollten nicht antworten. Es war mühsam. Auch das Sozialministerium verklausulierte zunächst seine Antworten, und informierte zunächst so: "Alle verfügbaren Lieferungen gehen nach ihrem Bevölkerungsanteil an die Bundesländer. In Baden-Württemberg werden die zugeteilten Impfdosen dann gleichmäßig auf die Impfzentren verteilt." Wie wörtlich das zu nehmen war, ergab sich dann aus der Recherche: Denn jedem Kreisimpfzentrum wird dieselbe Zahl an Impfdosen zugeteilt – unabhängig von der Einwohnerzahl im Kreis. Damit war der Ostalbkreis als bevölkerungsstarker Landkreis massiv im Nachteil - und es war die Erklärung, warum sich die Menschen im Ostalbkreis so schwer mit einem Termin hier taten. Zumal der Ostalbkreis geografisch mit dem Rücken zu Bayern steht - weiter östlich gibt es kein Impfzentrum, in das Baden-Württemberger ausweichen können. Die Recherche schlug Wellen, Politiker meldeten sich zu Wort und forderten eine gerechtere Verteilung auf Basis der Bevölkerungsgröße. Im April dann ein Impfgipfel in Baden-Württemberg, bei dem das Sozialministerium eine "Unwucht" bei der Impfstoffverteilung bestätigte und angekündigte, dass dies kurzfristig kompensiert werden solle. Ein "fairer Ausgleich" wurde versprochen. Die Zentralen Impfzentren gaben daraufhin mehr Impfstoff an die Mobilen Impfteams ab, davon profitierte dann unter anderem der bislang benachteiligte Ostalbkreis.

Hier geht's zum Artikel "Warum der Ostalbkreis beim Impfstoff benachteiligt wird."

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