Der Pandemie zum Trotz: Es wird wieder fröhlich gefeiert

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Die Ipfmess Countdown Party 2022.
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Die Zahl der Infizierten steigt aktuell stark an. Behörden, Ärzte und Kliniken sind in Habachtstellung.

3442 aktive Corona-Fälle hat das Landratsamt am Donnerstag gemeldet, 501 mehr als am Vortag. Der bundesweite Trend macht auch vor der Ostalb keinen Halt. Die Zahl der Corona-Infektionen steigt rasant. Behörden, Ärzte und Kliniken verfolgen die Entwicklung genau und sind in Habacht-Stellung.

„Wir haben jetzt eine ganz andere Entwicklung als noch im vergangenen Jahr“, sagt Susanne Dietterle, Pressesprecherin beim Landratsamt Ostalbkreis. 2021 seien die Zahl der Infizierten im Sommer kontinuierlich zurückgegangen. Jetzt steigt sie – und das recht dynamisch. Was mit den deutlich lascheren Regeln zu tun habe und auch damit, dass wieder Großveranstaltungen wie die Ipfmess‘ ohne Einschränkungen über die Bühne gehen könnten. „Es liegt in der Natur der Sache, dass solche Events die Zahlen nach oben treiben“, sagt Dietterle. Wobei sie anmerkt, dass sich derzeit noch keine konkreten Aussagen treffen ließen, welche Rolle die Ipfmess‘ in der aktuellen Corona-Statistik tatsächlich spielt. Dafür fehle schlicht die Datenlage. Überhaupt seien die Zahlen derzeit mit größter Vorsicht zu genießen, betont die Pressesprecherin. Denn: Es gebe eine hohe Dunkelziffer an Infizierten. Wer sich zuhause selbst testet, läuft unter dem offiziellen Corona-Radar. Und es würde auch nicht jeder Arzt immer einen PCR-Test vornehmen. „Da wird dann oft auch nur noch krankgeschrieben“, sagt Dietterle.

Die Pressesprecherin des Landratsamts glaubt, dass die Corona-Daumenschrauben trotz dieser Entwicklung vorerst von der Landesregierung noch nicht wieder angezogen werden – durch den Sommer werde man wahrscheinlich noch ohne Einschränkungen kommen. „Was im Herbst ist, bleibt abzuwarten.“

An den Kliniken im Ostalbkreis sind die Sorgenfalten dagegen schon etwas größer geworden. Zwar sei die Zahl jener Patienten, die wegen Corona ins Krankenhaus kämen, derzeit noch „gut händelbar“, teilt Klinikvorstand Professor Ulrich Solzbach mit. Aber: Viele Mitarbeiter würden aufgrund von Corona-Infektionen derzeit am Krankenhaus ausfallen. Und das habe sehr wohl Folgen. „Da uns etliche Kollegen fehlen, mussten schon Leistungen reduziert werden, das heißt wir können nicht mehr alle Klinikbetten belegen.“ Patienten und Besucher würden deshalb auch eindringlich darum gebeten, in den Kliniken Maske zu tragen. Außerdem sollen sie sich vor einem Klinikbesuch testen, damit die Krankenhäuser ihr Leistungsangebot nicht noch weiter runterfahren müssen. In diesem Zuge zeigt Solzbach zwar Verständnis dafür, dass alle gerade wieder die zurückgewonnene Freiheit in vollen Zügen genießen. Trotzdem plädiert er für eine Rückkehr zur AHA-Regeln (Abstand halten, Maske tragen und regelmäßig lüften) - zumindest bei Großveranstaltung in geschlossenen Räumen. Solche Events seien nachweislich ein Pandemietreiber. „Vermutlich wird man irgendwann nicht umhinkommen, wieder strengere Regeln einzuführen“, ist der Klinikvorstand überzeugt.

