Der Jäger als Schützer des Waldes

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Klaus Neumann aus Abtsgmünd hat sein Jagdrevier am Orrotsee bei Rosenberg. Er erzählt, warum er Jäger ist und weshalb das Schießen von Tieren nicht auf der Tagesordnung steht.

Abtsgmünd

Klaus Neumann begutachtet ein Waldstück am Orrotsee. Dort stehen viele junge Tannen, die er gepflanzt hat – er möchte nachsehen, ob sie wachsen und gedeihen. Denn das ist nicht selbstverständlich: Rehe knabbern gerne daran, sodass viele der Nadelbäume nicht wachsen können. Neumann ist aber nicht etwa ein Förster, sondern ein Jäger – und erzählt, was das Jagen mit Naturschutz zu tun hat.

Knapp 30 Jahre ist es her, dass der Abtsgmünder seine Jägerprüfung abgeschlossen hat. Mittlerweile ist er auch Ausbildungsleiter in der Jägervereinigung Aalen im Ostalbkreis. "Dabei sitzt man aber mehr im Büro", sagt er und schmunzelt. Wer Jäger werden will, muss nicht nur eine Schießausbildung abschließen, sondern auch einen Kurs über Wildtierkunde.

Denn, das stellt Neumann klar: Dass ein Jäger nur draußen ist und schießt, sei schlichtweg ein Vorurteil. "Ich brauche vielleicht fünf Patronen im Jahr", sagt er. Als Jäger müsse er seinen Abschuss erfüllen – dieser richtet sich nach einem sogenannten Abschussplan, der festlegt, wie viel und welches Wild in einem bestimmten Zeitraum zu erlegen ist.

Wenn Neumann dann gemeinsam mit seiner Jagdhündin Branka loszieht, um zu jagen, heißt es: Warten. Ausgestattet mit seinem Gewehr und einem Fernglas, verbringt er oft mehrere Stunden auf dem Hochsitz. Aber das macht ihm nichts aus, im Gegenteil: Er genießt die Ruhe in der Natur. Dass er nach einer Jagd tatsächlich mit erlegtem Wild zurückkommt, sei eher selten.

Aber hat er ein Reh erlegt, kommt die eigentliche Arbeit: Das Tier muss zerlegt und bereit zum Verzehr verpackt werden. "Früher konnte man ein Reh, wie es war, weiterverkaufen, aber das wollen heute die wenigsten", erläutert Neumann.

Ich brauche vielleicht fünf Patronen im Jahr.

Klaus Neumann Jäger

Doch er verkauft nicht alles von dem Reh, das auch mal über 15 Kilo wiegen kann, vieles verwertet er selbst. Generell esse er Fleisch. "Aber ich brauche das auch nicht jeden Tag", betont er. Er kenne die Situation an Schlachthöfen, in denen Tiere am Fließband getötet werden. Das wäre kein Job für ihn, wie er sagt. "Das Wild, das ich erlege, hat bis dahin ein gutes Leben gehabt." Und er sei sicherlich nicht der "eiskalte Killer". "Bei mir gibt es keine Kunstschüsse und die Tiere haben das auch nicht verdient, in den Schlachthöfen so behandelt zu werden.

Jäger als Naturschützer

Und auch wenn es paradox klingt, diene die Jagd dazu, die Natur zu schützen. Zum Beispiel, weil die Rehe die Bäume anfressen. Das Jagen sei aber auch beispielsweise im Interesse der Landwirtschaft – zum Beispiel, wenn Wildschweine auf Maisfeldern wüten. Und um das Gleichgewicht im Wald nicht durcheinanderzubringen, sei es wichtig, sich im Wald und mit den Tieren auszukennen. Jägeranwärter brauchen ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis, die körperliche und geistige Eignung und müssen mehrere Tests bestehen. "Zur Jagd gehört alles dazu", sagt Neumann, "Hundewesen, Naturkunde, Waffentechnik und mehr."

Aber, das sagt er selbst: Der Idee, dass der Mensch für Gleichgewicht sorgt, stehe die Theorie gegenüber, dass die Natur sich selbst regelt. Oftmals seien es Stadtbewohner, die die Tiere bedauern und das Jagen kritisieren. So einfach könne man es sich mit einer Verurteilung jedoch nicht machen. "Der Wildschweinbestand nimmt rasant zu, weil es keine natürlichen Feinde mehr gibt." Zu diesen gehörten beispielsweise Luchse oder Wölfe. Und auch Rehe gefährden den Wald, etwa weil sie junge Tannen anknabbern. "Wir brauchen den Wald, da wächst sonst kein Baum mehr." Und er betont: "Jagen hat auf jeden Fall etwas mit Naturschutz zu tun."

Trotz allem lässt es Klaus Neumann nicht kalt, wenn er ein Tier erlegt. "Wenn ich abdrücke, geht das nicht spurlos an mir vorbei." Aber das findet er auch gut so. "Wenn es mal so weit ist, dass ich nichts mehr spüre, lass ich es sein."

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