Der Stadtgarten kann Festival

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Darf auf einem Festival in Aalen nicht fehlen: Herrn Stumpfes Zieh & Zupf Kapelle.

Die Kulturfreunde Galgenberg und der Verein Kunterbunt haben ein coronagerechtes Festival auf die Beine gestellt. Acht Bands stehen auf der Bühne.

Daniel "Korny" Korn hat seine Gitarre im Gepäck. Mit ihr tritt er aus dem Backstagezelt hinter dem Pavillon im Aalener Stadtgarten. Als die Treppenstufen zur Bühne geschafft sind, hat der Singer- und Songwriter einen guten Blick auf die Gäste, die nur darauf warten, dass endlich wieder Musik aus den Boxen klingt. Mit seiner Band "I am Korny" ist er der ersten Künstler am Freitagabend, der beim Open Air "Aalen live – we will survive" auftritt. Ein zwei Tage füllendes Programm haben der Verein Kunterbunt und die Kulturfreunde Galgenberg zusammengezimmert.

"Das war früher mein Pausenhof", erinnert sich der Ex-Aalener Korny, der Songs von seinem neuen Album "Sleep ain't paying my dues" kredenzt. Die meisten erinnern sich nur schemenhaft an das Gelände samt Pavillon als Veranstaltungsort. Im Laufe der beiden Tage wird sich aber zeigen, dass Publikum wie Musiker gleichermaßen begeistert sind vom Stadtgarten.

Musikalisch haben sich die Macher für eine Mischung aus Rock, Jazz, Soul und Blues entschieden. Da passt die zweite Band des Freitagabends gut hinein. Das Trio von "Tightrope" – um Axel Nagel, Andy Kemmer und Matthias Kehrle – hat überwiegend rockige Nummern im Gepäck. Außer neuen Liedern wie "The Match", hat man auch Dauerbrenner wie "Long hot night" dabei. "Eine Hommage an das Galgenbergfestival", sagt Sänger Axel Nagel, ehe er den letzte Act des Freitagabends schmunzelnd als "Nachwuchsband" ankündigt. Dabei handelt es sich um Herrn Stumpfes Zieh & Zupf Kapelle, die sicher jung geblieben, aber alte Hasen im Geschäft sind. Sie durchbrechen die Genregrenzen mit ihrer skrupellosen Hausmusik.

Samstags geht das Open Air um 15 Uhr los. Das Publikum zeigt sich verhalten, trotz ausbleibendem Regen strömen weniger in den Stadtgarten. Während Edler Giebelmaier mit Jazzstandards den Anfang macht, sitzt der Vorsitzende des Vereins Kunterbunt und Veranstalter des Jazzfests, Ingo Hug, in einem Zelt im Backstage. "Ich spüre, dass die Sehnsucht der Besucher groß ist", sagt er. Die Kulturbranche sieht er in Gefahr. "Man hat uns als Erste zugemacht und macht uns als Letzte wieder auf." Es gäbe nichts zu verniedlichen, so der Macher, der gemeinsam mit den Kulturfreunden Galgenberg durch das Festival ein Zeichen setzten möchte.

Inzwischen hat es sich das Svend Renkenberger Duo mit Mischpult und Trommeln auf der Bühne bequem gemacht und schwelgt in instrumentalen Klängen. Hinter den Sitzgruppen steht Christian Mathéus am überdachten Mischpult. Er hat nicht nur das Hygienekonzept für das Festival entwickelt, er kümmert sich auch darum, dass alle Bands gut klingen. Mit acht Bassboxen und 16 Topteilen könne man den Stadtgarten optimal bespielen. "Wieso findet hier nicht öfter etwas statt?", stellt er noch in den Raum, ehe er sich wieder dem Mischpult widmet.

Wieso findet hier nicht öfter etwas statt?

Christian Mathéus Mitorganisator

Erstmals als Quartett auf der Bühne stehen Stefan Frank Guitar Power. Mit eigenen Songs vom Namensgeber und Gitarristen Frank und Coverversionen von Jimi Hendrix oder Bob Marley überzeugt man das Publikum schnell, denn der Mastermind, Bassist Markus Braun, Schlagzeuger Andi Beuge und Keyboarder Martin Sörös jammen gerne. Flirrende Melodien, ausladende Soli – auch die Coverlieder sind Interpretationen, die einen eigenen Stil aufweisen.

Anstatt des Simon Fuerst Trios dürfen Honky Phonk ran. "Genießt es, endlich wieder raus zu dürfen", ruft Sänger und Gitarrist Rudi Jimenez dem Publikum zu, ehe er in die Saiten greift. Die Band aus dem Ländle bietet progressiven Rock.

Es dämmert bereits, und das Festival neigt sich dem Ende zu. Mit Cosmo Klein aus Berlin haben die Veranstalter einen wohlbekannten Jazzfest-Gast eingeladen und ein gutes Händchen bewiesen. Denn die Band gibt ordentlich Gas, und da man weder tanzen noch singen darf, schlägt der Bandleader das gemeinsame Summen vor. Das kommt beim Publikum super an und so bekommt das erste "Aalen live – we will survive"-Festival einen gebührenden Abschluss.

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