Die Bilanz nach einem Monat impfen

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Das Kreisimpfzentrum in der Aalener Ulrich-Pfeifle-Halle ist ausgelegt auf 800 Impfungen pro Tag. In den ersten vier Wochen gab es dort 1700 Impfungen. Archiv-
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Vier Wochen Kreisimpfzentrum – Landrat Dr. Joachim Bläse und Professor Dr. Ulrich Solzbach über den aktuellen Fortschritt, Impflieferungen von AstraZeneca und Mutationen.

Aalen

Vor vier Wochen ist das Kreisimpfzentrum in Aalen in Betrieb gegangen – bekanntlich mit angezogener Handbremse, weil es derzeit noch zu wenig Impfstoff gibt. So haben bis Donnerstag 426 Personen im Kreisimpfzentrum bislang ihre zweite Impfung – und damit den vollständigen Impfschutz – erhalten, informiert Landrat Dr. Joachim Bläse.

Gleichzeitig waren auch die mobilen Teams des Landes und des Kreises in den Pflegeheimen unterwegs. Den vollständigen Impfschutz haben auf diesem Wege bislang insgesamt 1652 Menschen erhalten. Zusammengefasst haben 4594 Menschen im Ostalbkreis eine Erstimpfung und 2078 Personen eine Zweitimpfung erhalten. Außerdem kommen noch Personen hinzu, die sich in einem anderen Impfzentrum des Landes impfen ließen, diese Anzahl erfasst das Landratsamt allerdings nicht.

Der Ostalbkreis hinkt dem Landesdurchschnitt hinterher

Dabei bestätigt sich ein Bild, das wir bereits bei der Verteilung der Impfdosen in Baden-Württemberg beschrieben haben: Bevölkerungsreiche Landkreise, wie der Ostalbkreis, sind dabei im Nachteil. Die Zentralen Impfzentren, zum Beispiel in Ulm, Rot am See oder Stuttgart, bekommen überproportional viele Impfdosen und jedes Kreisimpfzentrum erhält unabhängig von der Bevölkerungszahl die gleiche Anzahl an Impfstoff. Im kleinen Kreis Baden-Baden ist aktuell jeder neunte Einwohner mit Impfstoff versorgt, im Ostalbkreis nur jeder 50.

Zu berücksichtigen ist zwar, dass die Zentralen Impfzentren etwa drei Wochen früher mit den Impfungen begonnen haben, allerdings waren auch mobile Impfteams schon früher in den Landkreisen unterwegs.

Das zeigt sich nun an den Zahlen. 2078 Menschen mit vollem Impfschutz entsprechen einer Quote von knapp 0,7 Prozent aller Ostalb-Einwohner. In Baden-Württemberg liegt diese Quote bereits bei 1,7 Prozent – immer noch wenig im Vergleich zu Bundesländern wie Rheinland-Pfalz mit 2,9 Prozent.

Der Landrat zieht dennoch ein positives Zwischenfazit: "Besonders erfreulich ist, dass wir bis 21. März 2021 alle 52 Alten- und Pflegeheime im Landkreis durchgeimpft haben, auch mit der zweiten Impfung." Laut statistischem Landesamt sind das ungefähr 2500 Menschen.

Nimmt man die Risikogruppe aller Menschen ab 80 Jahren zum Maßstab – das sind im Ostalbkreis etwas mehr als 20 000 –dann wären davon aktuell etwa zehn Prozent geimpft.

Das zeigt, wie langsam es noch immer auf Kreisebene vorangeht – die Quote der Zweitimpfungen kletterte innerhalb einer Woche um 0,3 Prozent im Ostalbkreis.

Mehr Impftermine dank Lieferungen von AstraZeneca

In den vergangenen Tagen erhielt der Ostalbkreis laut Angaben des Landratsamts über die Zentralen Impfzentren 1320 Dosen AstraZeneca-Impfstoff, 500 Impfdosen sind am Donnerstag der vergangenen Woche geliefert worden. Die restliche Lieferung von 820 Dosen ist am Dienstag eingetroffen.

Der Großteil davon ging laut Landratsamt an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der höchsten Priorität an den Kliniken. Zuerst wurde das medizinische Personal auf den Intensivstationen, in den Notaufnahmen und Isolierstationen gemäß Corona-Impf-Verordnung des Bundes geimpft.

"Vom Land wurde angekündigt, dass wir ab dieser Woche bis zur 14. Kalenderwoche insgesamt 11 500 Dosen AstraZeneca-Impfstoff erhalten", sagt Bläse. Somit könnten Ärzte, Personal in den Alten- und Pflegeheimen, vor allem auch im Ambulanten Dienst sowie Personal im Rettungsdienst geimpft werden.

Lassen Sie sich impfen.

