Der den „seltsamen Typen“ des IS begegnet ist

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Wolfgang Heim (l.) im Gespräch mit Jörg Armbruster.
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In der neuen Reihe „Wolfgang Heim im Gespräch mit ...“ ist Korrespondent Jörg Armbruster zu Gast.

Gschwend. Es sind alte Geschichten, die Jörg Armbruster im Gespräch mit Wolfgang Heim auf der Musikwinterbühne im Bilderhaus erzählt. Denn heute ist der Mann, der einst als Korrespondent für die ARD live und Spannendes aus dem Nahen Osten berichtete, längst nicht mehr in diesen Krisenherden unterwegs. Mehr als acht Jahre ist es her, dass er in Aleppo in einen Schusswechsel geriet, den er nur mit Glück und der Hilfe eines fähigen syrischen Arztes überlebte. Auch davon erzählt er dem Publikum an diesem Abend. Heute schreibt Jörg Armbruster Bücher und Analysen über die arabische Welt.

Deren Basis ist selbst Erlebtes aus Ländern, aus denen es mittlerweile nur noch gefilterte Nachrichten gibt. Was wiederum auch die alten Geschichten für das Musikwinterpublikum interessant macht. Denn als er noch auf der Jagd nach Reportagen war in Ägypten, Libyen, im Irak oder in Syrien, ist Jörg Armbruster jenen „seltsamen Typen“ begegnet, die sich zunächst Isis nannten und später den IS bildeten. Zum Glück habe man ein schnelles Fluchtauto gehabt, erinnert er sich. Er hat Kämpfer der 2013 als Terrororganisation eingestuften al-Nusra-Front getroffen und mit den Dschihadisten gesprochen. Den Arabischen Frühling live miterlebt, die tagelangen Vorgänge auf dem Tahrir-Platz beobachtet. Gescheh- und Ereignisse, die so spannend waren, dass die Gefahr nicht ins Bewusstsein des berichtenden Korrespondenten drang - bis zu jenem Tag gut zwei Jahre später in Aleppo.

Daneben erzählt Jörg Armbruster aber auch, wie „traumhaft schön“ Syrien ist - oder vielmehr gewesen ist - mit seiner abwechslungsreichen Landschaft, den alten Kreuzfahrerburgen, den Kulturschätzen. Oder auch der Irak, den Jörg Armbruster zweimal von Nord nach Süd und umgekehrt durchreist und wo er den Atem der Urgeschichte gespürt hat.

Heute noch mal dort arbeiten - das möchte der Mann, der ausdrücklich „kein Kriegsreporter, sondern Korrespondent“ war, lieber nicht. Einerseits halten ihn davon die Arbeitsbedingungen ab, denen die Kollegen ausgesetzt sind. Zwar mit Internet und allgegenwärtiger Satellitenverbindung ausgestattet - „ein kleines technisches Wunder“ - dafür aber ständig unter Druck, in weniger Zeit mehr Beiträge liefern zu müssen. Das bedeute weniger Muße für die Recherche, beobachtet Jörg Armbruster und stellt fest: „Ich weiß nicht, ob das noch Spaß macht.“

Die Neugier hat er sich trotzdem bewahrt: Er würde, beantwortet er die entsprechende Frage des Moderators und Stichwortgebers Wolfgang Heim, sich den Sudan als Berichtsgebiet auswählen. Hier wären Informationen für den Westen wichtig, denn von ihm hänge ab, ob es der Zivilbevölkerung gelingt, dort wieder die Oberhand zu bekommen. Selbst Geschäfte mit diesem und anderen Ländern im Nahen und Mittleren Osten seien wichtig, findet Armbruster, aber eben „auf gar keinen Fall Waffengeschäfte“. Anke Schwörer-Haag

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