Kai Sonntag, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, beobachtet die Entwicklung ebenfalls mit einiger Sorge. Anders als in den Krankenhäusern seien die Arztpraxen im Land durch die steigende Zahl der Corona-Infizierten derzeit „hoch belastet“, sagt Sonntag. Gleichzeitig würden auch in den Praxen aktuell viele Mitarbeiter aufgrund von Corona-Erkrankungen ausfallen. Was die Lage zusätzlich verschärft. Sonntag appelliert in diesem Zuge an die Vernunft der Bürger. „Wir werden nicht mehr alles von oben regeln können, die Menschen müssen Eigenverantwortung übernehmen. Ob es aktuell wirklich sinnvoll ist, eine große Veranstaltung ohne Maske zu besuchen, lasse ich einfach mal offen.“

Ausrichter von großen Events, wie etwa die Stadt Ellwangen, hoffen dagegen, dass es nicht wieder zu größeren Einschränkungen oder schlimmstenfalls Absagen von Veranstaltungen kommt. „Die anstehende Seligsprechung von Pater Jeningen und auch die Heimattage sind uns schon sehr wichtig. Beides wollen wir selbstverständlich ohne Beeinträchtigung feiern dürfen“, sagt Anselm Grupp, Pressesprecher der Stadt Ellwangen. So lange die Lage an den Krankenhäuser noch entspannt ist, hege man bei der Ellwanger Stadtverwaltung auch keinen Zweifel daran, dass dies möglich ist. Wie Kai Sonntag appelliert auch Grupp in diesem Zuge an die Eigenverantwortung der Bürger. „Jeder kann und sollte für sich selbst abwägen, welches Risiko er auf sich nehmen möchte.“
Beim baden-württembergischen Sozialministerium winkt man derzeit noch ab, wenn nach möglichen neuen Einschränkungen wegen explodierender Infektionszahlen gefragt wird. „Derzeit sind - angesichts der stabilen Lage auf den Intensivstationen, des Impfschutzes vor schweren Verläufen und den im Vergleich milderer Verläufe durch die Omikron-Variante - keine Einschränkungen bei Großveranstaltungen oder weitergehende Maskenpflichten geplant“, teilt der stellvertretende Pressesprecher des Sozialministeriums, Pascal Murmann, schriftlich mit. Man habe den Bund mit Blick auf den Herbst und Winter aber schon dazu aufgefordert, „zeitnah einen gut bestückten Instrumentenkasten für die Bundesländer zur Verfügung zu stellen, um schnell handlungsfähig zu sein“, sollte sich die Situation verschärfen. Dazu gehöre beispielsweise die Maskenpflicht in Innenräumen oder auch 3G/2G-Zugangsregeln. Gleichwohl hoffe man derzeit noch, dass man auf solche Zwangsmaßnahmen in diesem Jahr verzichten kann. Das werde letztlich aber vom weiteren Infektionsgeschehen abhängen. „Niemand kann heute verlässlich voraussagen, wie sich das Virus weiter entwickelt.“ Treten neue, gefährliche Varianten auf, müsse darauf zwangsläufig adäquat reagiert werden.

Drei Euro Selbstbeteiligung: Bürgertests sind jetzt kostenpflichtig

Aktuell gibt es im gesamten Ostalbkreis 139 Corona-Testcenter. Die Liste ist auf der Homepage des Kreises abrufbar. Wie die Pressesprecherin vom Landratsamt, Susanne Dietterle erklärt, werden bis auf weiteres auch keine neuen Testcentren hinzukommen. Grund dafür sei die neueste Testverordnung, die seit dem ersten Juli gilt und nach der vorerst keine neuen Teststellen mehr zugelassen werden dürfen. Darüber hinaus sieht die neue Verordnung vor, dass die meisten Menschen jetzt für einen Corona-Test drei Euro zahlen müssen. Aber es gibt Ausnahmen Anspruch auf kostenlose Test haben unter anderem noch Kinder bis fünf Jahre, Schwangere im ersten Trimester, Krankenhaus- und Pflegeheimbesucher oder auch Genesene, die einen negativen Nachweis für den Arbeitgeber brauchen.

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