Professor Dr. Ulrich Solzbach Kliniken-Chef

Deshalb gebe es 400 Impfungen für medizinisches Personal bereits an diesem Wochenende. Insgesamt werden 6 520 Impftermine des AstraZeneca-Impfstoffs für berechtigte Personen über www.impfterminservice.de und 116117 angeboten. Der restliche Impfstoff wird über Sammelimpfungen an den berechtigten Personenkreis im Kreisimpfzentrum verteilt. "Dies ermöglicht uns auch, wieder mehr Termine in unserem Kreisimpfzentrum für die über 80-jährige Bevölkerung anzubieten", sagt Bläse. So hat der Landkreis 4947 Erst- und Zweitimpfungstermine ins Buchungssystem eingestellt.

Jüngere Klinik-Mitarbeiter von Nebenwirkungen betroffen

"Aktuell haben bereits über 650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Erstimpfung erhalten", sagt Professor Dr. Urich Solzbach, Vorstandsvorsitzender der Kliniken Ostalb. Manche Kliniken und Rettungsorganisationen berichten über eine ungewöhnlich hohe Zahl an Krankschreibungen nach der Impfung. Dies sei an den Kliniken Ostalb aktuell nicht der Fall.

"Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass vor allem jüngere Mitarbeiter von den erwarteten Nebenwirkungen betroffen sind", sagt Solzbach. Eine Reaktion des Immunsystems auf den Impfstoff ist normal und erwünscht. Genau dadurch werde letztlich die körperliche Abwehr gegen das Virus ja gestärkt. Nebenwirkungen seien hier, wie bei allen Impfungen, individuell sehr unterschiedlich.

Deshalb sei man sich dessen bewusst gewesen, so Solzbach. "Wir haben daher gezielt darauf reagiert und planten die Impftermine, wo immer möglich, abteilungsübergreifend" ein, um einen hohen Krankenstand in einzelnen Bereichen zu verhindern. Denn auch die Kliniken Ostalb leiden, so Solzbach, wie alle Krankenhäuser deutschlandweit, unter einem Fachkräftemangel im ärztlichen und pflegerischen Bereich. "Von daher müssen wir alles tun, um weitere Ausfälle durch Impfreaktionen weitestgehend zu vermeiden", sagt Solzbach.

Aufgrund der Zuteilung des Impfstoffes durch das Gesundheitsministerium gebe es für die Kliniken derzeit keine Wahlmöglichkeit des Impfstoffes. Die ersten Impfungen der Mitarbeiter wurden mit dem Biontech-Impfstoff durchgeführt. "Aktuell nutzen wir den Impfstoff von AstraZeneca", sagt er.

Pflegeheimbewohner vertragen Impfstoff gut

Menschen in Pflegeheimen haben den RNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer erhalten. Dabei sind keine Berichte von stärkeren Nebenwirkungen bekannt geworden. "Alle KWA-Stiftsbewohner haben den Impfstoff sehr gut vertragen", sagt Sieglinde Hankele, Referentin für Presse und Öffentlichkeitsarbeit für das Aalener Albstift. Ihr seien keine Probleme bekannt.

Auch Solzbach ist von allen Impfstoffen überzeugt. "Alle drei derzeit verfügbaren Impfstoffe sind umfangreich und detailliert geprüft und getestet worden und weisen alle eine hohe Wirksamkeit gegen das Covid-19-Virus auf", sagt er und empfiehlt: "Lassen Sie sich impfen. Sie helfen und schützen sich dadurch nicht nur selbst, sondern tragen Ihren Teil dazu bei, das Virus weiter einzudämmen. Je mehr Menschen sich impfen lassen, desto früher erreichen wir eine Herdenimmunität und können das Virus zurückdrängen."

Corona-Lage entspannt – erste Virus-Mutationen sind da

"Stand heute hat sich die Lage an den Kliniken Ostalb wieder etwas entspannt", sagt Solzbach. Aktuell seien 31 stationäre Corona-Patienten an den drei Standorten in Behandlung. In der Spitze vor etwa vier Wochen seien dies mit 91 Patienten gut dreimal so viele gewesen.

Allerdings: Auch an den Kliniken Ostalb gibt es jetzt erste Patienten mit Virus-Varianten. Die Anzahl von insgesamt vier Patienten sei allerdings noch sehr überschaubar. "Wir beobachten dies sehr genau, um im Bedarfsfall schnell und flexibel auf einen Anstieg reagieren zu können", sagt Solzbach.

So läuft es mit den Impfungen im Ostalbkreis

Aalen. Das Diagramm zeigt den Impffortschritt der letzten drei Wochen im Ostalbkreis. Etwas mehr als 2000 Menschen haben mittlerweile den vollen Impfschutz. Bei 314 000 Einwohnern im Ostalbkreis entspricht das 0,66 Prozent. "Auch wenn gegebenenfalls ab Anfang April die Möglichkeit besteht, dass Mobile Impfteams dezentrale Impfungen für über 80-Jährige in Kommunen anbieten werden, sollte die Chance, sich im KIZ einen Termin zu buchen, weiterhin - wenn auch mit viel Mühe - genutzt werden", informiert das Landratsamt in einer Pressemitteilung. Seit dem 8. Februar liegt die 7-Tages-Inzidenz im Ostalbkreis unter 50. Landrat Bläse spricht der Bevölkerung dafür seinen Dank aus.

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Aktuell geht es noch langsam voran. Grafik: ca

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