Die Nacht im 1000-Sterne-Hotel

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Das Nachtlager ist im Aufbau. Entscheidender Unterschied zum Zelten: Beim Biwakieren wird unter freiem Himmel geschlafen.
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Beim Biwakieren lockt eine Nacht unter dem Sternenhimmel. Wo die Unterschiede zum Zelten liegen und wie der Ausflug zum Abenteuer wird.

Täferrot

Es ist Nacht. Mein Kumpane Friedrich und ich sitzen in unserem Lager. In der Hand die Kaffeetasse, daneben brodelt das Dosenfutter auf dem Esbit-Kocher. Weit und breit Stille. Nur das Grillenzirpen und das Plätschern des Wassers unterbricht sie. Wir biwakieren. Das heißt im Freien schlafen. Ohne Zelt. Ohne Feuer. Doch bis wir uns in unseren Schlafsäcken niederlassen und den klaren Sternenhimmel bestaunen konnten, war es ein weiter Weg.

Die Ausrüstung einpacken

Biwakieren will vorbereitet sein. Zwar braucht man dafür kein Zelt oder Feuerholz, trotzdem sollte man das ein oder andere im Gepäck haben. Zum Beispiel genügend warme Kleidung. Denn auch im Sommer kann es in den frühen Morgenstunden ganz schön frisch werden. Ebenfalls wichtig: ausreichend Wasser. Ansonsten ist so ziemlich alles zu gebrauchen, was beim normalen Zelten zum Einsatz kommt: Taschenmesser, Schlafsack, Camping-Licht. Im Gepäck sind neben Schlafsack und Geschirr auch Wechsel- und Extraklamotten sowie Erste-Hilfe-Ausrüstung und Müllsäcke.

"Wir laufen da aber schon hin, oder?", hatte mich mein Kumpane einige Tage vor unserem Abenteuer gefragt. Gute Frage. Laufen wir? "Ja, wir laufen", entgegnete ich ihm. Wenn schon, denn schon. Wir treffen uns am Tag des Geschehens, bepackt mit Wanderrucksäcken und in Outdoor-Kleidung gehüllt, und machen uns auf in Richtung Lager. Reisebeginn ist am frühen Abend. Und dann geht's los: Regen. Klasse. Wir übernachten draußen, ohne Dach über dem Kopf und es muss regnen. Egal, wir sind ja nicht aus Zucker. Und so schlimm wird's schon nicht sein.

Der Weg zum Abenteuer

Unser Weg führt uns über Feldwege in den Wald, von Waldwegen über Stock und Stein. "Die Stelle kommt mir bekannt vor", meint mein Kumpane auf der Suche nach unserem gewählten Plätzchen. Ein Satz, den ich ungefähr so oft höre wie "Jetzt sind wir gleich da." Im Wald ist es gar nicht so leicht, die Orientierung zu behalten. Vor allem nicht, wenn's zappenduster ist. Aber egal, das Letzte, was wir jetzt brauchen, sind Zankereien.

Mittlerweile hat wenigstens der Regen aufgehört, schon mal ein Fortschritt. Wir lassen uns nicht beirren und gehen immer der Nase nach. Und siehe da: Nach ein paar weiteren Minuten durch den dusteren Wald erreichen wir unser gewünschtes Ziel – und schlagen unser Lager auf. Da wären wir. Geschafft von den gut zwei Stunden, die wir zum Reiseziel gewandert sind, lassen wir uns erst einmal in die Campingstühle fallen. Es ist schon lange dunkel. Zum Ausruhen aber noch nicht der richtige Zeitpunkt. Wir breiten eine Plane auf dem Boden aus. Es ist leicht feucht und der Regen hat den Boden nicht trockener gemacht. Nachdem unser "Grundstück" abgesteckt ist, beschweren wir die Ecken der Plane mit unseren Rucksäcken.

Unsere Mägen knurren und eine kleine Portion "Wach" kann auch nicht schaden. Also schmeißen wir den Esbit-Kocher an und kochen uns eine Tasse Kaffee. Danach wird feinstes Dosenfutter zubereitet. Den Kaffee gekippt und mit dem Eintopf in der Schüssel ziehen wir noch einmal unsere Rucksäcke heran. In ihnen klimpern Glasflaschen. Mein Kumpane und ich gönnen uns ein kaltes Bier nach getaner Arbeit. Und vielleicht noch ein Zweites. Unser Licht schalten wir von weiß auf rot. Rotes Licht zieht Insekten weniger stark an. Woran das liegt? Keine Ahnung. Aber auf Insekten, die in mein Ohr kriechen, kann ich verzichten. Kurz nach Mitternacht. Trotz der kräftezehrenden Anreise sind mein Kumpane und ich noch nicht bereit zu schlafen. Liegt vielleicht am Kaffee. Aber kalt wird's langsam. Bis zu den Knien stecke ich schon im Schlafsack. Darunter trage ich mehrere Schichten Kleidung. Trotzdem ziehe ich mir den Schlafsack bis zur Brust zu und lege meinen Kopf in meine Hände. Wow: Der Himmel könnte kaum klarer sein.

Der Himmel klart auf

Wenn man nachts, ohne Licht und ohne Lärm, unter freiem Himmel liegt, mit Grillenzirpen und Wasserrauschen als Geräuschkulisse, dann sieht man den Himmel mit anderen Augen. Vereinzelt erspähe ich eine Sternschnuppe, am Horizont blitzt es immer wieder einmal. Es wird doch wohl nicht wieder anfangen zu regnen. Oder?

Mit Kaffee, Kartenspielen und dem Nachthimmel vertreiben wir uns die Zeit. Irgendwann meldet sich die Müdigkeit. Kurz vor zwei Uhr entschließen wir uns, das Abenteuer am nächsten Morgen fortzusetzen und legen uns zur Ruh. Wer nun dachte, wir machen ein Frühstück bei Sonnenaufgang, der hat sich getäuscht.

Vom Starkregen geweckt packen wir unseren Krempel zusammen und setzen per Smartphone ein Rettungssignal ab. Den Platz räumen wir spurlos, schon trifft unsere Mitfahrgelegenheit ein. Hundemüde aber erfüllt mit Stolz wegen der erfolgreichen Nacht, fern von Netflix und Spielekonsole, falle ich zuhause in mein Bett.

Der Skypark Epia in Wetzgau. Bis zu 22 Meter geht es hier in die Tiefe. Zwölf verschiedene Parcours in unterschiedlichen Schwierigkeiten warten hier auf Kletterabenteurer.
Da wäre ein Dach nicht schlecht: Vom Starkregen werden SchwäPo- und Tagespost-Volontär Erik Roth (links) und sein Kumpel Friedrich geweckt. Schnell den Krempel zusammengepackt, ein Rettungssignal abgesetzt und das Weite gesucht.
Mit dem Esbit-Kocher bereiten die beiden Essen zu.
Das Lager steht. Erst mal eine Tasse Kaffee.

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