Die Haller spielen wieder

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Spielfreudig besonders bei den Slapstickeinlagen: Franziska Becker hier als kleinwüchsige Ganovin statt als Helena, Alexander Martin als Bob.
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Wie Intendant Christian Doll das Stück "Eine Sommernacht" auf die neue Parkbühne bringt und was noch auf dem Programm steht.

Alles anders? Stimmt. Das vorherrschende Gefühl wohl der meisten Menschen in Coronazeiten haben sich die Schwäbischer Haller Freilichtspiele sogar zum diesjährigen Spielzeitmotto auserkoren. Diese Spielzeit wurde am Freitag eröffnet. Am, aber nicht wie ursprünglich geplant im Neuen Globe. Auf der neuen Parkbühne daneben wurde und wird in den nächsten Wochen unter anderem "Eine Sommernacht" gespielt. Rund hundert Menschen konnten bei der Premiere am Freitag dabei sein. Man konnte ihr Durchatmen beim Platznehmen an kleinen Bistrotischen und Bierbänken fast hören. Ja, es war anders. Aber nicht schlechter. Was der lange Applaus des Publikums nach der Premiere bewies.

Das Stück: Witz und Hintersinn

Man zimmert sich eben was Neues zusammen. Eine variable Bühne aus Paletten etwa, dem wohl beliebtesten Outdoor-Accessoire der letzten Jahre. Sieht gut aus und die Einzelteile lassen sich prima hin- und herschieben. Ähnlich variabel auch das Kennenlernen von Bob und Helena in der Kneipe. Sie, Scheidungsanwältin im kleinen Schwarzen, macht den durchschnittlichen Mittdreißiger mit Nase im Dostojewskibuch und Leben im Kleinkriminellenmilieu mit der Weinflasche winkend offensiv an. Oder doch nicht? Ein paar Mal erzählen die beiden dem Publikum die Geschichte noch – immer ein wenig anders, aus dem Blickwinkel des anderen. Es ist nicht alles, wie es aussieht. Gefühle, Träume, Wünsche – im Innern toben Zweifel, Resignation, Krisen. Helena belastet die Affäre mit einem verheirateten Mann samt Angst vor Schwangerschaft. Bob ein Sohn, zu dem er kaum Kontakt hat. Aber ob nun beim erneuten zufälligen Treffen vor der Kirche, beim Verprassen der Beute von Bobs Auftraggeber mit Nachtgestalten aus der Szene samt japanischen Bondage – offenbar passt zusammen, was nicht zusammenpassen sollte. Auch, wenn die beiden auf Distanz bleiben.

Vergnüglich die Slapstickeinlagen, bei denen vor allem Franziska Becker als Helena ein wohldosiertes Maß an Durchgeknalltheit vermittelt. Berührend die zurückhaltende Innenrevision von Alexander Martin als Gitarre spielender Bob. Mitreißend die Songs von Gorden McIntenyre, die beide Darsteller als hervorragende Sänger auszeichnen. Regisseur Christian Doll gibt der Liebeskomödie meist das nötige Tempo, sodass sie trotz mancher Längen und manch zu sehr strapaziertem Klischee über das Leben und die Liebe im Allgemeinen unterhaltsam bleibt. "Eine Sommernacht", die sich bestens für eine Theaternacht im Grünen eignet.

Freilichtspiele in Coronazeiten

"Man bewegt sich in einem Szenario des Unbekannten", sagt vorab der Presse der Haller OB Hermann-Josef Pelgrim. Trotzdem wolle man ein Angebot bieten, dass "einem professionellen Freilichttheater auch entspricht. Pelgrim hofft auf weitere Unterstützung des Landes. Die Haller Freilichtspiele seien älter als das Land Baden-Württemberg. In Sachen Hygiene seien alle geforderten Regelungen eingehalten, das Platzangebot geringer, aber flexibel gestaltet, sodass auch größere Gruppen und Familien nach Hall kommen können.

Der alternative Spielplan

"Wir haben einen Spielplan entwickelt, den ich nicht als Notspielplan betrachte", ergänzt Intendant Christian Doll. Die Abstandsregeln müssten zwar auch auf der Bühne eingehalten werden. Das sei bei der Wiederaufnahme von "Don Camille und Peppone" (13. August) schon wegen des Fußballspiels eine deutliche größere Herausforderung als bei der Wiederaufnahme von "Jedermann" (29. Juli). Mit dem Marivaux-Stück "Das Spiel von Liebe und Zufall" könne man sogar auf der Treppe eine Premiere feiern (6. August). "Das geht gut mit Abstand", so Doll. Es lebe von einer Sprache, die Körperlichkeit zwar mit einbeziehe, nicht aber Berührungen. Er hoffe, dass die Leichtigkeit auch gelinge, die das Stück vorgebe. Auch im Umgang mit der Situation.

Termine: Benefizabend mit Walter Sittler, 30. August (ausverkauft). Dirk Schäfer singt Jacques Brel, Treppe, (5. September). Der Zinnsoldat und die Papiertänzerin, Familienstück, Parkbühne (Premiere: 8. August). Alma und das Genie, Parkbühne (8. August). Karten und unter www.freilichtspiele-hall.de

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